Europa in Feierlaune: Erasmus geht aus

Artikel veröffentlicht am 6. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 6. November 2007

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"Zeig mir, wie du feierst und ich sage dir, wer du bist" - ist Feiern in Europa ein Spiegelbild der nationalen Persönlichkeit?

Als Eramus-Student hat man es in Brüssel schwer. Das liegt neben den freundlichen Belgiern auch an den vielen Expats - größtenteils ausländische Studenten und Einwanderer - und nicht zu vergessen vor allem: am Nachtleben der europäischen Hauptstadt.

Flaschenweise

Deutsche und Österreicher "glühen" erst einmal kräftig auf Küchenparties in Wohnheimen "vor". "Freiluft liebende" Südländer - häufig knapp bei Kasse - beginnen eine Partynacht mit einer botellón (einer großen Flasche): Eine Tradition, bei der sie sich vor dem Weggehen zu Hause, oftmals aber auch auf der Straße oder in Parks auf Pegel trinken.

Aufwärmphase: Essen, Chillen, Pokern, viel zu viele Zigaretten und Shisha rauchen. "Con calma", wie Guila aus Italien sagt. Kein Wunder also, dass sich die Ersten frühestens gegen Mitternacht auf den Weg in den nächsten Club machen. Der Rekord liegt übrigens bei den Spaniern, die sich erst gegen 3 Uhr in das Nachtleben stürzen. Etwas nördlicher fangen die Menschen bereits früher an zu essen - gegen 21 Uhr. "Wir verbringen unsere Zeit in italienschen und chinesischen Restaurants oder gehen Kebab essen", erklärt Pascaline aus Belgien, "Je nachdem, wohin wir danach gehen wollen."

Dresscode

In einem extrem kurzen Rock und High Heels kippt sie in einer Kneipe ein Bier nach dem anderen: "Sie ist Britin", erklärt mir ein Student bei einem Glas - Bier. Belgische Mädels tragen Röcke mit ausgefallenen Oberteilen, oder Jeans und auffällige Shirts. Griechinnen und Französinnen sind eher elegant gekleidet. Einen Look, den sie sich von den Italienerinnen abgeschaut haben. Diese wiederum folgen zusammen mit den Britinnen der so genannten goliardia-Tradition: in Anlehnung an das Motto ihrer Studentenvereinigung tragen sie häufig thematische Outfits. Sloweninnen, Ungarinnen, Polinnen und Litauerinnen liegen mit ihrem abendlichen Dresscode voll im Trend.

Im Unterschied dazu steht das Outfit der männlichen Partygänger Europas. In Großbritannien bevorzugt 'Mann' die strenge Shirt-Hosen Kombi. "Studenten der Wirtschaft und Medizin kleiden sich eher formal", sagt Florian aus Österereich. "Ich habe diese Schnösel satt, die ich aus Frankreich oder Brüssel kenne. Sie tragen Lacoste, Tommy Pullover und Polo Shirts", kommentiert ein polnisches Mädchen. "Sie sind wie eine eigene Gesellschaftskaste."

Warmtrinken

Die Insulaner, besonders die weiblichen, verstehen sich ziemlich gut auf das (Kampf)Trinken - ähnlich wie Deutsche, Australier, Niederländer, Belgier, Polen und auch Russen. Kein Wunder. Kommen doch das beste Bier und der klarste Wodka von dort - die Marken ubrówka oder Wyborowa aus Polen, Sibirskaja aus Sibirien, Moskovskaja aus Moskau. Eine Flasche guter russischer ZYR Wodka kostet 30 Dollar.

Südländer hingegen neigen eher zu Wein - pur oder gemischt. Bekannt sind Sangria (eine Bowle aus Früchten, Zimt, Zucker, Cognac oder Gin), tinto de verano (roter Wein mit Limonade oder Soda) oder auch Calimocho (roter Wein mit Cola).

Nordeuropa ist in den Händen der Bierbauch-Besitzer, obwohl sich die Deutschen eine gewisse Cocktail-Kultur angeeignet haben. Mittel- und Osteuropäer scheinen ihrerseits alles zu mögen. Sie haben keine besonderen Vorlieben, bevorzugen Spirituosen jedoch pur. "Jak si bawi, to si bawi…drzwi wywali potem wstawi" (Wenn du feierst, dann feiere wirklich - mach die Tür kaputt und hinterher wieder heil), gibt uns Micha alias 'Der Heilige' aus Polen mit auf den Weg.

