Elektro aus dem Norden - alles andere als eintönig

Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2010

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Die Pop-Heimat der Neunziger versucht sich im neuen Jahrtausend auf Elektro-Terrain. Mit Aqua und Ace of Base im Gepäck hat die nordische Musikszene es verstanden, offen für Neues zu sein. Das Ergebnis klingt alles andere als eintönig.

Es vergeht kein Jahr, in dem Schweden uns nicht wieder einen seiner perfekten, kleinen aber feinen Tophits präsentiert. Man muss zugeben, dass Schweden auf der Liste der eingänglichen Sommer-Ohrwürmer der unbestrittene Sieger bleibt. Darauf hätten es die würdigen Erben des Zuckerpop zunächst beruhen lassen können. Doch die Quelle der Inspiration, die Skandinavien in den 1980ern musikalisch groß machte, ist längst nicht versiegt. Dafür muss man sich nur kurz Young folk von Peter, Bjorn und John beziehungsweise deren berühmte, gepfiffene Intro oder noch aktueller Breaking it up von Lykke Li ins Gedächtnis rufen.

Ecstasy verkauft sich blendend

Tatsächlich versteht es die skandinavische Diskoszene immer noch sogar die anspruchsvollsten Kenner zu überraschen. Das heißeste Album der Saison? N° 2 der schwedischen Band JJ. Der Song Ecstasy beispielsweise hat die Wirkung eines warmen Windes, der die Wange streichelt, während der Treibsand unter den Füßen nachgibt. Danach braucht man einen wohlverdienten Muntermacher, auf Eis und gut geschüttelt, um sich von den Emotionen zu erholen. Wer immer noch behauptet, dass Sinnlichkeit sich nicht auf Schweden reimt, der irrt. Denn die mühsam dekonstruierten und dann neu zusammengewürfelten Klänge von JJ können zunächst etwas befremdend wirken, sie duften dennoch wunderbar nach Strand und machen die Songs des Duos noch eingänglicher. Die geheimnisvolle Aura, die von den beiden exzentrischen Akteuren von JJ ausgeht, macht neugierig und kurbelt zudem den Verkauf an.

Dunkler Norden

©http://www.myspace.com/feverrayAuf der anderen Seite produziert die skandinavische Musikszene mit einem Zwinkern an den Minimal auch ein deutlich düstereres Genre. Zum Entdecken oder Wiederentdecken eignet sich der Däne Troels Abrahamsen mit Wht (2009), der in Radiohead-Nostalgie schwelgen lässt. Beim Hören von Silent shout (2006) scheint die triste und kalte Landschaft Schwedens plötzlich sehr nahe.

Das schwedische Duo The Knife spielt seit seinem dritten feurigen Album in der Elektroszene weltweit in der ersten Liga. Seitdem sie wieder solo arbeitet, schreibt Karin Dreijer, eines der beiden Bandmitglieder, düstere Texte zu beängstigenden Rhythmen. Fever ray (2009) verstärkt diese Tendenz, die bereits in den vergangenen Alben zu spüren war.

©mbiddulph/flickr

DJ Trentemøller

Im Fall Trentemøller verwischt die Grenze zwischen Elektro und Tech-House. Der zurzeit wohl angesagteste europäische DJ hat die Gabe mehr als einen Housesüchtigen in den Orbit zu schicken und gleichsam Stücke von bescheidener, nordischer Authentizität wie Miss you… zu schaffen, mit denen er seine Fans aus dem Alltag in eine Parallelwelt katapultiert.