Energiesparen – ein einträglicher Markt?

Artikel veröffentlicht am 14. November 2005
Artikel veröffentlicht am 14. November 2005

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Zwischen 1970 und 2002 wuchs der Energieverbrauch der EU-Mitgliedstaaten um 40 Prozent. Der Zeitpunkt zum Energiesparen ist gekommen.

Warum investiert die Industrie plötzlich in energiesparende Technologien? Sind lediglich der hohe Ölpreis oder das absehbare Ende des Erdölzeitalters der Grund dafür? Oder beobachten wir ein Konjunkturphänomen, das vitale Interessen des Planeten plötzlich mit den finanziellen der Investoren einhergehen?

Neue Mode Energiesparen

Schweden, Großbritannien, Österreich, Italien… In Europa folgt eine Konferenz der anderen, bei der es sich um saubere Automobile oder Energiesparpotentiale dreht. Das gleiche gilt für nationale Aktionspläne, die an allen Ecken und Enden des Kontinents entwickelt werden. Spanien hat etwa im Juli einen Dreijahresplan in die Wege geleitet, mit dessen Hilfe Energie im Wert von acht Milliarden Euro eingespart werden soll. Frankreichs Regierung reagierte umgehend mit einem ähnlichen Aktionspaket. 100 Millionen sollen in die Entwicklung „sauberer Autos“, die mit weniger als 3,5 Litern Kraftstoff auf 100 km auskommen, investiert werden.

Diese Pläne zur Eindämmung der Energieverschwendung, die auch Steuervorteile für „Passivhäuser“ (Bauten, die extrem wenig Heizenergie benötigen) und Solarheizungen beinhalten, sind mehr als notwendig. Denn die Kommission schätzt, dass sich die Importabhängigkeit der Union bis 2030 auf rund 90 Prozent des Ölverbrauchs hinbewegen wird.

Zufälliger Zeitplan?

Seit mehreren Jahren macht die Kommission die Mitgliedstaaten und die Industrie auf die Energieproblematik aufmerksam. Ob zufällig oder wirklich aus freien Stücken, einige der älteren Vorschläge werden nun in die Tat umgesetzt. Die so genannte Ökodesign-Richtlinie (2005/32/EG) ist das Ergebnis dieses Trends. Sie schreibt für die Entwicklung bestimmter Produkte wie Glühbirnen und Klimaanlagen strikte Regeln vor, die auf reduzierten Energiebedarf abzielen. Schon 2002 hat die EU eine Richtlinie zur „Energie-Performance“ von Gebäuden erlassen, der zufolge die Mitgliedstaaten Maßnahmen vor dem 4. Januar 2006 ergreifen müssen. Einige Beobachter sehen darin den Grund für das nahezu gleichzeitige Handeln von Madrid und Paris.

Auf den Punkt brachte es die Kommission durch ein Grünbuch zum Thema Energieeffizienz (pdf), das im Juni erschien. Darin wird der Union das Ziel gesteckt, den Energieverbrauch der 25 wieder auf das Niveau von 1990 hinunter zu schrauben. Dies würde eine Einsparung von 60 Milliarden Euro an Energieimporten bedeuten. Vorgeschlagen werden dazu etwa die Einführung einer europäischen Plakette, die den genauen Energieverbrauch eines Fahrzeuges ausweist, sowie die Verbesserung des Verkehrsflusses durch das europäische Satellitennavigationssystems „Galileo“. Damit richtet sich die EU vor allem an den Transportsektor, der immerhin 40 Prozent des gesamten Energieverbrauches verursacht.

Opportunismus der Fahrzeugindustrie

Die Automobilindustrie bleibt bei all diesen Vorhaben nicht untätig. Seit der Präsentation des ersten serienreifen Hybrid-Fahrzeuges „Prius“, das an der Steckdose wie an der Zapfsäule betankt werden kann, durch Toyota im Jahre 1997 vergrößerte sich der Markt der Niedrigverbraucher explosionsartig. Alle Marken zusammengenommen stellen potentielle Autokäufer bereits vor die Wahl zwischen 15 verschiedenen Modellen dieses Typs. Jeder Hersteller investiert bereits respektable Summen in Forschung und Entwicklung, dazu kommen zahlreiche Allianzen, die die Autos auf Diät setzen wollen: BMW hat sich mit DaimlerChrysler und General Motors zusammengetan, um gemeinsam 1,5 Milliarden Euro in die Entwicklung von Sprit sparenden Autos zu investieren.

Selbst die Flugzeugindustrie folgt diesem Trend. Die neue Boeing 787 soll bereits 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen als derzeit gängige Flugzeuge. Noch fehlen präzise Zahlen, weil Langzeittests noch nicht vorliegen, doch schon zeigt sich, dass Investitionen in „grüne“ Technologien und das Befriedigen von ökologischen Verbraucherbedürfnissen sehr ertragreich sein kann.

Der innere Schweinehund…

Doch die Industrie legt ihre eingespielten Reflexe nicht so schnell ab. Der Verband der europäischen Fahrzeugindustrie (ACEA) hat die neuen, von der Kommission vorgeschlagenen Ziele zur Reduktion der Schadstoffemission von Mehrpersonen-Kraftfahrzeugen (Norm EURO V) umgehend als „Unsinn“ bezeichnet. Die zentrale Forderung war jene, dass sich auch die modernen Pseudo-Geländefahrzeuge (sogenannte SUVs) den Forderungen nach weniger Verbrauch fügen sollten. „ Unsinn“ war auch der von der britischen Gesundheitsministerin Yvette Cooper verwendete Ausdruck, als sie das 2003 erlassene Gesetz, das Neubauten 25 Prozent Energie-effizienter machen sollte, um ein weiteres Jahr aufschob und substantiell entschärfte.

Die Investitionen der Industrie in die Erforschung energiesparender Technologien sind natürlich von der Suche nach Profit motiviert. Aber ein Markt für saubere Produkte existiert, und die Hersteller machen letztlich nichts anderes, als auf die Nachfrage nach umweltschonenden Produkten zu reagieren. Doch noch sehen nicht alle Verbraucher die Notwendigkeit zum Energiesparen ein – und auch diese werden von der Industrie bedient.