Euro-Austritt der Griechen? Nicht vor dem Norden kriechen

Artikel veröffentlicht am 13. September 2011
Artikel veröffentlicht am 13. September 2011

Eleftherotypia: Druck hat mit der Innenpolitik der Nordländer zu tun; Griechenland

Die griechische Wirtschaft macht nur 2% der Euro-Zone aus und es ist ein Witz, zu behaupten, dass sie die gemeinsame Währung gefährden könnte.

Die Diskussionen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sind nur populistische Manöver der Politiker in den nördlichen Ländern, meint die linksliberale Tageszeitung Eleftherotypia: "Damit ein Land aus der Euro-Zone ausgeschlossen wird, müssen europäische Verträge verändert werden - das ist schwierig und vor allem zeitaufwändig. Daher ist anzunehmen, dass unsere Kreditgeber mit dieser Drohung weiteren Druck auf uns ausüben wollen, damit wir die vereinbarten Maßnahmen umsetzen. [...] Druck dieser Art hat mit der innenpolitischen Lage mancher Länder des reichen Nordens zu tun. In Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Finnland stellt sich die öffentliche Meinung gegen die Hilfe für die Staaten des Südens und insbesondere gegen die Griechenland-Hilfe. [...] Die Führer dieser Länder - besonders diejenigen, die Wahlen vor sich haben - berücksichtigen diesen Trend bei ihren Aussagen. Die griechische Wirtschaft macht aber nur zwei Prozent der Euro-Zone aus und es ist ein Witz, zu behaupten, dass sie die gemeinsame Währung gefährden könnte." (Artikel vom 12.09.2011)

Süddeutsche Zeitung: Rauswurf wäre nicht nur für die Griechen ein Desaster; Deutschland

Der seit Mai amtierende Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat mit seinem Reden über eine Insolvenz Griechenlands weder sich selbst noch Deutschland einen Gefallen getan, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Auf seiner rührend anmutenden Suche nach Profil bringt Wirtschaftsminister Philipp Rösler mal eben eine 'geordnete' Staatspleite Griechenlands ins Spiel. Was das ist, weiß der Neu-Ökonom nicht so genau. [...] Aber wenigstens taucht der Name Rösler auf den vorderen Zeitungsseiten auf. [...] Werft die Griechen aus dem Euro - das ist die simple Losung, die jetzt gern zur Lösung des schwersten Problems in der Währungsunion ausgegeben wird. Die Antwort darauf kann nur lauten: Ein Rauswurf wäre nicht nur für die Griechen ein Desaster - sondern auch für Deutschland und den Rest Europas." (Artikel vom 13.09.2011)

Trouw: Weg beginnt nicht mit Abschied von Athen; Niederlande

Oder ein europäisches Dorf, das standhält? Auch niederländische Politiker spekulieren über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Doch ein solcher Schritt hätte katastrophale Folgen, warnt die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Wenn Griechenland aus der Euro-Zone fällt, hat das nicht nur dramatische Konsequenzen für dieses Land, sondern auch für Italien, Portugal, Irland und andere schwache Euro-Partner. Dann wollen Kreditanbieter keine Geschäfte mehr mit ihnen machen oder sie fordern eine hohe Vergütung für ihr Risiko. Dadurch kann die Währungsunion auseinanderbrechen. Es ist deutlich zu sehen, dass Europa mehr politische Integration braucht, um den Binnenmarkt und die Währungsunion effektiv zu steuern. [...] Die Mitgliedstaaten haben diese Notwendigkeit lange nicht einsehen wollen. Jetzt sind die Probleme in der Euro-Zone so groß, dass eine weitere Integration kaum rechtzeitig zu realisieren ist. Dennoch ist es der einzige Weg. [...] Und dieser Weg beginnt nicht mit einem Abschied von Athen." (Artikel vom 13.09.2011)

Turun sanomat: Märkte würden nicht unbedingt in Panik geraten; Finnland

Griechenland muss seinen öffentlichen Haushalt in Ordnung bringen, mit welcher Währung auch immer.

Die Umschuldung Griechenlands und seinen Austritt aus der Euro-Zone hält die liberale Tageszeitung Turun sanomat für bedenkenswert: "Die Märkte würden bei einer Umschuldung Griechenlands nicht unbedingt in Panik geraten und ebenso wenig bei einem Euro-Austritt. […] Es ist angebracht zu fragen, ob ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Gemeinschaftswährung mindert, oder ob es sich nicht langfristig verbessern würde. Griechenland benötigt einen neuen Anfang und eine wirtschaftlich stabile Basis. Man muss sorgfältig untersuchen, ob das mit einer eigenen Währung möglich ist. Ein Euro-Austritt wischt Griechenlands 335 Milliarden Euro Schulden nicht weg. Ein Teil davon könnte sich durch eine Umschuldung auflösen. Griechenland muss seinen öffentlichen Haushalt in Ordnung bringen, mit welcher Währung auch immer." (Artikel vom 13.09.2011)

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Illustrationen: Homepage (cc)rgourley/flickr; Im Text (cc)r3m3dy/flickr