Die Türkei erinnert sich an Hrant Dink

Artikel veröffentlicht am 26. Januar 2007
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Artikel veröffentlicht am 26. Januar 2007

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Die Ermordung des Journalisten Hrant Dink, 53, hat in der Türkei Aufsehen erregt. Dink war ein Verfechter des EU-Beitritts der Türkei.

„Hrant war ein perfektes Ziel für jene, die die Demokratisierung der Türkei und den EU-Beitritt des Landes in Frage stellen wollten“, schrieb ein Journalist des Magazins Agos. Dink hatte das wöchentlich ersheinende Blatt mitgegründet und arbeitete bis zuletzt als dessen Chefredakteur.

Die Ermordung dieses engagierten Journalisten am 19. Januar in Istanbul hat in der Türkei nicht nur bei der armenischen Gemeinde Trauer und Bestürzung hervorgerufen. Alle, die an Freiheit und Demokratie glauben, reagierten entsetzt.

Vor dem Sitz des Magazins Agos haben sich diese Woche Türken verschiedener Herkunft versammelt. Tausende sangen „Wir sind alle Armenier“. Das könnte die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbessern.

Anlässlich der Trauerfeiern zu Ehren Dinks nahmen viele Gruppen die Gelegenheit wahr, die Regierung an die Einhaltung der Menschenrechte zu erinnern. Sie forderten vor allem die Abschaffung des Paragrafen 301 des türkischen Strafrechts. Dink wurde aufgrund dieses Paragrafens verurteilt, da er öffentlich an den Genozid an den Armeniern erinnert hatte.

Seit letzten Freitag haben täglich tausende Menschen demonstriert. Bei der Trauerfeier am Dienstag waren 100 000 Personen anwesend. Sie zeugen von der Existenz einer aktiven türkischen Zivilgesellschaft, die bereit ist, sich für die Demokratisierung des Landes stark zu machen.

Fotos: Mariella Esvant