EU: Krampf der Kulturen

Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2015
Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2015

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Nach den jüngsten tragischen Ereignissen im Mittelmeer ist die Einwanderungsdebatte neu hochgekocht. Wie soll Europa mit Immigration umgehen? Die Geschichte des alten Kontinents wurde von Migration geprägt. Die EU sollte aus der Vergangenheit lernen, um die Herausforderungen der Zukunft besser zu meistern. Kommentar.

Zwischen 1845 und 1852 herrschte die 'Grosse Hungersnot' in Irland und brachte den Tod von ungefähr 1 Millionen Iren, die durch Kartoffelmissernten plötzlich nichts mehr zu essen hatten. Kartoffeln stellten zu dieser Zeit etwa 80% der Nahrung dar, insbesondere für ärmere Bevölkerungsschichten. Eine der größten sozialen Folgen war daraufhin die Immigration. 

Leben oder sterben

Nahezu 1 Millionen ausgehungerte irische Einwanderer machten sich in dieser Zeit hoffnungsvoll auf den Weg in die USA. Im Gepäck hatten sie ihre Traditionen und Religionen. Fünf Jahre später, um 1900, waren die Vereinigten Staaten ein neues Zuhause für 8,8 Millionen Menschen, die aus der ganzen Welt zu ihnen strömten. Bis 1970 stellten Immigranten 4,7 Prozent der US-Bevölkerung dar. Diese Zahl wuchs bis 1980 auf 6,2Prozent an. Im Jahre 2010 sind 25 Prozent der US-Bevölkerung unter 18 Jahren in der ersten oder zweiten Generation Einwanderer. Laut Daten des U.S. Census Bureau aus dem Pew Hispanic Center hätten 2008 8% alle in den USA geborenen Babies zumindest einen illegal eingewanderten Elternteil. 

Dieses demographische Phänomen wird zunehmend komplexer. Heute machen Menschen mit Migrationshintergrund, welche die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten haben, etwa 44% der US-Bevölkerung aus. Im 19. Jahrhundert kamen die Menschen zum größten Teil aus Europa. Aber da die USA zwischen 1991 und 2000 mehr legale Einwanderung zuließen, kamen immer mehr Menschen auch aus Mexiko, China, Indien, den Phillipienen, der Dominikanischen Republik und aus vielen anderen Ländern.

Des Weiteren zeigte eine Umfrage des Census Bureau, dass bis zum Jahre 2050 ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung hispanische Wurzeln haben würde. Die USA stellen mit 319 000 000 Einwohnern nach China und Indien die drittgrößte Bevölkerungsgruppe der Welt und sind die zweitgrößte produktive Volkswirtschaft nach China.  

Zukunftsmotor

Wo bringt uns das alles hin? Wenn wir Immigration als einen Motor für Entwicklung sehen würden, anstatt als einen Angriff auf unsere Prinzipien und Traditionen, würden wir die Kehrseite der Medaille erkennen und aufhören, so ein großes Problem daraus zu machen. 

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Wie der amerikanische Politikwissenschaftler und Autor, Samuel Huntington, schon 1992 in seinem Werk Kampf der Kulturen erklärte, wird das Zeitalter der Ideologien enden und die Welt zu einem Normalzustand zurückkehren, der von kulturellen Konflikten gezeichnet ist. In seiner anthropologisch-sozialen These argumentiert er, dass die Hauptaxen der Konflikte in Zukunft kulturell und religiös sein werden. 

Multikulturalität ist gut für die Entwicklung einer Gesellschaft und den Vortschritt des Menschen. Was heutzutage in der Europäischen Union geschieht, ist inakzeptabel. Vor allem weil es um Menschen in Not geht: Migranten, die versuchen unseren Kontinent zu erreichen, weil sie vor Krieg, Armut und Krankheiten fliehen.

Der Zirkus, der in vielen europäischen Medien veranstaltet wird, basiert auf Ängsten der Innenpolitik und ist meistens haltlos. Die Realität zeigt, dass Immigranten in Großbritanien laut Forschungen des University College Wohlstand brachten und zwischen 2000 und 2011 zu 20 Millarden Pfund Staatsfinanzen beitrugen

Wir können Merkel zumindest zu einem gratulieren: Gegenüber David Cameron hatte sie 2014 die Freizügigkeit in Europa vehement verteidigt. Der britische Premierminister nämlich plädierte für eine Quotenregelung. Nur auserlesene Einwanderer wolle Großbritannien aufnehmen. Doch warum sollte man Menschen verbieten, ihr Land zu durchqueren, den freien Warenverkehr aber gewähren? Sollten Europas Staatschefs etwa auf das Trinken von afrikanischem oder brasilianischem Kaffee verzichten müssen oder auf den Genuss von belgischer Schokolade oder belgischem Bier? Sollten sie darauf verzichten müssen, hochqualitativen Wein aus Portugal, Spanien oder Frankreich zu genießen?

Im letzten Jahrhundert hat Einwanderung die Welt forwärts gebracht und viele Immigranten haben die Gesellchaft gestaltet, in der wir heute leben. Es ist an der Zeit, die Scheuklappen abzusetzen.