El Jueves Sex-Karikatur: 'Unsere Zeitschrift aus dem Verkehr zu ziehen, ist grotesk'.

Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2007

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Interview mit Oscar Nebreda, dem Herausgeber des spanischen Satireheftes El Jueves, das am 1. Juni vom Verkauf zurückgezogen wurde. Auf dem Titelbild waren die spanischen Thronfolger in verfänglicher Sexualpose zu sehen.

Beleidigung der königlichen Familie, lautet der Vorwurf. Auf der iberischen Halbinsel spaßt man nur ungern mit dieser Art von "königlichem Hochverrat". Die Titelseite des spanischen Satiremagazins El Jueves hatte letzte Woche das Thronfolgerpaar Felipe und Letizia von Asturien in eindeutiger Stellung porträtiert. Heute schluckt El jueves die bittere Pille dafür. Die Familienpolitik der Regierung Zapateros, die kürzlich 2500 Euro Prämie pro Neugeborenem versprochen hatte, in seiner Karikatur auf die Schippe zu nehmen, könnte das Magazin nun teuer zu stehen kommen: dem Herausgeber drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Wie geht es Ihnen ?

Gut! Das ist alles höchst amüsant. In meiner ganzen Laufbahn ist mir so etwas noch nicht untergekommen. Oder vielleicht doch, aber das ist bereits 28 Jahre her. Kurz nach dem Tod von Franco, als sich Spanien noch in einer sogenannten "Übergangsphase" befand. Heute sind wir aber eine Demokratie und eine Zeitschrift zu zensieren, wie es dieser Richter getan hat, ist eine übertriebene und dazu groteske Entscheidung.

Viele finden seine Entscheidung zudem nutzlos…

Der Richter scheint die heutige Medienlandschaft nicht wirklich zu begreifen. Ansonsten hätte er die Verbreitung aller Zeitungen und Websites, die die Karikatur übernommen haben, verbieten müssen. Uns hat er zensiert, obwohl die Karikatur schon in hunderten anderer Blätter die Runde gemacht hatte. Seine Entscheidung ist nicht nur nutzlos, sondern kontraproduktiv: Millionen von Menschen haben die Karikatur mittlerweile gesehen. Aber warum zum Teufel legen die Richter so einen großen Wert auf die Geschichte? Sie sollten sich bessser um die Terroristen scheren.

Kann man von einer Rückkehr zum Frankismus sprechen?

Das ruft schlechte Erinnerungen bei mir hervor. In den Siebzigern hatte ich die Zeitschriften El papus und Barrabás lanciert, im Stil des französischen Hara-Kiri. Ich wurde zu 66 Gerichtsverhandlungen vorgeladen: Verletzung der persönlichen Ehre, Berufsuntauglichkeit, ich erspare Ihnen den Rest. Ich habe vier Monate lang weit von zu Hause weg gelebt und bin nur knapp einem Attentat entgangen. Aber das war das Spiel in den dunklen Jahren. Wir sind nicht an diesen Punkt zurückgekehrt, aber manchmal muss ich mich kneifen, um mich davon zu überzeugen, dass wir im Jahr 2007 leben.

Wie sieht Ihre Verteidigungsstrategie aus?

Manel Fontdevila (der Texter) und Guillermo (der Zeichner) werden der Beleidigung der Krone bezichtigt. Wir wollen schlicht und einfach beweisen, dass unser Konzept spielerisch und nicht beleidigend gemeint war. Der Schalk ist unser Wahrzeichen, unsere Rolle. Und ursprünglich verklagt uns ja nicht die Königsfamilie, sondern einer ihrer Berater oder Sekretäre. Juan Carlos hat bereits zugegeben, uns von Zeit zu Zeit im Sommerurlaub zu lesen. Andere Mitglieder der "Casa Real" geben sogar Karikaturen bei uns in Auftrag. Wir bauen auch auf unserer Leserschaft, die uns in tausenden von Briefen ihre Unterstützung zugesichert hat. Und auf die öffentliche Meinung. El Jueves existiert seit 30 Jahren. Wir sind unter den Top Ten der auflagenstärksten Blätter Spaniens. Wir werden es dabei nicht beruhen lassen.

Besteht nicht trotzdem das Risiko einer Art Autozensur? Die Nachrichtensendungen im Fernsehen zeigen die Karikatur lediglich unscharf…

Die Königsfamilie ist zum Tabu geworden? Schön und gut. Aber dafür piesaken wir sie jetzt noch mehr. Diese Woche wird Prinz Felipe auf unserer Titelseite als Biene zu sehen sein, die die Blume Letizia 'bestäubt': so reproduzieren sich nämlich Könige.

(Dieses Interview wurde ursprünglich am 27. Juli 2007 veröffentlicht.)