Drogenkonsumräume in Europa: Politische Sp(r)itzen oder soziales Allheilmittel?

Artikel veröffentlicht am 23. August 2010
Artikel veröffentlicht am 23. August 2010
Muss der Konsum von harten Drogen eingerahmt werden? Eine Frage, die sich europäische Länder in unterschiedlicher Intensität stellen. Während einige vorausdenkende Regierungen bereits sogenannte „Drogenkonsumräume“ oder auch „Fixerstuben“ eingerichtet haben, ziehen es andere vor, den Ball flach zu halten. Im Namen der Ethik. Selbstverständlich …

Zugegeben, die Idee ist ein wenig brutal. Spezielle Zentren, reserviert für Junkies, die sich dort in völliger Straflosigkeit spritzen können - das lässt die Massen erschauern. Generell scheint man in Frankreich und Italien Angst vor Spritzen zu haben. Die beiden Regierungen haben systematisch Vorschläge der Opposition zurückgewiesen, wenn es um die Betreuung von Drogensüchtigen ging. In Frankreich wird die Inthronisierung der Drogenkonsumräume momentan heiß diskutiert, in Italien hingegen seit 2006 nicht mehr angesprochen. Die „stanze del buco“ (wörtlich: Loch-Räume) sind begraben. Das Kokain aber offensichtlich nicht. Wissenschaftliche Studien weisen eine Konzentration von Alkaloid-Molekülen (Kokain-Molekülen) in der römischen Luft nach …

Die Kampagne richtet sich vor allem an Jugendliche und zeigt die tragischen Folgen der Alkoholabhängigkeit, hier z.B. SelbstmordTrotzdem: Zu einem Zeitpunkt, wo mehr als 3 Millionen Europäer milde Opiate konsumieren, haben bestimmte Länder den „Drogatorium“-Versuch gewagt. Orte, wo Drogenabhängige Crack, Heroin und Kokain in relativer Sicherheit konsumieren können. Die Schweiz, England, die Niederlande, Deutschland, Spanien, Luxemburg und Norwegen haben das Modell getestet. In Großbritannien beispielsweise wurde 2005 von der Regierung ein Programm bezüglich der „shooting galleries“ angeregt. Und im Laufe von vier Jahren haben die drei Kliniken in Süd-London, Darlington und Brighton, die mit dem Versuch beauftragt waren, überzeugende Erfolge vorweisen können. Weniger Dealer in den Straßen. Weniger offensichtlich Drogensüchtige. Dem Independent zufolge sogar weniger Tote.

Kurz gesagt, die Engländer haben ihre Straßen gereinigt und somit gezeigt, dass das System funktioniert. In Deutschland gibt es 16 „Fixerstuben“. In Berlin waren ganze 70% der öffentlichen Meinung für die Einführung dieser Räume. In Spanien zählt der Ballungsraum Barcelona bereits vier „narcosalas“, bis 2014 sollen noch neun weitere hinzu kommen.

Auf der anderen Seite der Pyrenäen ist die Spritze immer noch tabu. Die Initiative der (mutigen) Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot hatte die Wirkung eines nassen Knallkörpers … Nun, selbst angesichts der zahlreichen Bestimmungen im Kampf gegen die Drogenabhängigkeit, die in der europäischen Nachbarschaft existieren – Frankreich wird anscheinend nicht in die gleiche Richtung „spritzen“. Schnief …

Fotos: Artikellogo (cc) Lomo-Cam/ Cameron Russell/ flickr; Britische Kampagne ©Adam Foster/flickr