Diskriminierung oder Missverständnis? Italien sieht sich unter Beschuss

Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2008
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Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2008
Soll das die Eurogeneration sein?

Wie sollen wir diesen Spot verstehen?

1. Er ist rassistisch und aggressiv. So versteht ihn auch der italienische Botschafter in Berlin, Antonio Puri Purini, der seinen Protest öffentlich formuliert hat. Ebenso die Abgeordnete der demokratischen Partei (Pd) für die Auslandsitaliener in Deutschland, Laura Garavini, die zum Boykott von Media Markt aufruft. Sie hatte tatsächlich Erfolg: Media Markt hat den Spot zurückgezogen.

2. Er ist einfach nur lustig. Man muss nur eine Weile durch die Welt gereist sein, Freunde im Ausland haben, um zu erkennen, dass die paar Witze über die Italiener dem freundschaftlichen Miteinander in Europa keinen Abbruch tun.

Keine Frage, Eurogeneration schließt sich natürlich der zweiten Antwort an und erklärt die trotzige Defensive, in die sich Italien in den letzten Tagen hineinmanövriert hat, für absolut unangebracht. Dennoch sieht sich das Land, und zwar von allen Seiten, unter Beschuss genommen.

Und das nicht nur durch die Werbung. Minister Maroni will das Schengen-Abkommen, das europaweit freie Aus-und Einreise gestattet, neu verhandeln, um rumänische Einwanderer draußen zu halten. Man entrüstet sich über die weltweite Verwunderung angesichts der Bewältigungsversuche des italienischen Müllproblems. Dagegen hüllt sich die Demokratische Partei (Pd) in Schweigen, wenn es um die fremdenfeindlichen Tendenzen im neuen Sicherheitspaket oder um die Kungeleien der neapolitanischen Justiz geht. Auch im Pd fürchtet man sich vor den Rumänen.

Donadoni wird zwar alle Kräfte aufbieten, um die italienische Mannschaft mit dem nötigen Kampfgeist in die Europameisterschaft zu schicken. Dennoch hat das politische Italien hat bereits den Rückzug angetreten und geht in die Verteidigung. Hier ist catenaccio angesagt.