EUgoslawien: Zwischen einem Beitritt der Balkanländer und einer Jugopäischen Union

Artikel veröffentlicht am 27. April 2012
Artikel veröffentlicht am 27. April 2012
Von Aris Kokkinos Übersetzt von Patricia Fridrich Foto : Davide Martinotti Am 24. April hat Cafébabel eine Debatte über die Erweiterung der Europäischen Union auf die Länder des ehemaligen Jugoslawien organisiert. Der ironische Titel der Veranstaltung sprach ein Tabuthema an: “Handelt es sich um eine Europäisierung des Balkans, oder um eine Balkanisierung Europas?

Obwohl sich Klischees hartnäckig halten, wurde diese Frage wurde von allen Diskussionsteilnehmern unterminiert. In der von Mana Livardjani moderierten Veranstaltung wurde betont, dass der Balkan sich nicht nur auf kitschige Folklore oder auf eine blutige Vergangenheit beschränkt.

Ksenija Milenković, die stellvertretende Leiterin der Vertretung der Republik Serbien bei der Europäischen Union, hob die in ihrem Land stattgefundenen Veränderungen hervor. Sie haben zur Schaffung eines Rechtsstaats, einer organisierten Zivilgesellschaft, zum Aufbau einer aktiven politischen Szene, kurzum zur Schaffung einer Demokratie beigetragen. Dieser jüngste Vorstoß, der auch seine Rückschläge und Divergenzen hat, ist eine echte Errungenschaft. Repräsentativ für diesen Wandel ist der Dialog zwischen Belgrad und Priština.

Die kroatische Journalistin Ines Sabalić, Brüsseler Korrespondentin für Globus Zagreb, Vijesti und die Agentur SRNA, ging auf das am 22. Januar in Kroatien abgehaltene Referendum zum EU-Beitritt ein. Mit 66% „Ja”-Stimmen haben die Kroaten den Beitritt bekräftigt. Da das Referendum jedoch zu einer Zeit organisiert worden ist, in der der Populismus in Europa ansteigt, haben sich auch viele von euroskeptischen Reden verleiten lassen - Marine Le Pen nutzte die Gelegenheit, das kroatische Volk zum Widerstand gegen die „Brüsseler Hydra” aufzurufen.

Doch auch wenn es ihr nicht passen sollte: Kroatien wird 2013 der 28. Mitgliedstaat der EU. Bernard Snoy et d’Oppuers, Professor am Institut für europäische Studien der Katholischen Universität Louvain und ehemaliger Direktor der Arbeitsgruppe II des Stabilitätspakts für Südosteuropa, begrüßte im Anschluss daran die immensen Fortschritte, welche in der Region nach dem Ende des Krieges in Ex-Jugoslawien erzielt worden sind. Er hob hervor, dass die Einheit, welche die Länder des Balkans mit dem übrigen Europa verbindet, nicht nur geographischer, sondern auch historischer und kultureller Art sei, gleichzeitig betonte er jedoch auch die Notwendigkeit, den Fahrplan, welchen die Parteien sich gegeben haben, zu befolgen.

Jonas Jonsson, der Leiter der Einheit Westliche Balkanländer beim Europäischen Auswärtigen Dienst, ist ebenfalls der Meinung, dass die Region sich positiv entwickelt. Trotz Fall zu Fall bestehender Widersprüchlichkeiten wird die Europäische Union als Ganzes als stabilisierende und integrierende Kraft wahrgenommen, was die Hoffnung auf die Zukunft verstärkt.

Die Runde der Fragen und Antworten zeigte jedoch ein differenziertes Bild. Das Publikum, darunter zahlreiche Expats aus Osteuropa, bekundete sein Interesse an der Region oft optimistisch, manchmal auch ein wenig verbittert. Einige äußerten die Befürchtung, der Balkan könne von einem supranationalen Staat in einen anderen übergehen und so zu einem Brüsseler “Eugoslawien” führen.

Mit dem Unterschied, dass die Föderative Republik Jugoslawien ihren Völkern auferlegt wurde, während die Europäische Union durch ihre Mitgliedstaaten angenommen worden ist.