„Die Völker Europas glauben nicht an den Kampf der Kulturen“

Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003
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Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003

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Interview mit Alejandra Martinez Boluda, Vorsitzende des Euro-Med-Jugendprogramms der EU.

Die Osterweiterung hat kaum begonnen und schon wendet die EU ihre Aufmerksamkeit bereits gegen Süden. Gelingt es uns, Brücken zu unseren Partnern des Mittelmeerraumes zu bauen? Eine Woche nach der Euro-Med-Jugendkonferenz in Malta haben wir mit Alejandra Martinez gesprochen, der Vorsitzenden des EU-Programms.

Cafe Babel: Könnten Sie die Ziele des Euro-Med-Jugendprogramms kurz umreißen? Gibt es in näherer Zukunft Ereignisse, die unsere Leser interessieren könnten?

Alejandra Martinez: Das Ziel des Euro-Med-Jugendprogramms ist es, jungen Menschen des Mittelmeerraumes und der EU die Möglichkeit zu bieten, gemeinsame Projekte zu gestalten, um zusammen ihren Horizont zu erweitern und ihre Vorurteile zu überwinden. Durch Jugendaustausch, Freiwilligendienst, Trainingsprogramme und Seminare binden wir junge Menschen direkt ein und versuchen so, die drei Grundziele des Programms zu verwirklichen: Wir wollen die Demokratisierung der Zivilgesellschaft in den Partnerländern des Mittelmeerraumes unterstützen, das Verständnis und den Zusammenhalt junger Menschen über das Mittelmeer hinweg verbessern und den Informations-, Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Jugendorganisationen fördern.

Im Rahmen des Euro-Med-Jugendprogramms laufen ständig Aktivitäten – mehr Information zu den Euro-Med Trainingskursen gibt es unter http://www.salto-youth.net. Eine andere Möglichkeit ist, Marcos Andrade (Marcos.Andrade@coe.int) zu schreiben, der für eine Reihe von Euro-Med-Trainingskursen verantwortlich ist, die vom Nord-Süd-Zentrum in Lissabon geleitet werden. Diese Kurse dienen der Ausbildung junger Menschen in Menschenrechtsfragen.

Zusätzlich ist für Januar 2004 eine Regionalkonferenz im Rahmen der neuen Euro-Med-Jugendplattform geplant. Das Thema und der genaue Zeitpunkt müssen noch festgelegt werden. Zielgruppe dieser Konferenz sind Organisationen, die direkt über dieses Thema arbeiten, wobei maximal fünfzig Organisationen teilnehmen können.

Der Barcelona-Prozess ist einer der wenigen internationalen Prozesse, an dem sowohl Israel als auch Palästina teilnehmen. Hat dies zu irgendwelchen Schwierigkeiten zwischen den beiden Delegationen geführt, die an den Aktivitäten und Treffen des Jugendprogramms teilgenommen haben?

Im Euro-Med-Jugendprogramm gibt es einige Projekte an denen sowohl junge Palästinenser als auch israelische Juden teilgenommen haben. Die Kommission unterstützt diese Zusammenarbeit, da eines der Hauptziele des Programms ist, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Unser Ziel ist, nicht nur die Nord-Süd, sondern auch die Süd-Süd Kooperation zu stärken.

Die Teilnahme Israels an einem Projekt bereitet häufig Probleme. In einigen Fällen haben sich Libanesische und Syrische Teilnehmer geweigert, weiter mitzuarbeiten. Dies erzeugt einige Schwierigkeiten, da die Kommission nur begrenzten Handlungsspielraum hat. Sie kann nur die Partnerregierungen daran erinnern, dass sie eine Erklärung unterzeichnet haben und daher Teil eines Prozesses sind.

Wie haben Ihrer Einschätzung nach die Ereignisse des 11. Septembers die Beziehungen zwischen europäischen und arabischen Jugendlichen beeinflusst? Würden Sie sagen, dass sie sie entzweit oder womöglich und gerade in letzter Zeit, einander näher gebracht haben?

In der Folge des 11. Septembers war es klar, dass Kooperation sich nicht auf die Wirtschaft beschränken darf, sondern auch die Gesellschaft mit einbinden muss. Um diese Kooperation auszuweiten, entschied die Europäische Kommission, Programme innerhalb der Zivilgesellschaft zu unterstützen. Jugendaustauschprogramme, Seminare und Trainingskurse bieten die Möglichkeit, Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft zusammenzubringen. Durch gegenseitigen Respekt und Verständnis kann die kulturelle Spaltung überwunden werden. Das Euro-Med-Jugendprogramm hat bewiesen, dass dies möglich ist. Wie der Präsident der Kommission kürzlich in Alexandria sagte, glauben die Menschen in Europa nicht an den „Kampf der Kulturen“, sondern an ein Miteinander gegründet auf Frieden und Dialog. Der Wille, den Dialog auszubauen und die persönlichen Kontakte unserer Euro-Med-Kooperation zu verstärken, hat bereits zu guten Ergebnissen geführt: Es wurde unter anderem eine Euro-Med-Stiftung zur Förderung des interkulturellen Dialogs gegründet (Bestätigung auf der Sitzung der Außenminister in Neapel im Dezember) und Programme zur Entwicklung der Hochschulen (Tempus Meda) geschaffen. Um der Welle des Islamismus entgegenzuwirken, setzt die Europäische Union verstärkt auf Dialog und Kooperation: Sie gründen sich auf gegenseitigen Respekt, Gleichheit, Meinungsfreiheit, Solidarität und Wissen.

Was unterscheidet das aktuelle Euro-Med-Jugendprogramm II von seinem Vorgänger?

Vorrangig in dieser zweiten Phase sind Trainingskurse und der Aufbau von Netzwerken. Das Ziel ist die Entwicklung der Fähigkeiten von Organisationen im südlichen Mittelmeer. Die Kommission hat zur Unterstützung dieser Ziele ein Resource Center (Salto Euro-Med) gegründet, das Organisationen beim Training hilft und Landeskoordinatoren und Landesvertretungen bei der Implementierung der Programme unterstützt. Außerdem wurde mit dem europäischen Rat eine Vereinbarung mit Schwerpunkt auf das Euro-Med Training geschlossen und schließlich noch eine neue Plattform gegründet, wo Organisationen von beiden Seiten des Mittelmeeres miteinander diskutieren, Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen können.

Wir haben nun eine gefestigte Phase des Programms erreicht, die sich durch eine höhere Anzahl und eine qualitative Verbesserung der Projekte auszeichnet. Wir werden in 2004 eine neue Evaluierung durchführen, um die dritte Phase des Programms zu planen. Bereits im kommenden Jahr kommt mit der Osterweiterung und der Einbindung der neuen Mitgliedsländer in die Euro-Med-Kooperation eine neue Herausforderung auf uns zu. In Vorbereitung der nächsten Phase möchten wir alle Organisationen einladen, im Rahmen des vom Sekretär der Euro-Med Jugendplattform geschaffenen Raums ihre Meinung zu dem Programm mit uns zu teilen