Energiewandel: verpasste Möglichkeit für Belgien? 

Artikel veröffentlicht am 7. Juni 2016
Artikel veröffentlicht am 7. Juni 2016

Die Vorteile der Umsetzung "grüner" Energien im Energie-Mix der Europäischen Union werden von EU-Entscheidern hoch gepriesen. Das Momentum ist da und von den Mitgliedsstaaten wird erwartet, Leistungen zu erbringen. Belgien scheint allerdings zurückzuliegen. Eine Momentaufnahme. 

24 Millionen. Das ist die Zahl möglicher Jobs, die die Produktion erneuerbarer Energien kreieren könnte, wenn diese auf der ganzen Welt innerhalb der nächsten 15 Jahren doppelt so viele Male ausgeweitet würden. Einer Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA) zufolge, die im Januar 2016 veröffentlicht wurde, ermögliche die Verdopplung der Energieproduktion einen Anstieg des weltweiten BIPs von 0,6% und bis zu 1,1% im Jahr 2030. Aber wie steht es um Belgien? Cafébabel sagt dir, warum das Land weiterhin hinterherhinkt.

Achten des europäischen Engagements im Energiesektor, um Nutzen zu erzielen

Jedes Land nutzt, je nach Möglichkeit und Interesse, verschiedene Energiequellen. Dies nennt man den Energie-Mix. Zur Zeit umfassen grüne Energien, wie z.B. Solar-, Wind- und hydraulische Energie, in Belgien etwa 7,10% des gesamten Energieverbrauchs. Es sollte allerdings bei 13% bis zum Jahr 2020 liegen, um europäische Vorgaben zu erfüllen. Gemäß den Prognosen des Föderalen Planungsbüros (FPB), sollte es nur 10% der geplanten 13% erneuerbaren Energien bereitstellen, wenn es keine politischen Veränderung hierzu geben sollte.

Auf der anderen Seite scheinen die Vorteile, die mit einer besseren Integration erneuerbarer Energien im globalen Energie-Mix aller Mitgliedsstaaten verbunden sind, sehr real: Senkung der importierten Energien, Wachstum und Stabilisierung der Arbeitsplätze und und letztlich auch Kostenreduzierung für die Konsumenten.

Dies sind einige sehr interessante Punkte, zumindest aus ökonomischer Perspektive. Zudem können wir die offensichtlichen ökologischen Vorteile hinzuzählen, von denen wir wissen, dass wir sie auch daraus ziehen können.              

Reduzierung fossiler Brennstoff-Importe und Steigerung unserer Energieeffizienz

Es ist wichtig hinzuzufügen, dass Belgien zu 94% auf Energie-Importe angewiesen ist, und dies hauptsächlich von nicht-europäischen Staaten. Die damit verbundenen Ausgaben belaufen sich jährlich auf 18 Milliarden Euro. Dies ist, nebenbei bemerkt, ein Drittel des belgischen Handelsbilanzdefizits. Gleichzeitig zeigt die Prognose des FPB, dass bei verschiedenen Szenarien, in denen die Anteile erneuerbarer Energien beachtlich steigen würden (von 39% bis zu 45% bis zum Jahr 2050, abhängig vom Fallbeispiel), die Energie-Importe allerdings zu mehr als 40% gesenkt werden könnten.

Mit Hilfe der Senkung der Importe fossiler Energien, wie Petroleum und Kohle, könnten bis 2050 sogar 12 Milliarden eingespart werden. Dies würde Belgiens Defizite in der Handelsbilanz um die Hälfte reduzieren. Jedoch muss bedacht werden, dass Belgien selbst in dem hypothetischen Fall einer 100%-igen Nutzung erneuerbarer Energien bis 2050 auch weiterhin Biomasse und Elektizität importieren müsste.

Die Reduzierung der Importe fossiler Energien geht Hand in Hand mit der Senkung des Energieverbrauchs bzw. einer besseren Energieeffizienz bei z.B. öffentlichen Bauten. Ein rationaler Nutzen der Energien kommt de facto von einer weltweiten Reduzierung der Verbraucher und des Systems im Allgemeinen. Dies erlaubt erneuerbaren Energien ihre Rentabilität zu erhöhen und besser im Eletrizitätsnetzwerk eingebunden zu sein.

Jedoch würde eine bessere Energieeffizienz auch auf tiefgreifenden Veränderungen innerhalb des Verbraucherverhaltens der Belgier zurückführen, da diese verstärkt in ihr Energiemanagement involviert wären, sowie in die Gänze des Systems.  Darauf kommen wir nochmal zurück.

Der Weg zur Steigerung von Arbeitsplätzen im Sektor erneuerbarer Energien

Im Jahr 2011 gab es in Belgium ca. 16.650 Menschen, die im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiteten, in allen Bereichen. Den Prognosen des FPB zufolge würde ein Wandel zu 100%-igem Nutzen erneuerbarer Energien bis 2050 bis zu 60.000 zusätzliche Jobs schaffen.

All das würde aber nicht viele Arbeitsplatzverluste nachsichziehen, da bspw. fossile Brennstoffe zur Zeit aus dem Ausland importiert werden und der nukleare Sektor direkt 8.000 Leute beschäftigt. Unmittelbare Arbeitsplätze der Zulieferer, das Netzwerk und der die Transportation blieben erhalten und würden adaptiert an die Bedürfnisse dieser neuen Energien. 

Außerdem würden auch wichtige und notwendige Investments neue Jobs schaffen, dank der Verbreitung erneuerbarer Energien - selbst bevor diese überhaupt im Markt implementiert sind - wie auch aufgrund der Forschung, bedeutender Infrastruktur-Arbeit und Markt-Reorganisation.

Wer zahlt für all das?

Belgien ist eins der europäischen Staaten mit der beachtlichsten Rechnung.

Laut der Kommission zur Regulierung von Elektrizität und Gas (CREG) sind die Endkosten der Elektrizität für Privatkunden in Belgien von 2007 bis 2015 im Durchschnitt auf 44% angestiegen. Das Ergebnis? Die Preise in Belgien liegen durchschnittlich 9% höher als die der europäischen Nachbarn.

Jedoch können wir nur darauf hoffen, dass es mittelfristig eine Stabilisierung der Verbraucherrechnungen geben wird: die Prognosen zeigen, dass es mit einem gleichbleibenden Szenario, ohne speziell implementierte Maßnahmen, laufend steigende Kosten für Elektrizität geben wird, die letztlich die Endverbraucher zu tragen haben. Diese werden sich, laut Prognose, erst 2030 bei etwa 200 Euro/MWh (Megawatt pro Stunde) einpendeln, inklusive Steuern. Entgegen der verbreiteten Meinung können erneuerbare Energien dies durch ihren Wachstum verringern, da dies von den Investments, die mit der Verwendung verbundenen sind, absorbiert werden kann.

Es ist offensichtlich, dass solch ein Energiewandel ein massives Investment darstellen wird: 50 Milliarden Euro zwischen 2001 und 2025. Dies entspricht der Summe der belgischen Subventionen von 1950 und 2025.

A new deal for energy consumers - European Parliament 

Es bleibt abzuwarten, ob die belgische Energiepolitik ehrgeizig genug sein wird, um ökonomische, soziale und ökologische Vorteile wahrnehmen zu können. Und um herauszufinden, ob die Verbraucher mit Pädagogik belehrt werden können, damit sie am Prozess des Energiewandels teilhaben können und vollständig Vorteile aus der Situation ziehen können.

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