EU: Welche Hilfe für das Krisenkind Griechenland?

Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2010
Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2010

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Vor dem Sondergipfel am heutigen Donnerstag in Brüssel sind mehrere EU-Staaten offenbar bereit, das krisengeschüttelte Griechenland zu unterstützen. Die Presse fürchtet einen Wertverlust des Euro und knüpft harte Forderungen an die Unterstützung für den Mittelmeerstaat.

von eurotopicsFrankfurter Allgemeine Zeitung: „Sollen die Deutschen künftig bis 69 arbeiten, damit die Griechen den Vorruhestand genießen können?“; Deutschland

Den europäischen Regierungschefs Härte zeigen, damit der Euro nicht weich wird!

Deutschland soll nicht für die Schulden Griechenlands einstehen, meint die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: “So hat man den Deutschen den Euro nicht verkauft. Vor dem Abschied von der Deutschen Mark wurde feierlich der Maastrichter Vertrag unterzeichnet, der ausdrücklich verbietet, dass ein Mitglied der Währungsunion für die Schulden eines anderen haftet. [...] Sollen die Deutschen künftig nicht mehr bis 67, sondern bis 69 arbeiten, damit die Griechen den Vorruhestand genießen können? [...] Wird die 'No-bail-out-Klausel' des Maastrichter Vertrags gebrochen, reißt der letzte Anker für einen stabilen Euro. Dann gibt es kein Halten mehr, weder für Spekulanten noch für Staatsschuldner. Wird die Währungsunion zur Schuldengemeinschaft, zahlen alle Bürger dafür einen hohen Preis in Form der Entwertung ihres Gelds und ihrer Renten. Bundeskanzlerin Merkel muss beim heutigen Gipfeltreffen der europäischen Regierungschefs Härte zeigen, damit der Euro nicht weich wird." (Artikel vom 11.02.2010)

Dnevnik: „Griechen müssen den Gürtel enger schnallen“; Bulgarien

Für die Solidarität Europas muss Griechenland auch etwas leisten, findet die Tageszeitung Dnevnik, und warnt davor dem Land zu viel Vertrauen entgegenzubringen: "Nach der Logik der europäischen Solidarität sollten die EU-Partner Griechenland helfen. Nach der Logik der Gerechtigkeit sollte man auf dem Gipfel heute beschließen, dass diese Hilfen nur für einen bestimmten Preis geleistet werden: Die Griechen müssen den Gürtel enger schnallen und sich reformieren. So wie es in den 1990er Jahren viele osteuropäische Länder tun mussten. [...] Und man sollte die politisch manipulierte Statistik Griechenlands nicht für bare Münze nehmen. Nachdem sich die Griechen durch Betrug in die Eurozone eingeschlichen und zehn Jahre die Verschwendung von Budgetmitteln und Subventionen verborgen haben, ist jetzt das Gegenteil möglich. Nämlich dass sie das Problem aufblasen, um zu zeigen, welche Fortschritte sie angeblich erreicht haben."

(Artikel vom 11.02.2010)

De Standaard: „Lasten sind ungleichmäßig auf starke und schwache Schultern verteilt“; Belgien

Die griechische Schuldenmisere belastet vor allem die europäische Einheitswährung, schreibt die Tageszeitung De Standaard: "Die griechische Situation zeigt, dass ein zu spätes Eingreifen zu äußerst schmerzhaften Eingriffen führt. Die Lasten sind dabei ungleichmäßig auf starke und schwache Schultern verteilt. Menschen verlieren ihren Job, ihre Sozialhilfe wird gekürzt und ihre Renten bedroht. Dagegen verdienen Spekulanten Geld, indem sie Staatsanleihen abstoßen und wieder billiger zurückkaufen. Der Euro, bisher das beeindruckendste Resultat während der 50 Jahre dauernden europäischen Integration, kommt nicht schadlos aus diesem Abenteuer heraus. Lasst uns hoffen, dass das auch eine gute Seite hat. Schließlich ist nun deutlich geworden, dass eine weitere politische Integration der Euroländer unentbehrlich ist."

(Artikel vom 11.02.2010)

Hospodářské noviny: „Um Hilfe beim Internationalen Währungsfonds bitten“; Tschechien

Denkbar wäre nur bilaterale Hilfe.

Die Länder der Eurozone sollten sich im Fall Griechenlands vom Internationalen Währungsfonds (IWF) helfen lassen: “Europa als Ganzes kann Griechenland nicht helfen. Das verbietet der Vertrag, auf dessen Grundlage die Eurozone entstand und steht. Denkbar wäre nur bilaterale Hilfe. Zu der neigen am ehesten Deutschland und Frankreich. [...] Am besten wäre es jedoch, um Hilfe beim Internationalen Währungsfonds in Washington zu bitten. Das lehnen die Länder der Eurozone aber bislang ab. Hilfe von außen könnte heißen, dass die Euro-Länder ihre Probleme nicht selbst lösen können. Freilich sollte man diesen Stolz im Falle Griechenlands beiseite lassen. Schließlich geht es am Ende um die Zukunft der Währungsunion und um die Kraft ihrer Währung. Der IWF verfügt über genügend Mittel, Länder zu drakonischen Einsparungen zu zwingen. Das haben die Beispiele Lettland und Ungarn gezeigt."

(Artikel vom 11.02.2010)

Foto ©tom.tziros/flickr