In Brüssel zapfen Barkeeper für die männlichen Trinker endlos Bier (een pintje! im Niederländischen) und kriek (ein Bier mit Fruchtsaft), für die Damen werden Wein und Martini ausgeschenkt. "Ausländische Gäste trinken weniger als hiesige. Und sie geben weniger Trinkgeld", beschwert sich Alain vom LeCiro, einer gut besuchten Kneipe in der Brüsseler Innenstadt.

Boogie 2night

In puncto Tanzen scheinen Franzosen, Briten und Schweden mit ihren Füßen am Boden festgenagelt. Spanier und Polen wird man andererseits kaum dabei erwischen, wie sie sich am Rand einer Tanzfläche regungslos die Beine in den Bauch stehen. Obwohl es auch gegenteilige Gerüchte gibt, die herumstehende Polen als 'Wandstützen' bezeichnen - damit letztere nicht umfallen.

Südländer haben ein besseres Rhythmusgefühl. "Portugiesen, Griechen oder Türken tendieren zu eingängiger Samba- und Salsamusik", klärt Pascaline auf. Ebenso wie die Tanztraditionen, reicht auch der Musikgeschmack von mediterranen Melodien über Klassikrock von der Insel, amerikanischem HipHop über Brit Pop bis hin zu Techno-Beats großer Djs aus den Beneluxstaaten. 'De gustibus' (je nach Geschmack) - wie der Pole (mit Latinum in der Tasche) sagen würde. "Europa feiert und tanzt zu einem Mix verschiedener Genres", meint Leyre aus Spanien.

Absacker

Eines haben alle europäischen Partygänger gemeinsam: dieses traurige Gefühl, wenn man sich bereits wieder auf dem Heimweg befindet. Einige unter ihnen - wie die Belgier und die Deutschen - haben jedoch mehr Glück. In ihren Ländern gibt es keine offiziellen Schließungszeiten. Briten haben sich daran gewöhnt, ihre Parties gegen 11 oder 1 Uhr langsam ausklingen zu lassen. Wohingegen Italiener lauthals ihren Unmut über die Schließung verkünden, indem sie die Straßen mit Hymnen beschallen. Oft singen sie aus Protest das traditionelle Volkslied Bella Ciao, wenn sie die Bar verlassen müssen.

Die Polen lieben es hingegen feuchtfröhlich weiterzufeiern - das "Clubbing2 Phänomenen ist jedoch nahezu europaweit verbreitet. Die unerschütterlichen Spanier sind berühmt dafür, dass sie erst nach Hause gehen, wenn die letzten dabei sind, die Tanzfläche zu räumen. Und dann gibt es da noch die britisch - deutsch - belgische Kebabkultur. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel.

Vielen Dank an alle, die mir bei der Recherche für diesen Artikel behilflich waren [;-) AdR]. Insbesondere: Nabeelah, Pascaline, Leyre, Ola, Jan, David, Giulia und Florian.

Partykit für Studenten

Gent, Belgien

Overpoortstraat – Straße mit vielen Bars und Restaurants, bei Studenten sehr beliebt

Waterhuis aan de bierkant - Bierhimmel

Druppelkot – unbedingt jenevers probieren

Culture club - Partyzentrum

Brüssel, Belgien

Delirium – 2004 verschiedene Biersorten

Coaster – gut für einen Cocktail

Celtica – ein klassisches Irish Pub mit Live Music im unteren Bereich

You'niversity – bekannter Club im Stadtzentrum

Mirano – trendiger Club mit einer "spinning platform" auf der Tanzfläche

Pamplona, Spanien

Casco Viejo – die Altstadt, in der alle Kneipen und Bars zu finden sind

Warschau, Polen

Plan B – guter Ort zum Kaffeetrinken oder für ein Bier, super Lage

Stodoa – legender Studentenclub, viele Konzerte und Parties

Krakau, Polen

C.K. Browar - eine Kneipe, in der das Bier selbstgebraut und in 1,5 m langen Biergläsern serviert wird

Erasmus Party in Finnland: mit allen oben genannten Zutaten

(Video: wverlinde/Youtube)

(Intext Fotos: WM)