Englische Hooligans: Eine aussterbende Art

Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006
Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006

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Immer noch gilt England als Land der Hooligans. Doch die die britische Regierung scheint nun das Problem in den Griff bekommen zu haben – während Hooligans aus Osteuropa zunehmend zur Bedrohung werden.

Die Bilder, die in den letzten dreißig Jahren immer wieder in Fernsehen und Zeitungen zu sehen waren, sind berüchtigt: englische Fußballfans prügeln sich wieder einmal durch ein Fußballturnier. Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich wurde ein Tiefpunkt erreicht, damals zogen Tausende englischer Fans randalierend durch das Land. Während der Europameisterschaft, die zwei Jahre später in Holland und Belgien stattfand, schienen englische Fans nochmals zu bestätigen, dass England und Gewalt genauso Hand in Hand gehen wie Fish & Chips.

Das Blatt wendet sich

Ein treffendes Bild der englischen Fans? Nicht unbedingt. Viele Hooligan-Experten sind neuerdings der Meinung, dass sich die Situation in England grundsätzlich geändert habe. Der Hooliganismus sei keine "englische Krankheit" mehr. Laut Angaben der britischen Regierung fielen in den Jahren 2004 und 2005 die Festnahmen im Zusammenhang mit Fußball um elf Prozent gegenüber der vorangegangenen Saison. Obwohl die Saison 2004/ 05 die höchsten Besucherzahlen pro Spiel und Tag seit 1970 verzeichnete, sanken die Festnahmen um zehn Prozent gegenüber 2002-03.

Außerdem schien sich die deutsche Polizei vor der Fußball-Weltmeisterschaft stärker mit Krawallen zu befassen, die Hooligans aus Osteuropa auslösen könnten. Tatsächlich wurden am 14. Juni ungefähr 400 randalierende Fans während des Spiels Deutschland-Polen festgenommen. Bedeutet das, dass die Massen friedlicher Fans aus England zu einem Paradigmenwechsel führen, von dem andere nationale Fußballverbände lernen könnten?

Stephen Thomas ist bei der Vereinigung der englischen Polizeipräsidenten für Fußball-Sicherheit zuständig. Zusammen mit über 40 uniformierten englischen Polizeibeamten unterstützt Thomas die deutsche Polizei bei der Kontrolle der englischen Fans. Was die möglichen Unruhen durch einige der geschätzten 100 000 England-Fans in Deutschland betrifft, ist der Polizeipräsident optimistisch. Man könne die erschreckenden Bilder vermeiden, die im Ausland manchmal mit englischen Fans assoziiert werden. „Bei der Europameisterschaft 2000 in Belgien und Holland wurden 958 englische Anhänger festgenommen“, so Thomas. „Bei der Euro 2004 in Portugal gab es lediglich eine Festnahme an einem der Austragungsorte, und zwar für ein Drogendelikt. Und bei den letzten neun Englandspielen wurden nur fünf Leute festgenommen.“

Woher also die gewaltige Veränderung? Wegen der beispiellosen Hooligan-Probleme im englischen Fußball während der 1970er und 80er Jahre war eine dramatische Richtungsänderung notwendig, um den Fußball-Sport zu schützen. „Vor 15 Jahren hatten die Stadien in England dürftige Toiletten und Erfrischungen; die Fans waren hinter Gitterzäunen eingesperrt“, erklärt Thomas. „Dies schuf eine Atmosphäre, die Hooliganismus und asozialem Verhalten besonders zuträglich war. Danach lernte ich“, fährt er fort, „dass sich Menschen in einem guten Stadion mit guten Einrichtungen anders verhalten. Die ganze Atmosphäre ändert sich dann.“ Die Wende wurde herbeigeführt, weil die Behörden Fußballfans nicht länger als Störer behandelten, die man zu tolerieren habe, sondern als geschätzte, zahlende Kunden, die ein Anrecht haben, Fußballspiele zu besuchen.

Hooligans müssen draußen bleiben

Aber was hat das mit England-Fans zu tun, die ins Ausland reisen? Bestimmt haben nicht ein hübscher Sitz und ein Burger zur Halbzeit Hooligans zu anständigen Fans gemacht. Das war nur die eine Seite der Strategie. Die andere hört auf den Namen „Fußball-Verbots-Erlass“ und wird von der britischen Regierung unterstützt. Sie stellt sicher, dass 3 800 Hooligans zu Hause in England bleiben und sich nicht bei der Weltmeisterschaft in Deutschland amüsieren. Polizeipräsident Thomas erklärt, dass jemand, der von einem „Fußball-Verbots-Erlass“ betroffen ist, „von allen Vereinsspielen in England ausgeschlossen ist und das Land nicht verlassen darf, wenn England im Ausland spielt. Er muss einen Pass abgeben und darf nicht einmal in den Urlaub fahren.“

Diese Maßnahme hätte ohne die Unterstützung der Regierung nicht zum Erfolg führen können. „Wir haben phantastischen Rückhalt durch die britische Regierung erfahren. Das können Sie an der Gesetzgebung der letzten paar Jahre erkennen“, sagt der Beamte. Jeder, der einen Verbots-Erlass missachtet, muss mit einer Strafe von über 5 000 Pfund und bis zu sechs Monaten Gefängnis rechnen. „Viele Menschen in Europa nennen den Hooliganismus die ‚englische Krankheit’ – vielleicht haben wir nun die englische Heilmethode gefunden“, freut sich Thomas.

Vor der Weltmeisterschaft haben die deutschen Behörden eine entsprechende Botschaft an englische Fans und die deutsche Öffentlichkeit ausgegeben: Die Engländer kommen – und sie sind willkommen! Das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Allerdings denkt Dougie Brimson, Autor mehrerer Bücher über Hooliganismus, dass das größte Problem für England-Fans sein könnte, zu Zielscheiben für Hooligans aus anderen Ländern zu werden. Kürzlich sagte er in einem Interview mit der Tageszeitung The Guardian, dass „andere Hooligans die Engländer für die Besten halten. Sie sind versucht, sie auszuwählen und sich mit ihnen zu messen“.

Ist dies der Fall, dann sollten Sie das nächste Mal, wenn Sie Ihren Fernseher anschalten und die üblichen Bilder von randalierend durch eine Stadt ziehenden Fans sehen, keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es könnte ledigliche der Fall sein, dass England ein Produkt in die EU exportiert, über das es selbst nicht mehr im Überfluss verfügt – Hooliganismus!