EM 2008: Rituale vor dem Finale

Artikel veröffentlicht am 27. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 27. Juni 2008

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Wenn bei einem Fußballmatch so viel auf dem Spiel steht, ist es mehr als menschlich, auf das Übernatürliche zu setzen und auf metaphysische Hilfe zu hoffen.

Unter den Spielern ist es weit verbreitet, vor dem Anpfiff ihre kleinen Rituale zu praktizieren um die Sterne, das Schicksal, die Götter oder irgendeine andere übernatürliche Kraft, die ihnen behilflich sein könnte, auf ihre Seite zu bringen. Die Wirksamkeit dieser Praktiken, die fern jeder Wissenschaft aber so alt wie das Leben selbst sind, ist mehr als fragwürdig, vor allem wenn man sich das 'Glück' der Mannschaften vor Augen hält, die an so etwas glauben.

©Charles Fred/flickrDie Austragungsländer Österreich und Schweiz können nicht dem Zufall den schwarzen Peter dafür zuschieben, dass sie schon in der Vorrunde aus der Europameisterschaft geflogen sind. Von Anfang an war klar, dass ihre (sportlichen) Möglichkeiten weit unter denen der anderen lagen. So oder so hätten sie trotzdem Glück haben können. Genau das war vielleicht die Absicht der österreichischen Kirche, als sie den Priester Christoph Pelczar zum offiziellen EM-Pfarrer ernannten, der sich als geistliches Oberhaupt um die Spieler katholischen Glaubens kümmern sollte. Die polnischen Fußballspieler wandten sich auf der Suche nach geistlichem Beistand und auf ihrem Weg aus dem Dunkel ans Ende des Tunnels häufig an ihn, vor allem nach ihrem Ausscheiden gegen die Deutschen.

Allem Anschein nach verlässt sich auch der französische Nationalspieler Franck Ribéry auf seinen Glauben, um vor dem Spiel Kraft zu tanken: Angeblich betet der Spieler der Equipe Tricolore jedesmal bevor er auf's Spielfeld geht zu Allah, seitdem er 2002 zum Islam konvertiert ist. Diese Gewohnheit hat leider nicht verhindern können, dass er verletzt wurde und seine Mannschaft aus dem Turnier geflogen ist. Ebenfalls sieht man oft, wie sich die Spieler bekreuzigen, wie zum Beispiel der deutsche Miroslav Klose oder der Kroate Ivan Klasnic, der, Fußball beiseite, als wahrer Glückspilz bezeichnet werden kann: ist er doch der erste Fußballspieler, der nach einer Nierentransplantation bei einem großen Turnier mitspielt.

Verdammter Freitag der 13.!

Der oft als Unglückstag bezeichnete 'Freitag der 13.' Macht seinem Ruf auch zur EM 2008 alle Ehre: Alle Mannschaften, die an diesem unheilbringenden Datum gespielt haben, sind bereits ausgeschieden, obwohl sich unter ihnen die drei Favoriten befanden. Rumänien und Frankreich schieden schon in der Vorrunde aus dem Turnier aus, Italien und Holland, zwei der vielversprechendsten Mannschaften, mussten im Halbfinale eine Schlappe einstecken. 

Auch das Kokettieren mit dem Aberglauben des italienischen Bayern-München-Spielers Luca Toni hat keine Früchte getragen. Aufgrund seiner Pechsträhne in der EM-Vorrunde, entschied der aus Modena stammende Fußballer, sich einen Schnurrbart wachsen zu lassen - ursprünglich ein Glücksbringer, der ihm eine einträgliche Torernte einbringen sollte. Dem war leider nicht so. Toni musste nach Hause fahren, nachdem er am 22. Juni im Elfmeterschießen gegen Spanien verloren hatte, und zwar ohne sein stoppeliges Markenzeichen - er hatte versprochen, sich zu rasieren, sollte er kein Tor gegen Spanien schießen.

©professor franchie/flickr

Wahrsagerei und Rätselraten

Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech scheint das Glück auch nicht gepachtet zu haben nach dem katastrophalen Auftritt seiner Mannschaft bei der diesjährigen EM, obwohl er angeblich ein Anhänger der Kabbala und der Astrologie ist. Vermeintlich stellt er seine Spieler gemäß der Sternenkonstellation am Tage ihrer Geburt unter Berücksichtung des Datums des Fußballspiels auf. Allerdings streitet er dies vehement ab, denn auf einer Pressekonferenz ließ er verlauten: "Aberglauben bringt Unglück".

Auch diejenigen, die die Zukunft voraussehen wollten, waren nicht sehr erfolgreich. 30 Prozent der Holländer glaubten, dass ihre Mannschaft den Pokal nach Hause holen würde - höchstwahrscheinlich aufgrund der Glanzleistungen, die das Team in der Vorrunde ablieferte. Eusebio, der portugiesische Fußballmythos, lag da mit seinen Vermutungen zum Sieg der Seleçao gegen die Tschechische Republik näher, als er die Worte "Portugal kann jetzt vom Europameistertitel träumen" wählte. Träume sind nunmal Schäume. Die gröbste Fehleinschätzung hat sich wohl die französische Wahrsagerin Elisabeth Teissier geleistet. Sie versicherte auf ihrer Webseite, dass die Equipe Tricolore mindestens das Halbfinale erreichen würde - und das auch noch zwei Tage nach ihrem Auscheiden. 

San Cuartos: der Heilige des spanischen Viertelfinales 

Viel besser ist es da den Spaniern ergangen, die endlich die psychologische Hürde des Viertelfinales überwunden haben. Vielleicht hat ihnen 'San Cuartos' dabei geholfen, ein imaginärer Spaßheiliger mit eigener Webseite, für den fast 40.000 spanische Anhänger Kerzen entzündet haben, in der Hoffnung, dass dieser Heilige dem Team den notwendigen Schubs geben würde. Wie es scheint, hat es die Gebete erhört. Auch Luis Aragonés, der spanische Nationaltrainer, hat seine kleinen Rituale: er sorgte sich vor allem um die Farbe des Triktos, das seine Mannschaft im Spiel gegen Russland tragen musste. Es war golden, und somit fast gelb - die Farbe des Pechs in Spanien.

©hanneys-vans/WikipediaBei den Deutschen sticht in Sachen Aberglauben vor allem Mario Gómez heraus. Er ist der einzige Spieler, der vor dem Spiel nicht die Nationalhymne singt. Das hat nichts mit seinen spanischen Wurzeln zu tun, sondern mit einem Aberglauben, der aus seiner Zeit in der U-15-Mannschaft herrührt. Damals erzielte er zum ersten Mal ein Tor, nachdem er zuvor nicht bei der Hymne mitgesungen hatte. Seitdem setzt er diese Tradition fort. Außerdem geht er vor jedem Spiel auf die Toilette, die ganz links außen liegt.

Ob das hilft? Vielleicht wird es nötig sein, zur Messe im Wiener Stephansdom zu gehen, um die übernatürlichen Kräfte auf unsere Seite zu bringen. Auf jeden Fall wird der Bessere gewinnen, sei es aufgrund eigener Verdienste oder mit Hilfe des Zufalls.