Eierlegende Wollmilchsau

Artikel veröffentlicht am 22. April 2009
Artikel veröffentlicht am 22. April 2009
Tierische Probleme für junge Jobeinsteiger in Europa.

Sie spricht 5 Sprachen fließend (davon mindestens 3 auf muttersprachlichem Niveau), hat außergewöhnliche Soft Skills, hat in Paris und London einen Doppelmaster inklusive Erasmus-Jahr studiert, 10 Praktika in mindestens 8 verschiedenen Ländern absolviert, bereits Arbeitserfahrung gesammelt, schreibt einen Blog, spielt Klavier wie ein Gott und ist dabei gerade erst 22 Jahre alt geworden - die eierlegende Wollmilchsauole.

Diese Spezies gibt es wirklich. Zumindest treibt sie sich mit ein bisschen Ironie des Öfteren in deutschen Jobprofilen herum, die jungen Absolventen zeitweise die Laune verderben und die Bewerbungsmotivation in den Keller sinken lassen. Denn wer kann schon Eier legen, Wolle und Milch geben und gleichzeitig Lieferant von saftigem Schweinefleisch sein? Diese „weißen Raben“ (biały kruk), wie die Polen diese inexistenten Genies nennen, können ziemlich nervig sein.

Das deutsche Fabeltier hat seine Ursprünge im Bundeswehrjargon der 1970er. Denn damals bezeichnete man vor allem Mehrzweckkampfflugzeuge wie den 'Panavia Tornado' als unschlagbares Mehrzwecktierchen. Die Spanier haben sich in ganz ähnlicher Manier in der TV-Werbung ein Allround-Talentnab mit dem Namen JASP (Joven Aunque Sobradamente Preparadoped; "Jung aber hundertprozentig vorbereitet") kreiert, das zuerst für ein multifunktionelles Auto warb und dann in den Neunzigern stellvertretend für eine ganze Überfliegergeneration verwendet wurde - übrigens ein Wink an das englische WASP (White, Anglo-Saxon and Protestant)nab.

Franzosen und Holländer vermeiden das buchstäbliche Kopfzerbrechen und halten sich mit dem „5-beinigen Hammel“ (le mouton a 5 pattesced; schaap met vijf poten) lieber an Zahlen, während der schnippische Belgier längst begriffen hat: En als onze kat een koe was konden we ze melken („Wenn unsere Katze eine Kuh wäre, könnten wir sie melken“)! Und auch in Italien sucht der Firmenchef nach dem schier Unerreichbaren:  volere la botte piena e la moglie ubriaca ("das volle Fass und die betrunkene Frau gleichzeitig wollen"). Allerdings relativiert sich alles wieder am Ende der Jobanzeige, die oftmals - um es mit einer polnischen Wendung zu sagen - „Birnen auf der Trauerweide“ (obiecywać gruszki na wierzbie) verspricht!

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