Eta-Terror auf Mallorca

Artikel veröffentlicht am 11. August 2009
Artikel veröffentlicht am 11. August 2009

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Mutmaßliche Terroristen der baskischen Untergrundorganisation Eta haben am vergangenen Sonntag insgesamt vier Sprengsätze im spanischen Urlaubsort Palma de Mallorca gezündet. Bereits vor zehn Tagen hatte die Eta einen Anschlag auf der Insel verübt, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen.

La Vanguardia - Spanien

Die liberale Tageszeitung La Vanguardia fordert die Touristen auf, weiter auf der Ferieninsel Mallorca Urlaub zu machen: "Spanier und ausländische Touristen sollten ihren Urlaub auf Mallorca verbringen, als ob nichts passiert wäre. Das ist die beste Antwort auf die vier Sprengsätze, die die Eta am Sonntag in Palma explodieren ließ, zehn Tage nachdem sie ... [auf derselben Insel] zwei Polizisten der Guardia Civil mit einer Autobombe ermordet hatte. Die Terroristen dürfen ihr Ziel nicht erreichen, das Leben der Bürger zu stören und die Bevölkerung einzuschüchtern. Die [spanische] Königsfamilie sendet diese Botschaft in die ganze Welt, indem sie ihren Urlaub in aller Normalität auf der Insel fortsetzt." 

(11.08.2009)

Financial Times Deutschland - Deutschland

(Roberto Cacho/flickr)"Es gibt von Seiten der Bevölkerung schlicht keine bessere Reaktion auf Terrorakte, als sie zu ignorieren", schreibt die wirtschaftsliberale Tageszeitung Financial Times Deutschland: "Das gilt für eine nationale Terrorgruppe mit eng eingegrenzten Partikularinteressen wie die spanische Eta ebenso wie für ein fundamentalistisches Netzwerk mit religiös-revolutionärem Anspruch wie al-Qaida. Was alle Terrororganisationen verbindet, ist, dass der psychologische Effekt ihrer Aktionen weitreichender ist als der reale. ... Selbstverständlich muss ein Staat auf terroristische Gewaltakte reagieren und Folgeanschläge möglichst verhindern. Alles andere wäre grob fahrlässig. Er tut aber gut daran, sich dabei auf kriminalistische Arbeit zu konzentrieren. Und, wie der spanische König, die Terroristen auf das zu reduzieren, was sie sind: gewöhnliche Verbrecher." 

(11.08.2009)

Lidové noviny - Tschechien

"In Zeiten, da ganz Europa islamistische Gewalt fürchtet, stellt die Eta eine Art Freilichtmuseum des europäischen Terrorismus dar - das letzte seiner Art", kommentiert die konservative Tageszeitung Lidové Noviny. "Auch die [spanische] Regierung von [Ministerpräsident] José [Luis Rodríguez] Zapatero ist in gewisser Weise die letzte ihrer Art. Gleich nach ihrem Antritt vor fünf Jahren setzte sie auf einen 'Friedensdialog mit der Eta'. Ohne irgendwelche Bedingungen dafür zu stellen, wartete sie auf Ergebnisse. Zapatero ist einfach nicht [der frühere britische Premier] Tony Blair, der sich die Entwaffnung der IRA auf die Fahne schreiben kann. Der spanische Premier zog seine Soldaten aus dem Irak zurück, nachdem Terroristen 2004 Vorortzüge in Madrid angegriffen hatten. Ein paar Stunden, nachdem er den Dialog mit den Terroristen 2006 als größten Erfolg seiner Regierung gewürdigt hatte, unternahm die Eta ein Attentat auf dem Madrider Flughafen. Und jetzt erweitert sie den Terror vom Festland auf die Touristenhochburg auf den Balearen." 

(01.08.2009)

Népszabadság - Ungarn

Die baskische Terrororganisation Eta werde ihr Ziel - einen unabhängigen baskischen Staat - nie erreichen, schreibt die linksliberale Tageszeitung Népszabadság: "Die Eta - oder besser deren Reste - gibt das Bild eines totalen Anachronismus ab. Sie beschreitet in etwa denselben Weg, den bereits die nordirische IRA beschritten hat - die IRA hatte so lange Bomben explodieren lassen, bis ihr jegliche politische Unterstützung verloren ging. Heute ist nur ein Prozent der Basken der Meinung, dass ein unabhängiger baskischer Staat mit Gewalt zu erreichen sei. ... Wir können die Eta getrost als letzten Mohikaner des europäischen Terrorismus bezeichnen. ... Die Chancen der Eta, ihr Ziel zu erreichen, sind gleich null. Der Grund: In der spanischen Verfassung ist die staatliche Einheit des Landes festgeschrieben. Es wird folglich niemals eine spanische Regierung geben, mit der die Basken über ihre Unabhängigkeit verhandeln werden können."

(11.08.2009)

Sebastian Schoepp über die vormoderne Eta-Ideologie

Hinter dem Nationalismus der Terrorgruppe Eta, die am Wochenende auf Mallorca einen Anschlag verübte, verberge sich eine vormoderne Ideologie aus dem 19. Jahrhundert, meint Sebastian Schoepp in der linksliberalen Tageszeitung Süddeutsche Zeitung: "Tatsächlich haben Ideologien die baskische Sehnsucht 'für sich zu sein' ([so der Politikwissenschaftler und Eta-Spezialist Antonio] Elorza) stets nur gestreift. Diese Sehnsucht ist älter als die Eta und wird sie überdauern, weil sie unerfüllbar ist. [Der baskische Bildhauer und Philosoph] Jorge Oteiza schreibt, die baskische Seele lebe in einem ständigen Spannungsfeld zwischen komplementären Gegensätzen wie alt und neu, ländlich und urban. Er benennt das mit dem baskischen Begriff huts - einer Art inneres Vakuum, das Fehlen von etwas, das man vermisst, aber nicht benennen kann. ... Kann sein, dass es dieses Gefühl der Leere ist, das viele junge Leute in einer von Spaniens wohlhabendsten Regionen dazu treibt, dem brutalen Anachronismus der Eta nachzulaufen. Das ja auch globalisierungskritische Rahmenkonstrukt einer vormodernen Heimatidylle besitzt wohl gerade deshalb so viel Anziehungskraft, weil sein eigentlicher Inhalt unbekannt bleiben muss."

(12.08.2009)