Es leben Nürnberger Lebkuchen!

Artikel veröffentlicht am 27. November 2009
Artikel veröffentlicht am 27. November 2009
Am ersten Adventswochenende hat das Nürnberger Christkind wie jedes Jahr den europaweit bekannten Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet, ein Muss für jeden Lebkuchen-Fan.

Weihnachten ohne Lebkuchen? In Deutschland unvorstellbar. Ursprünglich aber haben diese Berge von Lebkuchen aller Art, die zahlreiche Besucher tütenweise vom Nürnberger Christkindlesmarkt mit in die Heimat nehmen, mit Weihnachten gar nichts zu tun.

Die Etymologen sind sich nicht einig über die Herkunft des Wortes. Mit dem „Leben“ hat der Lebkuchen vordergründlich nichts zu tun. Er stammt vom lateinischen „libum“ („Fladen“) oder vom germanischen „leb“ also von „Laib ab. Einer anderen Deutung zufolge kommt der Name vom altdeutschen Wort „lebbe” (sehr süß) und bezeichnet somit einen „süßen Kuchen.“

©Bianca Köndgen

Nürnberger Pfefferkuchen

Kuchen mit Honig, Nüssen und Gewürzen gab es schon im alten Ägypten. Die deutschen Ur-Lebkuchen (Honigfladen mit Heilkräutern) wurden wohl um das Jahr 700 erstmals in einem Ulmer Kloster gebacken. Im 13./14. Jahrhundert begann die gewerbsmäßige Lebkuchenherstellung. Nürnberg war im Mittelalter eine der bedeutendsten Handelsmetropolen in Europa. Hier kreuzten sich die großen Handels- und Gewürzstraßen.

Die Nürnberger „Pfeffersäcke“, wie die reichen Gewürzhändler hießen, importierten Gewürze aus aller Herren Länder. Im Nürnberger Reichswald - auch „Des Heiligen Römischen Reiches Bienengarten” genannt - wurde die Bienenzüchterei intensiv betrieben und die Imker lieferten den goldenen Saft. Honig war fast der einzige vorhandene Süßstoff. Den Nürnbergern standen somit alle notwendigen Rohstoffe im Überfluss zur Verfügung.

©Christian Treppo/flickr

Schon am Ende des 14. Jahrhunderts gab es in Nürnberg nachweislich Lebküchner, die als „Lebzelter“ bezeichnet werden. Erst 1643 wurde der Beruf aber durch den Rat der Stadt offiziell als Handwerkszunft anerkannt. Heute kann man diesen Beruf nicht mehr erlernen. Lebkuchen sind schon lange keine Handarbeit mehr. In zahlreichen Fabriken im Stadtgebiet Nürnberg werden sie maschinell hergestellt und sind zu einer Massenware in täglicher Millionenauflage geworden.

©Bianca KöndgenFür Vorfreudige: Zu kaufen im Online-Shop, über den Versandhandel direkt im Fabrikverkauf oder kartonweise in allen deutschen Supermärkten gibt es Lebkuchen bereits ab September. Handgemachte Nürnberger Lebkuchen bekommt man nur noch in kleineren Bäckereien und Konditoreien, die streng gehütete Familienrezepte nutzen. In einigen Gegenden Deutschlands werden Lebkuchen noch heute als „Pfefferkuchen“ bezeichnet, was auf ihren ursprünglichen - reichlich pfeffrigen Geschmack hindeutet.

Nur wo Nürnberg draufsteht ist auch Nürnberg drin!

Für ‚echte‘ Lebkuchen gibt es zudem ein „Reinheitsgebot“: Die qualitativ hochwertigsten Lebkuchen sind die sogenannten „Elisenlebkuchen“. In der Masse müssen mindestens 25% Mandeln und/oder Haselnüsse und/oder Walnüsse enthalten sein und sie dürfen maximal 10% Getreidemehl oder 7,5% Stärke enthalten. Die geografischen Grenzen der Herstellung (nämlich das Stadtgebiet Nürnberg) und Qualitätsstandards für „Nürnberger Lebkuchen“ sind unter der Richtlinie RAL RG 0131 registriert. Seit 1996 ist der Nürnberger Lebkuchen mit EU-Siegel europaweit eine "Geschützte geografische Angabe". Nur wo Nürnberg draufsteht ist auch Nürnberg drin.

Wer wirklich genießen möchte, dem sei empfohlen, sich eine Tüte handgemachter Elisenlebkuchen zu gönnen. Und über den Christkindlesmarkt zu spazieren, sonntagabends, wenn die Busladungen Touristen wieder abgereist sind. Hoffentlich mit ein bisschen Schnee und nicht in Nieselregen wie heute.

Das älteste schriftlich überlieferte Lebkuchenrezept stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt:

1 Pfd. Zucker

½ Seidlein oder 1/8erlein Honig

4 Loth Zimet

1 ½ Muskatrimpf

2 Loth Ingwer

1 Loth Caramumlein

½ Quentlein Pfeffer

1 Diethäuflein Mehl - ergibt 5 Loth schwer