EADS-Airbus: Eine Achterbahnfahrt

Artikel veröffentlicht am 23. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 23. Mai 2007

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Abbau: von Arbeitsplätzen, Millionenabfindungen für leitende Angestellte und Produktionsverlagerung nach China: Airbus versucht seine Krise zu überwinden.

Der führende europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS versucht mit

neuen Reformen seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem nordamerikanischen

Rivalen Boing zu behaupten. Im Februar 2007 kündigte EADS strukturelle

Umgestaltungen an, bei denen 6 der 16 Fabriken in Frankreich, Deutschland,

Großbritannien und Spanien teilweise oder komplett verkauft werden sollen.

Davon würden etwa 10 000 Mitarbeitern aus den vier Ländern betroffen sein.

Ein europäisches Projekt

Airbus ist ein Tochterunternehmen von EADS. Es wurde im Jahr 2000 nach der Fusion des französischen Unternehmens Aérospatiale-Matra, der spanischen Construcciones Aeronáuticas SA und der deutschen Daimler-Chrysler Aerospace AG gegründet. Airbus ist im Grunde eine Gesellschaft, deren Anteile sich zwischen EADS und dem britischen BAE Systems aufteilen. Was zunächst eine ökonomische Interessengemeinschaft war, wurde zu einer Gesellschaft mit allen Verwaltungsfunktionen und Hauptsitz in Tolouse. In den letzten fünf Jahren konnte Airbus seine finanziellen Mittel verdoppeln.

Das Erfolgsunternehmen Airbus gilt als Symbol der Europäischen Union und schaffte es seinen nordamerikanischen Konkurrenten Boing in den letzten Jahren einzuholen. Sowohl bei den Bestellungen als auch bei der Auslieferung überflügelte Airbus den Boingkonzern. So stieg die jährliche Auftragslage bei Airbus zwischen 1999 und 2005 von 476 auf 1 111, während Boing nur eine Steigerung von 355 auf 1 028 erzielen konnte. Bei der Auslieferung in der Periode zwischen 2003 und 2005 steigerte sich Airbus von 305 auf 378, Boeing schaffte nur einen Anstieg von 281 auf 290.

Die Krise

Um Boeing noch weiter hinter sich zu lassen, schloss Airbus übereilt verschiedene Verträge ab, obwohl sich schon das Risiko von Verspätungen in der Auslieferung abzeichnete. Letztlich musste man 2006 die Verspätung in der Auslieferung des neuen Passagierflugzeugs A 380, dem größten Flugzeug der Welt eingestehen. Dadurch wurde auch der Enthusiasmus für den Bau des A 350 gebremst, dem direkten Konkurrenzprojekt vom 787 Dreamliner von Boeing. Dessen Einführung musste dreimal verschoben werden. Kurz hintereinander folgten zwei Rücktritte leitender Angestellter des Unternehmens: der deutsche Gustav Humbert und sein Nachfolger, der Franzose Christian Steiff. In der Folge stornierten auch noch die amerikanischen Klienten UPS und FedEx ihre Aufträge. Der stellvertretende Vorsitzende Harald Wilhelm reagierte mit den Worten: „Nichts zu tun diesbezüglich ist keine besonders gute Option.“

Der neue A 350, dessen Einführung sich bis 2013 verspäten wird, ist Zielscheibe der Kritik. Die Kosten für die Produktion steigen aufgrund der Erstarkung des Euros gegenüber dem Dollar ins Unermessliche. Laut des derzeitigen Direktors bei Airbus, Louis Gallois, ist es unmöglich, bei einem Kurs von einem Euro zu 1,35 Dollar weiterhin in Euro zu produzieren und zu den Preisen von Boeing in Dollar zu verkaufen.

Auch die Einmischung der Regierungen um die Interessen ihrer Arbeiter und ihrer nationalen Unternehmen zu vertreten, erschwert den Ausweg aus der Krise. Für den europäischen Kommissar für Transport, Jacques Barrot, zahlt Airbus einen hohen Preis für seine schlechte Geschäftsführung und für die Einmischung der Regierungen.

Ungeachtet aller Schwierigkeiten schaffte es Airbus 2006, eine höhere Auslieferungszahl gegenüber dem Konkurrenten Boeing zu halten. Man lieferte 434 Flugzeuge aus, das waren 36 mehr als Boing ausliefern konnte.

Der neue Plan – „Power 8“

Das Umstrukturierungsprogramm von Airbus, „Power 8“ genannt, soll die finanzielle Situation entschärfen und das Unternehmen wieder konkurrenzfähig für den Markt machen. Auf diesem umkämpften Markt möchte auch China mitspielen. Die Regierung gab vergangenen März offiziell bekannt, bis zum Jahr 2020 ein eigenes Flugzeug bauen zu wollen. Das Wichtigste für Airbus ist es bis 2010, etwa 5 500 Millionen Euro zu sparen, um die Weiterentwicklung des A 350 zu ermöglichen.

Obwohl die Kritik der Arbeitnehmerverbände nicht auf sich warten lässt, erachten die Regierungen sie als notwendig. Die Hauptaktionäre Deutschland und Frankreich erklärten sich mit dem Umstrukturierungsplan einverstanden: 10 000 Stellen werden gestrichen. „Wir möchten, dass das Unternehmen wieder konkurrenzfähig wird, auch wenn sich das negativ auf die Arbeitnehmer auswirkt“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ins selbe Horn stößt der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos. Er spricht sich für eine ausgewogene Lastenverteilung auf die nationalen Geldgeber aus. Außerdem sichert das Sanierungsprogramm die Produktion und die Möglichkeit zur Entwicklung des Projektes in Deutschland.

Man sieht sich einer Situation gegenüber, die man wegen der politischen Brisanz des besonders ehrgeizigen Projekts bis zum letzten Moment zu verhindern suchte. Romano Prodi sagte am 3. März in diesem Zusammenhang gegenüber Euronews, dass „Airbus aus einer unternehmerischen Politik geboren wurde, um sich danach in ein Industrieprojekt zu verwandeln. Jetzt erleben wir den Übergang von einer politischen zu einer gewerblichen Strategie“.