Dispute over Europe: "Europa hat die besten Chancen, wenn es zusammenhält"

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2014
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2014

"Eu­ro­pa im Streit" lau­tet die etwas un­ge­schick­te Über­set­zung des Kon­gres­ses "A Dis­pu­te over Eu­ro­pe", der am 18. und 19. Sep­tem­ber im Haus der Kul­tu­ren der Welt statt­fin­den wird. Am 2. Mai star­te­ten die Ver­an­stal­ter mit einem Kick-Off, der zu Be­ginn junge Men­schen und ihre Sicht auf Eu­ro­pa im Panel "Die Idee von Eu­ro­pa - Next Ge­ne­ra­ti­on" auf das Po­di­um holte.

Am An­fang der De­bat­te steht ein Kli­schee: un­po­li­tisch, un­mo­ti­viert und un­in­ter­es­siert sei die eu­ro­päi­sche Ju­gend. Es gehe ihr viel zu gut und sie nehme alles selbst­ver­ständ­lich hin. Ganz über­rascht sei man über die 50 Be­wer­bun­gen von jun­gen Eu­ro­pä­ern ge­we­sen, die dem Auf­ruf folg­ten, die ei­ge­ne Idee von Eu­ro­pa auf dem Panel "Die Idee von Eu­ro­pa - Next Ge­ne­ra­ti­on" zu prä­sen­tie­ren. Als die Mo­dera­to­rin­nen Nina Ju­risch und Isa­bell Hoff­mann die Dis­kus­si­on so ein­lei­te­ten, war klar, dass die Ver­an­stal­ter - die Pe­ter-Weiss-Stif­tung, Ber­tels­mann Stif­tung, Al­li­anz Kul­tur­stif­tung, BMW Stif­tung Her­bert Quandt, die Václav Havel Li­bra­ry und das In­ter­na­tio­na­le Li­te­ra­tur­fes­ti­val Ber­lin - nur wenig Ah­nung von der jun­gen eu­ro­päi­schen Ge­ne­ra­ti­on, ihren Sor­gen, Ängs­ten, Hoff­nun­gen und Per­spek­ti­ven haben.

Bye, bye Eu­ro­pa in schwarz-weiß

Glück­li­cher­wei­se haben Has­sa­an Bin Shahe­en (Pa­kis­tan/Gross­bri­tan­ni­en), Chris­ti­an Fel­gen­hau­er (Deutsch­land), Car­me­la Ne­gre­te Na­var­ro (Spa­ni­en/Deutsch­land), Sonja Ka­tha­ri­na Schif­fers (Deutsch­land) und Da­ni­el Tkatch (Ka­sachs­tan, Is­ra­el, Deutsch­land, Bel­gi­en) span­nen­de Per­spek­ti­ven auf die Eu­ro­päi­sche Union und keine Scheu, sie den Ver­tre­tern der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on im Pu­bli­kum nahe zu brin­gen. Al­lein die An­zahl der Län­der, die hin­ter jedem Namen im Pro­gramm ste­hen, macht deut­lich, aus wie vie­len un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven die Dis­ku­tan­ten auf die Eu­opäi­sche Union bli­cken, mit wel­chen Le­bens­er­fah­run­gen sie ihre State­ments un­ter­mau­ern kön­nen und dass sie die (eu­ro­päi­sche) Welt nicht in schwarz-weiß be­trach­ten. Im Ge­gen­satz zu ma­chem Gast in Anzug mit Flie­ge, der mehr Nach­rich­ten und In­for­ma­tio­nen über die eu­ro­päi­schen Nach­barn in deut­scher Spra­che ein­for­dert, sind die Dis­ku­tan­ten es ge­wohnt, zwi­schen ver­schie­de­nen Spra­chen zu swit­chen und dank des In­ter­nets fähig, den Nach­rich­ten und De­bat­ten in an­de­ren Län­dern zu fol­gen. 

