Doku 'FOOD inc.' - Weißt Du, was Du da isst?

Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2009
FOOD inc. ist ein Dokumentarstreifen, der die Berlinalereihe “Kulinarisches Kino” eröffnet hat. Regisseur Robert Kenner stellt darin die Massenproduktion von Lebensmitteln bloß, und zeigt, dass Hersteller den Konsumenten bewusst täuschen. Um sich ein genaues Bild der Produktionsverhältnisse zu machen, geht er mit seiner Handkamera in Fabrikhallen und Großbauernhöfe.

Kenner beschreibt, wie wenige Konzerne die amerikanische Lebensmittelproduktion komplett beherrschen. Unter dem Mantel der Effizienz und der Produktivität vernachlässigen diese Firmen die Gesundheit der Konsumenten, Hygienestandards, Respekt gegenüber ihren Angestellten sowie den artgerechten Umgang mit Tieren.

Die Entdeckungen, die Kenner mit seiner Kamera macht, sind ebenso eklig wie vorhersehbar. Mastküken werden binnen 50 Tagen zu Hühnern gepäppelt, deren Brüste durch chemisches Kraftfutter wesentlich größer sind, als die wilder Hühner. Das in den USA am meisten angebaute Produkt ist Weizen, der in großem Umfang vom Staat subventioniert wird. Dadurch kann er unter seinen Produktionskosten verkauft werden und dient vor allem als Nahrung für Mastvieh. Fast jede amerikanische Kuh wird heutzutage von Weizen ernährt, der das Vieh, anders als Gras, schnell fett werden lässt. Allerdings können Kühe Weizen nicht auf natürliche Weise verdauen und es kommt zur Bildung von sogenannten E.coli Bakterien im Darmtrakt. Um die Bakterien zu töten, wird das Fleisch nach der Schlachtung mit Ammoniumsäure behandelt. Doch oft bleiben E.coli Bakterien in der Nahrungskette und sind verantwortlich für Lebensmittelvergiftungen und Produktrücknahmen. 

Viele Amerikaner kochen nicht selbst, da Fast Food-Produkte billiger als gesunde Grundnahrungsmittel sind. Ein Hamburger kostet zum Beispiel weniger als ein Kopf Broccoli. Kenner möchte allerdings mit seinem Film deutlich machen, dass der Konsument eine nachhaltige und gesunde Anbauweise von Lebensmitteln durch bewussten Kauf fördern kann. Allerdings ist es schwierig, diese Entscheidungen zu treffen, wenn elementare Produktinformationen über Anbauweise und Zutaten mit Hilfe der amerikanischen Lebensmittelbehörde verschleiert werden.

Dass die europäische Lebensmittelproduktion sich nicht mehr wesentlich vom US-Alltag unterscheidet, wurde in der Diskussion nach dem Film deutlich. Regisseur Robert Kenner rief zusammen mit anderen Aktivisten der Slow Food-Bewegung (Eric Schlosser “Fast Food Nation” und Michael Pollan “The Omnivore’s Dilemma”) zu mehr Qualitätskontrollen auf. Carlo Petrini, der italienische Gründer von Slow Food erklärte seine Absicht, aktive Lobbyarbeit für die im Juni anstehenden Europawahlen zu betreiben, um Lebensmittelqualität zu einem Wahlthema zu machen.

Mehr zum Festival, den Filmen und dem Geschehen auf dem roten Teppich findet Ihr auf unserem Berlinaleblog.