Es lebe die Flexibilität!

Artikel veröffentlicht am 5. September 2005
Artikel veröffentlicht am 5. September 2005

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Sind wir wirklich sicher, dass junge Menschen alle einen festen Vertrag wollen, wenn sie von der Universität kommen?

Flexible Arbeit, sei es Zeitarbeit oder Teilzeit, ist oft Gegenstand der Kritik, meistens jedoch einer ungerechten und oberflächlichen. Diese Art der Beschäftigung wird oft als Synonym für Ausbeutung von Arbeitnehmern durch ein mehr und mehr globalisiertes Wirtschaftssystem angesehen. Personalvermittlungsagenturen werden von vornherein kriminalisiert und beschuldigt, lediglich die Interessen der Arbeitgeber und niemals die der Arbeitnehmer zu vertreten. Aber ist das auch so?

Die halbe Wahrheit

Nein, wir wollen diese Anschuldigungen weder bestärken noch entkräften – aber eine neue Lesart des Bekannten liefern: moderner und optimistischer in Hinblick auf den europäischen Arbeitsmarkt. Die Situation der jungen Arbeitnehmer lediglich als „prekär“ zu bezeichnen heißt, nur die halbe Wahrheit zu sehen.

Prinzipiell sind wir davon überzeugt, dass ein flexibler Arbeitsmarkt auch flexible Arbeitnehmer erfordert, die geistig (die neue Situation muss akzeptiert werden) und körperlich (schließlich bedeutet die neue Situation auch ein Mehr an Mobilität) beweglich sind. Um von der Globalisierung zu profitieren und nicht unter ihre Räder zu kommen, ist es sinnvoll, sich anzupassen, indem man versucht die neuen Möglichkeiten, die die moderne Wirtschaft bietet, zu nutzen. Die Globalisierung ist in Wirklichkeit ja nicht nur eine Bürde. Ein offenerer Markt, in dem die Unternehmen zusehends internationalisiert werden für den Strom ausländischer Direktinvestitionen bietet dem Arbeitnehmer, der bereit ist, die neuen Herausforderungen der Zukunft anzunehmen, mehr Chancen.

Die Öffnung der Märkte und der Fall der internationalen Handelsbarrieren ist ein Zeichen von Freiheit: die Entbürokratisierung erlaubt es, sich dorthin zu bewegen, wo immer man in Europa möchte. Das bedeutet, für junge Menschen, die Karriere machen wollen, dass sie, wenn sie einmal die Sprache gelernt haben, die gleichen Chancen in Madrid haben wie ein Spanier oder wie ein Holländer in Amsterdam. Vielleicht noch etwas mehr: Fremd zu sein kann sich zu einem Vorteil entwickeln. Also, was tun? Lasst Eure Sorgen zu Hause und ergreift die Chancen, die unsere Eltern niemals hatten.

Flexibilität statt Unsicherheit

Die befristete Arbeit ist eine der normalsten Formen der neuen Weltwirtschaft, es bringt nichts, mit Wehmut in die Vergangenheit zu blicken: Es ist wohl besser, sich vorzubereiten, um nicht später Überraschungen zu erleben. Wenn es wahr sein sollte, dass ein Vertrag für nur kurze Zeit mehr Unsicherheiten in sich birgt, dann ist das ja nur eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass man genauso die Möglichkeit hat, eine ganze Reihe verschiedenster Erfahrungen in kurzer Zeit zu machen und einen differenzierten Lebenslauf aufzubauen – und, warum nicht? – sein Reisebedürfnis zu befriedigen. Diese Art der Beschäftigung ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden und bindet uns nicht an einen bestimmten Rahmen. Lediglich eine neue Flucht, ein neuer Aufbruch ist sicher.

Für die Absolventen kann diese Form der geringeren Bindung – und geringeren Bezahlung, die oft damit einhergeht – eine wichtige Funktion haben: Das richtige Tätigkeitsfeld finden, in dem man arbeiten möchte. Dies ist also keine Laune, sondern eine Notwendigkeit, wenn sich die akademischen Tätigkeitsfelder immer mehr spezialisieren.

Die Auswahl von Studien, die immer mehr Disziplinen umfassen, stellt die Studenten in Wirklichkeit meist vor die Qual der Wahl. In der Situation kann eine Erfahrung eines kurzfristigen Arbeitsvertrages das Richtige sein um sich zu entscheiden, in welchem Tätigkeitsbereich man denn einmal landen möchte.

Freier Markt = mehr Freiheit

Es hört sich wie eine Binsenweisheit an, aber flexible Arbeit hat noch einen anderen Vorteil, wenn auch einen kleinen: mehr Freizeit, die die Lebensqualität erhöht und die man dazu nutzen kann, parallel einen anderen Job zu suchen, vielleicht einen spannenderen, wenn schon nicht einen besser bezahlten. Viele Berufe erfordern eine entsprechende Lehrzeit, die oft damit einhergeht, gratis zu arbeiten. Und was kann sich besseres bieten als eine bezahlte Arbeit von sechs Monaten, während der man sich auf ein Tätigkeitsfeld vorbereitet, das eher zum eigenen Charakter passt?

Die Älteren blicken inzwischen mit Skepsis auf diese Möglichkeit, träumen vom garantierten Arbeitsplatz, den es nicht mehr gibt, und blicken mit Wehmut auf eine Zeit zurück, die vergangen ist. Haben sie Recht oder sind wir nur ein wenig naiv? Wahrscheinlich ist die Wahrheit wie immer in der Mitte.