Erasmus durch die rosarote Brille

Artikel veröffentlicht am 24. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 24. Januar 2010
Nach dem Kulturschock, internationalen Bekanntschaften und geographischen Neuntdeckungen wird die Erasmusidylle auch nach dem Austausch weiter ausgelebt.

„Ein Erasmus-Jahr ist wie L’Auberge Espagnole - nur besser.“ Der Erasmus-Verantwortliche meiner französischen Universität hatte recht. Dieses Jahr war unglaublich. Mit einem Stipendium meiner französischen Region in der Tasche, hatte ich mich auf den Weg nach Spanien gemacht, wo ich ein Jahr verbringen sollte, das wie im Flug vergangen ist.

Aber was verbirgt sich hinter diesem Programm? Das europäische Gefühl. In meinem Freundeskreis, den ich in Sevilla kennengelernt habe, ist mir schnell bewusst geworden, was sich hier abspielt: Da trafen bretonische Crêpes auf Kartoffelsalat, italienische Pasta auf „solmorejo“ (kalte Suppe) aus Cordoba. An solchen Abenden werden Verbindungen geknüpft und später gemeinsame Reisen unternommen, denn dieses multikulturelle Umfeld macht unternehmungslustig.

Anfang Juli 2009, einige Tage nachdem ich von meinem Austauschjahr auf der spanischen Halbinsel heimgekehrt war, habe ich nur an eins gedacht: das Wiedersehen mit meinen europäischen Freunden. Gesagt getan! Mitte August bin ich bereits nach Wien zu österreichischen Freunden gefahren. Der Spanier machte seinerseits den Umweg über Österreich, meine deutsche Mitbewohnerin ist in den Zug gesprungen. So fanden sich acht ehemalige Erasmus-Studenten vereint auf dem Lande in Österreich wieder.

Auf meiner Rückfahrt durch Tirol und die Schweiz in Richtung Frankreich wurde ich mir über eines bewusst: Europa hat keine Grenzen mehr. Sich das sagen zu können, war wichtig für mein post-Erasmus-Umfeld. Mein Posteingang quillt heute vor Nachrichten von französisch-italienischen oder deutsch-italienischen Paaren über. Aufgebrochen, um die spanische Kultur kennen zu lernen, habe ich weitaus mehr entdeckt - einen ganzen Kontinent!