Die türkische Vorliebe für Verschwörungstheorien

Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2013

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Die Affinität der türkischen Gesellschaft für Verschwörungstheorien ist ein großes Hindernis für eine demokratisch, liberale Entwicklung.

Es ist nicht verwunderlich, dass im 21. Jahrhundert Verschwörungstheorien im Internet an Beliebtheit gewinnen. In der türkischen Gesellschaft haben diese jedoch einen festen Bestandteil.

"Twitter denilen bir bela var'', äussert sich Tayyip Erdogan in einem Interview und bezeichnet Twitter damit als eine Plage.

Die Reaktion des Premiers auf die Proteste in Istanbul, insbesondere die Rolle von Twitter, waren nur der Anfang einer Reihe von Schuldzuweisungen und Spekulationen von ihm und führenden Vertretern der AKP.

Dabei dient insbesondere die weitläufige Konsumfreudigkeit von Verschwörungstehorien innerhalb der türkischen Gesellschaft, als Vehikel, um die Proteste als Anstrengung externer Kräfte abzutun. 

Der Kolumnist Gökhan Bacik weist auf die Tatsache hin, dass es Verschwörungstheorien im Allgemeinen in jeden Land gibt, diese aber in der Türkei eine hohe Anerkennung im sozialen und intellektuellen Bereich finden. 

Natürlich finden diese Theorie auch Befürworter innerhalb der einfachen Bevölkerung. Als Anfang 2012 Imker in der Nähe von Gaziantep tote Vögel auffanden, die ein Metallbändchen am Fußgelenk trugen mit der Aufschrift "Israel - Tel Aviv", spekulierte die Bevölkerung ob nicht der Staat Israel dahinter stecke.

Die Vermutung war, dass Israel diese Vögel nutze, um die Türkei auszuspionieren.

Dass die Gesellschaft anfällig für diese Theorie ist nutzt Erdogan geschickt, um den Großteil der Bevölkerung hinter sich zu bringen.

Auch den Ursprung der Gezi Park Proteste ortet die Regierung im Verschwörrerischen.

Anfänglich wurden lediglich ausländische Medien, insbesondere BBC und CNN, kritisiert, da türkische Medien sich eine Selbstzensur auferlegten, berichteten internationale Medien über die Ereignisse in Istanbul. In der Kritik war jedoch auch eine Schuldzuweisung eingebunden, dass diese Medien ein bestimmtes Interesse mit der Berichterstattung verfolgen würden.

Im weiteren Verlauf brachte Erdogan und auch andere Regierungsvertreter schrittweise diverse andere Erklärungen; es wurden Interessengruppen und Finanzlobbyisten mit ins Spiel gebracht, die ein Interesse daran haben, den wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei zu unterbinden, so die Verlautbarungen der Regierung. 

Dabei lieferten weder Erdogan, noch andere Politiker der AKP fundierte Beweise für diese Spekulationen. Der Bevölkerung reichten diese nebulösen Behauptungen dennoch aus.

Auch die Ernennung von Yigit Bulut als leitender Berater für Erdogan, unterstreicht die Vorliebe für Verschwörungstheorien und Theoretiker. Bulut wird von einigen Journalisten als türkischer Glenn Beck bezeichnet und mittlerweile kursiert der Witz, dass es nur einer von Beiden als Berater eines Staatsoberhaupts geschafft hat.

Yigit Bulut ist bekannt für seine nationalistischen und xenophoben Ansicht, die er als Chefredakteur von Haber Türk und Kommentator von 24 TV äusserte.

Dabei sieht auch er die Proteste als Projekt von ausländischen Kräften, die ein großes Interesse daran haben, den Aufstieg der Türkei zu verhindern. Er bedient er sich gerne Halbwahrheiten und liefert seinem Publikum gerne einen naiven, aber für den Zuschauer spannenden Blick hinter die Kulissen.

Die türkische Bevölkerung begnügt sich größtenteils mit diesen gefährlichen Verschwörungstheorien und steht dennoch vor einem großen, gesellschaftlichen Hindernis durch diese. 

Der Journalist Piotr Zalewski hat es treffend beschrieben, als der erklärte, dass Verschwörungstheorien in der türkischen Politik genauso dazugehören, wie der Kebab und das Baklava zum allabendlichen Essen. 

Wie die weitere Entwicklung sein wird ist schwierig abzuschätzen, es bleibt aber die Gewissheit, dass die Regierung bereit ist diesen Kurs fortzuführen, solange die Bevölkerung eine Vorliebe für diese Verschwörungstheorien hat.