Euro-Satire-Battle: Trumps USA zuerst - wer wird zweiter? 

Artikel veröffentlicht am 6. Februar 2017
Artikel veröffentlicht am 6. Februar 2017

„America first“, das haben wir verstanden. Wer aber wird in Europa „second“? Die Niederländer haben mit einem Satirevideo vorgelegt, nun haben sich andere Komiker aus ganz Europa verbündet und zogen gemeinsam nach. Welcher Europäer ist der beste?  Über Trumps Fähigkeit, die Europäer zu vereinen.

Genau zwei Wochen ist es her, dass die Late Night Show Zondag met Lubach ein Video veröffentlichte, mit dem sie sich an Trump richtet. Darin wirbt die holländische Satiresendung wie in einem Imagevideo für ihr Land. „Wir haben die besten Worte, alle anderen Sprachen haben versagt“, preisen sie darin die Niederlande an. Das Video ging viral, hat bisher 20 000 000 Klicks und wurde somit mit ihrer Anfrage an Trump „We totally understand it's going to be America First - But can we just say 'The Netherlands Second?‘“ in den Niederlanden, in ganz Europa und über die Grenzen Europas bekannt.

Die USA als Vorzeigeland der Welt? Das besorgt und macht Angst. Die Niederlande als Vorzeigeland Europas? Das empört. Die anderen europäischen Länder wollten diese Entwicklung nicht hinnehmen und zogen nach - jeder mit seiner ganz eigenen Werbebotschaft an Trump und der Botschaft „unser Land ist zweiter.“

Schweiz: Viele Russen, keine Mexikaner

So machte die Schweizer TV-Show Deville Late Night die Niederlande mit den Worten: „It’s too flat“ fertig. Die Schweiz sei besser, denn: „It’s big!“. Das Land sei den Zielen Trumps viel ähnlicher: Wir haben hier keine Mexikaner, wir mögen die Russen, für die wir einen speziellen Ort gebaut haben (St. Moritz), und „auch wir behandeln unsere Frauen gerne schlecht. Wir lieben es. Wir haben ihnen das Wahlrecht erst 1971 geben. An manchen Orten sogar erst 1990”, werben sie.

Litauen: Kampf gegen Deutsche bevor es hip war

Aber nicht nur die Schweiz hat nachgezogen, auch der litauische Internetkanal Laisves TV wirbt für das eigene Land: Litauen sei das Zentrum Europas, und das beste Land. Die Macher erinnern an die Geschichte des Landes, das vor 600 Jahren sehr groß und mächtig gewesen sei und die Deutschen zerstörte, „bevor es trendy war, Deutsche zu zerstören.“ Und sie sprechen davon, sich schon vor langer Zeit mit einer Mauer gegen  die Sowjetunion geschützt zu haben.

Deutschland: Oktoberfest und Pisse

Mit einer Mauer wirbt auch das deutsche Video der Late Night Show Neo Magazin Royale rund um Komiker Jan Böhmermann. Deutschland sei so toll, dass es bereits eine Mauer hatte. Russland habe dafür bezahlt – und als die Mauer 1989 fiel, hätten die Menschen geweint. Wen interessiert da, dass es vor Freude war? Sie werben dem Oktoberfest werben, aber nicht ohne sich zugleich darüber lustig zu machen: „Es ist das beste Bierfest, das Gott je geschaffen hat. Überall is Pisse. Sie würden es lieben.” Auch die Geschichte lässt Böhmermann, der nach der Veröffentlichung seines Satiregedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan mit dem Vorwurf auf Majestätsbeleidigung vor Gericht stand, nicht außen vor: Deutschland habe schon zwei Weltkriege begonnen und gewonnen. Das seien Fakten. Es ist nicht das erste Mal, dass das Neo Magazin Royale auf Trump reagiert. Während des Wahlkampfs antworteten sie bereits mit dem „Be German“-Video und einem #MakeGermanyGreatAgain-Hashtag auf Trumps Vorhaben für die USA.

Auch Portugal, Belgien und sogar Luxemburg werben in Imagevideos für sich als „zweites Land nach Trump“. Die Macher des Imagevideos für Luxemburg preisen ihr Land als Steuerparadies an und ziehen Parallelen zu Trumps Ehefrau: Auch  sie hätten eine Immigrantin als First Lady, die vor ihrer schrecklichen Heimat geflohen war und von dem Land, in das sie floh, liebevoll in schützende Arme aufgenommen wurde. Inzwischen hat sogar Marokko ein Imagevideo publiziert. Trump würde einen großen Fehler begehen, wenn er ein europäisches Land wählt, die wegen der Flüchtlingkrise doch gerade so schwach sind.

Trump bringt Europa den Frieden

„Nicht nur wir Deutschen sind empört, auch andere Nationen waren außer sich, als sie das Video der Holländer gesehen haben“, sagt Böhmermann in der Show, nachdem der Imageclip für Deutschland ausgestrahlt wurde. Deswegen hätten sich „alle guten Late Night Shows der Welt“ abgesprochen, um sich gegen die Niederlande zusammenzuschließen. Das Video der Niederländer war „so lustig, dass man es nicht toppen kann“. Die einzige Möglichkeit: „Wir schließen uns alle zusammen, und dann bekommt jedes Land die Möglichkeit, zweiter zu werden.“

Und so hat Trump Europa wieder vereint. Wir streben wieder nach einem gemeinsamen Ziel: Zusammen respektabler zweiter zu sein! Viele Shows haben sich abgesprochen und jeweils ein eigenes Imagevideo für das jeweilige Land erstellt. Bisher haben alle Videos dabei auf eine einfache Sprache zurückgegriffen, wie sie auch Trump verwendet: Wenige Worte, die sich oft wiederholen und kurze, prägnante Sätze, immer wieder zusammengefasst von Sätzen wie „Es ist toll“ oder „Du wirst es lieben“ – ganz nach dem vorbild von Trump. Und auch der Sprecher  imitiert die Sprechweise Trumps perfekt.

So wirklich streiten die Länder also gar nicht darum, besser zu sein als die anderen. Daher auch der gemeinsame Hashtag: #EverySecondCounts. Sie haben zudem einen gemeinsamen Twitteraccount eröffnet. Seitdem werden unter @itsgreateu immer neue Errungenschaften der einzelnen Länder getwittert, wobei jede Redaktion in ihren Tweets die eigen Flagge vor den text setzt, um sich von den anderen zu unterscheiden.

Auch ein internes Battle veröffentlichen sie auf dem Twitteraccount, wonach Litauen vorgestern die Liste der Imagevideos auf Youtube anführte.

Auf der gemeinsamen Webseite everysecondcounts  ist auf dunkelblauem Hintergrund ein Kreis aus Flaggen zu sehen: Lauter gleichberechtigte, zusammen versammelte Länder.  „Wer will der zweite sein?“, steht in seiner Mitte. Jeder Klick auf die jeweilige Flagge öffnet ein neues Video, in dem das Land sich als „second“ bewirbt. Ein bisschen wie der Eurovision Song Contest, nur viel lustiger