Eurobubble: Wer braucht schon Brüssel?

Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2013

“This is not Brussels, welcome to the Eurobubble.” Das ist der finale Satz des Trailers der satirischen Online-Serie Eurobubble von Yacine Kehouen. Die Hauptfiguren sind junge Menschen aus ganz Europa, die in der Welt der Institutionen und Interessensverbände Brüssels leben und arbeiten.

Die belgische Hauptstadt ist das Job-Ziel, das jeder Student – besonders der Wirtschafts-, Politik- oder Sozialwissenschaften – während seiner Universitätslaufbahn schon mindestens einmal in Betracht gezogen hat. Denn Brüssel ist eine besondere Nische am europäischen Arbeitsmarkt. Hinter den Namen von hunderten Interessensverbänden und Forschungszentren steht eine ganze Generation junger europäischer Praktikanten, Lobbyisten, Policy Officers und Project Manager. Mit einem Wort: die Eurobubble. Yacine Kouhen, der bereits als Policy Officer und Project Manager gearbeitet hat, bezeichnet sich selbst als „Ex-Eurobubbler“. Er schreibt seit 2011 in seinem Blog über diese ganz eigene Welt. Kouhen lebt seit 3 Jahren in Brüssel und ist gerade dabei, mit einigen Freunden eine Kommunikationsagentur aufzubauen. Dank Crowdfunding hat sich sein Blog „Eurobubble“ inzwischen sogar zu einer Youtube-Serie entwickelt. Und wer sind wohl die größten Fans? Genau jene Jungabsolventen und junge Angestellte, die die „europäische Blase“ bevölkern und über die Kouhen sich in seinen Postings liebevoll lustig macht. 

JAGD NACH DER ARBEIT FÜR EUROPA
Als ich zum Haus von Yacine komme, um ihn zu interviewen, ist gerade Mittagszeit. Er wohnt neben dem Justizpalast von Brüssel. Als er die Tür öffnet weiß ich sofort, dass ich hier richtig bin: sein Gesicht passt genau zu den typischen Figuren der Onlineserie. Bei einem Kaffee im Garten erzählt mir Yacine, dass die Eurobubble eine Stadt in der Stadt ist; gewissermaßen eine Glasglocke, die sich über ein Gebiet zwischen ein paar U-Bahn Stationen legt und die Menschen darin völlig vom Leben der belgischen Bürger isoliert. „Hier arbeiten junge Menschen mit Universitätsabschlüssen, die zumindest drei Sprachen beherrschen, Erasmus gemacht haben und zumindest in zwei anderen Ländern als ihre Heimat gelebt haben“, versucht Yacine das soziologische Bild dieser Realität zu erläutern. „Sie kommen auf Arbeitssuche nach Brüssel, aber in Wirklichkeit ist es sehr schwer, hier einen Job zu finden, auch für Hochqualifizierte.“

JAGD NACH DER ARBEIT FÜR EUROPA

Als ich zum Haus von Yacine komme, um ihn zu interviewen, ist gerade Mittagszeit. Er wohnt neben dem Justizpalast von Brüssel. Als er die Tür öffnet weiß ich sofort, dass ich hier richtig bin: sein Gesicht passt genau zu den typischen Figuren der Onlineserie. Bei einem Kaffee im Garten erzählt mir Yacine, dass die Eurobubble eine Stadt in der Stadt ist; gewissermaßen eine Glasglocke, die sich über ein Gebiet zwischen ein paar U-Bahn Stationen legt und die Menschen darin völlig vom Leben der belgischen Bürger isoliert. „Hier arbeiten junge Menschen mit Universitätsabschlüssen, die zumindest drei Sprachen beherrschen, Erasmus gemacht haben und zumindest in zwei anderen Ländern als ihre Heimat gelebt haben“, versucht Yacine das soziologische Bild dieser Realität zu erläutern. „Sie kommen auf Arbeitssuche nach Brüssel, aber in Wirklichkeit ist es sehr schwer, hier einen Job zu finden, auch für Hochqualifizierte.“

PLUX: “ALLES DREHT SICH UM BEZIEHUNGEN”

“Diese Personen bekommen nicht jene Gehälter, die ihnen aufgrund ihrer Kompetenzen und Qualifikationen zustehen würden”, erklärt Yacine. In Wirklichkeit ist das Leben in Brüssel mit wenig mehr als 1000 Euro im Monat alles andere als behaglich. Zudem müssen jene, die in  Brüssel einen Job suchen, sich mit den unausweichlichen Schwierigkeiten eines Arbeitsmarktes in so einer Nische auseinandersetzen: „Am Anfang startest du immer als Praktikant, anders geht es gar nicht. Wenn du dann erst einmal in einen der Verbände hineingekommen bist, dreht sich alles um Networking, vor allem die Fähigkeit, sich eng mit Personen zu befreunden, die bei den europäischen Institutionen oder anderen Verbänden arbeiten“, betont Yacine. Er lächelt ironisch während er mir von dem Ort erzählt, der schlechthin für diese Aktivitäten steht: dem Plux oder Place du Luxembourg, ein Platz vor dem Europäischen Parlament, gesäumt von schicken Bars, in welche die jungen Berufstätigen nach der Arbeit strömen, um gemeinsam ein Bier zu trinken. 

EINE GETEILTE STADT

Die Eurobubbler befreunden und sozialisieren sich nur untereinander und ihre Isolation wächst dadurch immer mehr. „Du fühlst es auf der Straße, ganz intuitiv. Ich glaube nicht, dass die Eurobubbler gut integriert sind. Und ich glaube auch nicht, dass sie bei den ursprünglichen Bewohnern der Stadt einen guten Ruf haben“ , sagt Yacine sarkastisch. Als ich ihn nach den Gründen für diese mangelnde Integration frage, spricht er über die hohen Mieten, die der Zuzug von so vielen hochqualifizierten Arbeitskräften der Stadt gebracht hat. Außerdem nennt er die Undurchdringlichkeit der Nische. Die Eurobubble fördert nicht gerade gegenseitiges Verständnis. „Wie immer, wenn man einander nicht kennt, überwiegt die Skepsis“, erzählt Yacine weiter. Es gelingt mir, ein Quäntchen Bedauern in seiner Stimme zu entdecken. Tatsächlich ist es nicht die erste „Blase“ – seine Lieblingsbezeichnung – die er während seiner jungen Karriere kennenlernen durfte. In jeder Stadt, in die viele ortsfremde Personen mit ähnlichen Qualifikationen strömen, entstehen diese Phänomene. „Allerdings ist dieser Effekt in Brüssel noch viel gewaltiger, wir sprechen hier über dutzende tausend Menschen.“ Die Eurobubble ist jedenfalls nicht an sich schlecht. Die europäischen Institutionen brauchten einen physischen Ort, um sich zu formieren. “Und trotz allem bleibt die Eurobubble ein extrem interessanter Ort, denk nur daran, was hier alles entschieden wird“, betont Yacine. Wahrscheinlich hat er sich deshalb dazu entschlossen, mit Freunden eine Kommunikationsagentur aufzubauen. Ihre Absicht ist, die Welt der Eurobubble jenen bekannt zu machen, die sie nicht kennen. „In der Zwischenzeit können alle die Youtube-Serie anschauen“, sagt Yacine mit einem aufrichtigen Grinsen und verabschiedet sich von mir.