„Eine Lebensart": Parkour in TunesIen

Artikel veröffentlicht am 14. April 2014
Artikel veröffentlicht am 14. April 2014

Ob im Her­zen von Tunis oder am Stadt­rand, der ur­ba­ne Raum ist neur­dings zum Ter­ri­to­ri­um jun­ger Leute ge­wor­den, die sich einer Kunst der Fort­be­we­gung wid­men: dem Parkour. Cafébabel hat fünf Tage lang Hi­chem Naami be­glei­tet, einem Meis­ter der Dis­zi­plin, der den Ver­ein Tu­ni­sian Free­mo­ve ge­grün­det hat. Eine Fo­to­re­por­ta­ge über Tu­ne­si­er, die mit den Dächern tan­zen.

Hi­chem Naami ist der An­füh­rer einer Parkour-Grup­pe und trai­niert re­gel­mä­ßig an Orten in sei­ner Um­ge­bung. So wie hier am Dach des Was­ser­turms im neuen Stadt­kern. Hin­auf­klet­tern mit blo­ßen Hän­den, keine Mög­lich­keit zum Fest­hal­ten im Falle eines Falls - Ha­chim er­klärt das Ri­si­kos so: „Ich möch­te ganz frei sein in mei­nen Be­we­gun­gen, frei vom Kör­per und von Geist".

Un­weit des Zen­trums von Tunis bie­ten still­ge­leg­te Ge­bäu­de einen Spiel­platz für junge An­hän­ger des Parkour. Shàr­lèz Màr­win, Mit­glied der na­tio­na­len Kunst- und Zir­kus­schu­le in Tunis, zö­gert nicht einen Mo­ment, wenn es darum geht, loszulegen: „Man muss das Hin­der­nis als Un­ter­stüt­zung für Fortbewegung ansehen", phi­lo­so­phiert er.

Par­kour be­deu­tet: „mit den Hin­der­nis­sen tan­zen, um eine pure Be­zie­hung zwi­schen der Per­son und der Um­welt her­zu­stel­len ohne sie zu zer­stö­ren". El Men­zah ist im Nor­den von Tunis: Hier ist es un­mög­lich, sich von einem Platz zum an­de­ren zu be­we­gen, ohne jeden Mo­ment und jeden Fleck als Trai­nings­mög­lich­keit wahr­zu­neh­men.

Mit­glie­der des Ver­eins Tu­ni­sian Free­move beim Trai­ning in Mu­tuel­le­ville, im Stadt­teil El Men­zah. „Für viele junge Leute, die ab­wei­chen möch­ten, stellt die Teil­nah­me an den Ak­ti­vi­tä­ten eine Al­ter­na­ti­ve dar und steht für Spaß und Zu­frie­den­heit. Die Ver­an­stal­tun­gen des Ver­eins spie­len eine wich­ti­ge Rolle, sie geben ihnen ein Zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl."

Shàr­lém Màr­win be­zwingt die engen Gas­sen von Médina, dem alten Stadt­kern: „Man­che Ju­gend­li­che üben Parkour zum Spaß aus, um En­er­gie aus­zu­las­sen. Manch­mal sieht man Tra­ceu­re (An­hän­ger des Parkour, AdÜ) auf einer Bus­sta­ti­on, die akro­ba­ti­sche Be­we­gun­gen oder "flows" durch­füh­ren, nur um sich die Zeit zu ver­trei­ben. Das ent­wi­ckelt sich meist zu einem Spek­ta­kel für Pas­san­ten. Das ist viel in­ter­es­san­ter, als wenn man nur wartet".

In der Nähe vom Platz des 14. Ja­nu­ars zie­hen sich lange Fel­der ent­lang des Sees von Tunis. 

Oft leben junge Tra­ceu­re mit Ob­dach­lo­sen einen Tag lang zu­sam­men­le­ben. 

Der Stadt­kern von Tunis. „Parkour er­laubt es, eine ge­wis­se Sta­bi­li­tät zwi­schen dem mensch­li­chen Kör­per und dem Den­ken her­zu­stel­len. Es hilft, sei­nen in­ne­ren Kom­pass zu fin­den, um das Gleich­ge­wicht im Kör­per her­zu­stel­len. Die­ses Gleich­ge­wicht er­for­dert aber ei­ni­ge Jahre an Er­fah­rung, bevor sich eine all­ge­mei­ne Har­mo­nie ein­stellt".

Still­ge­leg­tes Ge­bäu­de in der Um­ge­bung von Tunis. 

Neuer Stadt­kern in der Um­ge­bung eines Fuß­ball­plat­zes, wo sich die Ju­gend­li­chen, die dort woh­nen, gerne nach der Schu­le tref­fen. 

Ein Ob­dach­lo­ser sieht beim Trai­ning zu. Frü­her unter der Re­gie­rung von Ben Ali waren sie ver­steckt, heute leben viele Ob­dach­lo­se im Her­zen der tu­ne­si­schen Haupt­stadt unter sehr pre­kä­ren Um­stän­den.

Die Um­ge­bung des Olym­pi­astadions in Radès, zirka zwölf Ki­lo­me­ter vom Stadt­zen­trum von Tunis ent­fernt, bie­tet einen idea­len Trai­nings­platz. „Par­kour? Das ist nicht nur ein Sport, es ist eine Le­bens­art", fasst Hi­chem zu­sam­men.

Die­ser ar­ti­kel ist teil der SPEZIALAUS­GA­BE « EU­RO­MED RE­POR­TER » IN TUNIS. ca­fé­ba­bel Ar­bei­tet hier in ko­ope­ra­ti­on mit iwatch und der stif­tung anna Lindh. bald fin­det ihr alle ar­ti­kel der «EU­RO­MED RE­POR­TER » auf seite eins des ma­ga­zins.