Europa gegen Microsoft: 1 - 0

Artikel veröffentlicht am 1. April 2004
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Artikel veröffentlicht am 1. April 2004

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Durch die Verurteilung von Mircosoft zu einer Rekordstrafe von 497 Millionen Euro hat Wettbewerbskommissar Mario Monti einen hübschen Mediencoup gelandet - und den amerikanischen Titanen herausgefordert.

Durch den Angriff auf Mircosoft hat sich die Kommission solide Feindschaften geschaffen, vor allem in den Vereinigten Staaten. Die Maßnahmen der Kommission sind für Bill Frist, den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, schlicht „absurd“, Hewitt Pate, Wettbewerbsexperte im Justizministerium, findet die Entscheidung „bedauerlich“. Dabei wurde gegen Mircosoft noch vor zwei Jahren auf der anderen Atlantikseite wegen den gleichen Gründen ermittelt: „Schwere und anhaltende Verstöße“ gegen das Wettbewerbsrecht, die auf einer ausgedehnten Strategie zur Ausschaltung von Marktkonkurrenten basieren würden, so die Kommission. Die amerikanische Justiz hatte sogar eine Zerschlagung des Softwaregiganten erwogen - eine viel radikalere Lösung, als die, die in Europa zur Anwendung kam. Das Verfahren wurde damals jedoch eingestellt, nachdem eine Einigung mit der Bush-Administration erzielt werden konnte.

Transatlantischer Kleinkrieg

Ein Beispiel, dem man folgen sollte? In einem offenen Brief an Mario Monti haben zehn US-Parlamentarier darauf hingewiesen, dass es in erster Linie die Aufgabe der Vereinigten Staaten sei, etwaige Maßnahmen gegen amerikanische Firmen zu beschließen. In einem beiliegenden Schreiben gehen zwei der Verfasser noch weiter: „Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der USA erhalten. Diese Entscheidung wird den Zugang amerikanischer Firmen auf den europäischen Markt einschränken. Europa muss seine Position überdenken.“ Mircosoft, der amerikanische Champion?

Zwei Wettbewerbsphilosophien

Die wirkliche Frage stellt sich jedoch woanders, vielleicht in einer bestimmten Philosophie des Wettbewerbs. Liegt das Kundeninteresse lediglich in einem niedrigen Preis, den nur Mircosoft anbieten könne, wie die Softwarefirma versichert? Oder in einem diversifiziertem Wettbewerb? Die Höhe der Strafe ist nur ein Detail. 497,2 Millionen Euro ? Peanuts für die Firma von Bill Gates, die über Bargeldreserven in Höhe von 50 Mrd. Euro verfügt. Dank einer Armee von Anwälten, die Mircosoft vor dem Europäischen Gerichtshof verteidigen werden, wird die Strafe ohnehin erst in vier bis fünf Jahren gezahlt werden. Die anderen Sanktionen sind ärgerlicher: Innerhalb von 120 Tagen müssen die Konkurrenten von Mircosoft Informationen über das Betriebsystem erhalten, damit ihre Produkte mit Windows kommunizieren können. Und innerhalb von 90 Tagen müssen zwei Versionen von Windows auf dem Markt erhältlich sein, eine davon ohne den bisher integrierten Media Player.

“Longhorn“ im Visier

Ein Detail? Nicht wirklich. Denn damit wird ein Prinzip angegriffen, auf dem der Erfolg von Mircosoft und die Niederlage seiner Konkurrenten beruht: Der Paketverkauf. Man verkauft keine Computer ohne Windows, kein Windows ohne Media Player, oder .. man muss es deinstallieren, und das ist teurer! So kann die Firma sehr leicht seine Anwendungsprogramme an den Mann bringen. Durch den Angriff auf den Windows Media Player will die Kommission eine Rechtssprechung schaffen, die erlauben wird, den Klagen gegen „Longhorn“ zu entsprechen. „Longhorn“ ist eine neue Windows-Version, die 2006 auf den Markt kommen soll, und deren Zauberwort „Integration“ sein wird: Integration von allen möglichen Programmen… und so wird sie vermutlich alle Konkurrenten ausschalten.