Eseleien auf Zypern

Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004
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Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004

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Was ist typisch für Zypern? Ohne langes überlegen kommt nur er in Frage als Symbol, das wirklich für Zypern steht: Der zyprische Esel!

Esel sind kleine Pferde, aber es sind keine Ponys. Sie haben ein braunes Fell und sind ein wenig größer, mit sehr langen Ohren. Sie sehen aus, als ob sie die ganze Zeit so richtig gelangweilt wären. Sie bewegen sich äußerst langsam und wenn sie sich erst einmal entschieden haben, sich nicht mehr von der Stelle zu bewegen, können sie an diesem Platz stundenlang ausharren. Esel sind einfach liebenswert!

Die Esel werden in Zypern geschützt – und wenn ich von Zypern spreche, so meine ich beide Seiten der geteilten Insel. Esel waren hier sogar der Grund für eine grenzübergreifende Initiative der beiden Bevölkerungen (Griechen und Türken). Diese Initiative hieß „Freunde des zyprischen Esels“ und hatte das Ziel, das vor dem Aussterben bedrohte Tier zu schützen. „Freunde des zyprischen Esels“ ist eine in Großbritannien registrierte gemeinnützige Tierhilfsorganisation, die 1994 gegründet wurde. Die Vereinigung kümmert sich um kranke und nicht mehr gewollte Esel jeglichen Alters und bietet auf ganz Zypern medizinische und andere Dienste für diese Arbeitstiere an.

Esel-Diplomatie

Esel waren auch der Grund für politische Debatten auf Zypern. Nach Massendemonstrationen gegen den türkisch-zypriotischen Führer Rauf Denktasch behauptete diesen, dass es keine Zyprioten auf Zypern geben würde, sondern nur zwei Völker mit zwei unterschiedlichen Nationalitäten: Griechen und Türken. Denktasch fügte hinzu, dass der zypriotische Esel der einzig wahre Zypriot sei. Einige Monate später protestierten einige Zyprioten gegen die Entscheidung Denktaschs, bei der Reise in den jeweils anderen Teil der Insel die Pässe vorzeigen zu müssen und brachten aus diesem Anlass einen Esel mit zum Grenzposten. Diesem hatten sie einen „Pass“ um den Hals gehängt und forderten, auf die andere Seite zu gelangen. Der Esel zurde inhaftiert und später wieder frei gelassen. Niemand kann sagen, ob dabei Bußgelder angefallen sind…

Liebe Leser, nun habt Ihr etwas Neues über Zypern gelernt. Da der Artikel nur zwei Tage nach dem von den griechischen Zyprioten abgelehnten UN-Wiedervereinigungsplan geschrieben wurde, folgt abschließend ein Witz, der die Logik hinter dem massiven „Nein“ zur Wiedervereinigung verdeutlicht.

An einem Tag saß Nasreddin Hodja verkehrt herum auf seinem Esel.

- Hodja, sagten die Menschen, Du sitzt ja auf Deinem Esel verkehrt herum!

- Nein, erwiderte er. Ich sitze nicht falsch auf dem Esel. Es ist der Esel, der in falscher Richtung steht!

Solange wir auf dem Esel in richtiger Richtung sitzen, befürchte ich sehr wohl, dass der Esel schon bald die Grenzen von Schengen überqueren wird, um die andere Seite zu “besuchen”.