Trotz­dem wird viel Kri­tik in den ers­ten State­ments von Da­ni­el und Chris­ti­an geübt: zu wenig öf­fent­li­cher Raum für Kri­tik an der EU - ein Um­stand, der auch den Po­pu­lis­ten in die Hände spielt; zu viel po­li­ti­scher Kon­sens, der daher kommt, das die EU-Kan­di­da­ten kei­nen spe­zi­fi­schen The­men-Wahl­kampf füh­ren kön­nen; Ver­schwen­dung öf­fent­li­cher Mit­tel für Stu­di­en über Schnul­ler­ket­ten, Ge­häl­ter von EU-Se­kre­tä­rin­nen und Heim­tier­kre­ma­to­ri­en. Car­me­la ist fast ei­fer­süch­tig auf die Auf­merk­sam­keit, die die EU für den Kon­flikt in der Ukrai­ne im Ge­gen­satz zu den haus­ei­ge­nen so­zia­len Pro­tes­te in Spa­ni­en und Grie­chen­land hat. Nicht zu ver­ges­sen, dass nie­mand mehr die Viel­zahl der eu­ro­päi­schen In­sti­tu­tio­nen durch­schaut: Was ist ei­gent­lich der Un­ter­schied zwi­schen dem Eu­ro­päi­schen Rat und dem Rat der Eu­ro­päi­schen Union? Gute Frage.

Für ein Eu­ro­pa der ge­mein­sa­men Ver­ant­wort­lich­keit

Aber die Op­ti­mis­ten sind nicht weit. Sonja lobt das hohe Ko­ope­ra­ti­ons­le­vel zwi­schen den Staa­ten und die So­li­da­ri­tät ziw­schen den Bür­gern der EU. Das Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für­ein­an­der und für glo­ba­le The­men wie Ge­sund­heit, Um­welt­, Le­bens­mit­tel­ oder Müll sei ge­wach­sen - die vie­len Re­gu­lie­run­gen, die die EU durch­setzt, hät­ten einen hohen Le­bens­stan­dard er­mög­licht, den an­de­re Län­der be­wun­dern. Den po­li­ti­schen Ap­pe­tit nicht durch eine Glau­bens­kri­se in die In­sti­tu­tio­nen ver­lie­ren, mahnt Has­sa­an an. Im­mer­hin sei die Eu­ro­päi­sche Union nicht Pa­kis­tan oder Nord­ko­rea. Sie kann Vor­bild für an­de­re Län­der sein, wie ein po­li­ti­sches Sys­tem gegen In­to­le­ranz, Ras­sis­mus und Fa­na­tis­mus vor­ge­hen kann. Am bes­ten ganz prag­ma­tisch ran­ge­hen, schlägt er vor: Kein eu­ro­päi­scher Mes­si­ah solle den Weg ins Pa­ra­dies wei­sen; es rei­che schon, wenn jeder sein po­li­ti­sches An­lie­gen nach Kräf­ten ver­fol­gen würde. In zehn, fünf­zehn Jah­ren, wenn diese jun­gen Men­schen in den ent­schei­den­den Po­si­tio­nen sit­zen, wird sich das Ge­sicht Eu­ro­pas oh­ne­hin ver­än­dern - die Ideen der "next ge­ne­ra­ti­on" haben einen Vor­ge­schmack dar­auf ge­ge­ben, wie das aus­se­hen könn­te!

CAFÉBABEL BER­LIN STREI­TET ÜBER EU­RO­PA

Cafébabel Ber­lin ist of­fi­zi­el­ler Me­di­en­part­ner von A Dis­pu­te over Eu­ro­pe. Ab dem 2. Mai 2014 könnt ihr hier In­ter­es­san­tes vom Kon­gress und In­ter­views mit den Pa­nel­teil­neh­mern lesen. Mehr Up­dates gibt es auf Face­book und Twitter