EU-Gerüchteküche: Rettungsschirm 2 oder Feuer unterm Hintern für Griechenland?

Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2011
Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2011

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Seit dem Geheimtreffen mehrerer Euro-Länder vom Freitag kursieren Gerüchte über den Austritt Athens aus der Währungsunion. Während einige Kommentatoren darin eine Chance auf die wirtschaftliche Erholung des Landes sehen, fürchten andere die Verarmung der Griechen.

Blog standard.money.ro: Wirtschaft des Euroclubs braucht eine gemeinsame Währung; Rumänien 

An den Finanzmärkten schwindet die Zuversicht, dass Griechenland seine Finanzkrise überwinden kann. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes um zwei weitere Stufen. Doch mit der Rückkehr zur Drachme wären die Probleme bei weitem nicht gelöst, kommentiert das Blogportal standard.money.ro: "Griechenland würde in diesem Fall ein Schuldenproblem bekommen und seine Währung würde ausschließlich auf einer Wirtschaft basieren, in die es wenig Vertrauen gibt, da auf sie derzeit niemand setzen würde. Mit der Drachme würde die Kaufkraft der Griechen sinken und die sozialen Probleme sich verstärken. [...] Die Wirtschaft des Euroclubs braucht eine gemeinsame Währung. Und es ist klar, dass der Club keine 'Zimmer' vermietet, die man verlässt, wenn man unerwartete Nachteile entdeckt oder wenn man auf lange Sicht unfähig ist, sich an die Aufnahmekriterien zu halten." (Artikel vom 10.05.2011)

Die Welt: Transferunion degradiert die Griechen zu Europas Hartz-IV-Empfängern; Deutschland 

Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre sinnvoll, denn so hätten die Griechen bessere Chancen auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung meint die konservative Die Welt: "Die starke Gemeinschaftswährung hängt ihnen wie ein Klotz am Bein. Mit einer nationalen Währung, welche die tatsächliche Stärke der Volkswirtschaft widerspiegelt, könnten die Griechen ihre Wirtschaft entwickeln und zu Kerneuropa aufschließen. Nach einem Austritt Griechenlands wären die Euro-Länder - schon aus moralischen Gründen - zu Solidarität verpflichtet. Die Milliarden-Hilfen könnten dann aber nützlicher eingesetzt werden als jetzt. Der Euro war von Beginn an ein politisches Projekt. Doch die Idee einer gemeinsamen Währung lässt sich auf Dauer nicht gegen die Kräfte des Marktes durchsetzen. Die Gefahr, dass die Helfer schließlich selbst in den Schuldenstrudel geraten, ist die wirkliche Bedrohung für die Stabilität des Euro. Die Transferunion hilft auf Dauer nicht und degradiert die Griechen zu Europas Hartz-IV-Empfängern." (Artikel vom 10.05.2011)

Dagens Nyheter: Besser wäre es, dem Land die Schulden teilweise zu erlassen; Schweden

Griechenlands Gläubiger sollen dem Land einen Teil der Schulden erlassen, damit es im Euroraum bleiben kann, fordert die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter: "Am vergangenen Freitag hielten die EU-Finanzminister ein Treffen in Luxemburg ab, das so geheim war, dass sie kaum zugeben wollten, dass es stattfand. [...] Und sie haben eifrig verneint, dort drastische Lösungen diskutiert zu haben wie die Erlassung eines Teils von Griechenlands Schulden oder die Möglichkeit, dass sich das Land vom Euro verabschiedet. Sie werden wohl schon auch über Tabus gesprochen haben. Aber wahrscheinlich versuchen die EU-Spitzen die Probleme genauso zu lösen wie bisher, nämlich sie auf die lange Bank zu schieben. Besser wäre es, dem Land die Schulden teilweise zu erlassen, so dass Griechenland eine reelle Chance bekommt, sie zu bezahlen und innerhalb des Euroraums zu bleiben." (Artikel vom 10.05.2011)

Ta Nea: Bewundernswert positive Entwicklung in Irland; Griechenland 

Angesichts des Umgangs Griechenlands mit der Krise ist es nicht verwunderlich, dass Europa über den Ausstieg des Landes aus der Währungsunion spekuliert, findet die linksliberale Tageszeitung Ta Nea: "Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum wohl all diese Szenarien gerade Griechenland betreffen und nicht zum Beispiel Irland. Warum reden wir nur über den Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion und nicht über den Irlands, das ein ähnliches Schicksal erlitten hat? Dafür gibt es leider eine Erklärung: Betrachten wir die Ergebnisse der Wirtschaftsentwicklung Irlands aus den ersten drei Monaten des Jahres 2011, sehen wir eine bewundernswert positive Entwicklung. [...] Und was ist mit uns? Nichts! Wenn du zu einem Fremden gehst und ihm sagst, dass die Regierung mit der Gewerkschaft noch herumdiskutiert, ob der Staat jetzt 51 Prozent oder 34 Prozent der Elektrizitätswerke behält, dann wird er denken, er hätte es mit einem Verrückten zu tun. Er wird außerdem denken, dass Griechenland bereit ist, Mitglied der Zentralafrikanische Union zu werden." (Artikel vom 09.05.2011)

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