“Euronews trägt zur Konstruktion Europas bei”

Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2005
Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2005

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Nicola Assetta, Chefredakteur von „EuroNews”, erläutert die Wichtigkeit von Vielsprachigkeit in den Medien im café babel-Interview.

„Euronews versucht sprachliche und journalistische Eigenheiten in Europa zu respektieren“, erklärt Assetta, Chefredakteur des internationalen Nachrichtensenders, der seit 1993 rund um die Uhr auf Sendung ist. Das Programm von EuroNews zeichnet sich durch Mehrsprachigkeit und eine europäische Perspektive aus, mit dem Ziel, „Europa zu bauen“, wie es Assetta ausdrückt.

Was bedeutet transnationaler, mehrsprachiger Journalismus für „EuroNews“?

Euronews sieht sich als Vorreiter der Vielsprachigkeit, und das ist uns wichtig. Dank der sieben Sprachversionen (Italienisch, Französisch, Englisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch) können wir sieben Nationalitäten und sieben Kulturen repräsentieren. Unsere Nachrichten sind nicht europäsisch, weil sie über Europa informieren, sondern vor allem, weil eine europäische Perspektive vermittelt wird, dank unserer internationalen Journalisten.

Was sind die Stärken und Schwächen eines vielsprachigen Journalismus?

Die wichtigste Überlegung ist, dass jede Version des Programms die gleiche redaktionelle Linie verfolgt. Wir versuchen, die journalistischen und sprachlichen Eigenheiten Europas zu bewahren und gleichzeitig Vollständigkeit der Informationen zu gewährleisten, die in jeder Sprache die gleichen sein sollten. Das führt natürlich zu Diskussionen in der Redaktion. Es ist ein Ort der Konfrontation zwischen den verschiedenen Kulturen.

Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Nun, der Fall Gibraltar: Die Ansichten eines spanischen Journalisten sind anders als die eines Engländers. Wir versuchen, die Argumente, die berechtigt und objektiv sind, herauszustellen. Auf der einen Seite sind die Engländer überzeugt, dass Gibraltar ein legitimes, durch Referendum bestätigtes Überseegebiet Großbritanniens ist, andererseits finden die Spanier, dass es sich um ein Überbleibsel der Kolonialzeit handelt. EuroNews versucht einen Weg zwischen Konfrontation und Einigung zu finden. Unsere Art, die Leute zu informieren, ist eine Art zur Konstruktion Europas beizutragen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Nachrichten in den verschiedenen Versionen?

Die Redaktion besteht aus verschiedenen Sprachteams, aber die redaktionelle Linie des Nachrichtenprogramms wird vom Chefredakteur, seinem Stellvertreter und dem Programmdirektor festgelegt, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungsleitern. Im Unterschied zu einer „normalen“ Redaktion werden zunächst die Bilder montiert und dann die Kommentare geschrieben, unabhängig für jede Sprachversion. Die Sprechertexte werden nicht übersetzt, sondern jeder Journalist schreibt seinen eigenen Kommentar, auf der Basis der gleichen Quellen wie die anderen.

Das bedeutet, dass es Unterschiede zwischen den Sprachversionen gibt.

Ja, zum Beispiel was das Referendum über künstliche Befruchtung in Italien angeht war der Ansatz des italienischen Redakteurs ein anderer als der des deutschen Kollegen. Auch was das EU-Budget und die Debatte um französisch-deutsche gegenüber der britischen Perspektive betrifft, haben die Versionen verschiedene Details unterschiedlich stark betont.

Wie wird „Euronews“ vom europäischen Publikum aufgenommen?

Wenn man unsere Mittel betrachtet, kann man feststellen, dass wir in allen Bereichen gute Ergebnisse erzielen. In Europa sind wir weiter verbreitet als jedes andere transnationale Programm wie BBC oder CNN. Selbstverständlich ist die Verwendung verschiedener Sprachen der Grund für unseren Erfolg. Außerdem sind wir auf nationaler Ebene die einzige Alternative zum anglo-amerikanischen Monopol.

2001 ging die russische Version von „EuroNews“ auf Sendung. Erwägen Sie nach der Erweiterung der EU um zehn neue Staaten die Zahl der Sprachversionen auszuweiten?

Wir waren inhaltlich und durch das Budget, das im Spiel war, motiviert, die russische Version zu starten. Die russische Fernsehfirma RH besitzt 16% von EuroNews, was uns erlaubte, die Kosten für die Einrichtung einer neuen Version zu teilen. Letztes Jahr war EuroNews der einzige Sender in Russland, der Bilder vom Gemetzel in Beslan zeigte. Jeder, der Zugang zu Satellitenfernsehen hat, kann CNN oder BBC empfangen, aber EuroNews ist das einzige Programm, das direkt auf russisch sendet. Was die Erweiterung des Programms auf Sprachen der neuen EU-Mitglieder angeht gibt es Vereinbarungen mit Rumänien (das 2007 der EU beitreten soll) und der Tschechischen Republik. Diese beiden Länder werden keine Vollversion des Programms bekommen, aber dreimal am Tag wird eine Übersetzung des Programms ausgestrahlt.