Die 'stimmlose Diskriminierung' des Homo Olympicus

Artikel veröffentlicht am 5. August 2008
Artikel veröffentlicht am 5. August 2008
Einige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking fanden in Barcelona die EuroGames 2008 statt, eine Europameisterschaft für homosexuelle Sportler. Geht Olympia in China ebenso sportlich mit Homosexualität um?

Zwischen dem 24. und 27. Juli traten 5.300 schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle Sportler (im Spanischen kurz GLBT für gais, lesbianas, bisexuales und transexuales) aus ganz Europa in Barcelona in 28 Kategorien gegeneinander an. Der baldige Startschuss der Olympischen Spiele in Peking lädt im Vergleich mit den EuroGames 2008 dazu ein, einen Blick auf die Situation homosexueller Sportler in China zu werfen, die häufig unter Diskriminierung leiden.

© EGLSF.info"Wir möchten mit den EuroGames einen Begegnungsort schaffen, auf uns aufmerksam machen und die Kooperation einzelner Interessenvertreter verbessern", so Pepe García Vázquez, Mitvorsitzender der EGLSF (European Gay & Lesbian Sport Federation) und Organisator der EuroGames. Der Verband zählt über 16.000 Mitglieder in 110 Vereinen in 21 europäischen Ländern, deren oberste Ziele die Bekämpfung der Homosexuellendiskriminierung sowie die Integration und Emanzipation von Schwulen und Lesben im Sport sind. "Unentwegt werde ich gefragt, ob wir auf diese Weise nicht ein 'Ghetto' für homosexuelle Sportler schaffen würden. Aber 'Ghettos' werden nicht von Menschen geschaffen, sie sind vielmehr ein Produkt der Gesellschaft", sagt García. Er weist darauf hin, dass die EuroGames nicht ausschließlich für Homosexuelle reserviert seien. "Jeder ist willkommen." Vorrangig ginge es um die sportliche Leistung.

Eine Minderheitengruppe in Athen 2004

Allein die Tatsache, dass die Veranstaltung dieser Spiele notwendig ist, zeigt, wie stark die Homophobie im Sport noch verbreitet ist: "Im Fußball zum Beispiel sind die meisten Beschimpfungen homophober Natur." In Bezug auf die Olympischen Spiele sei die Zahl der aktiven Spitzensportler, die sich öffentlich outen, verschwindend gering, stellt García fest. Einige bekennen sich erst nach dem Karriereende zur Homosexualität: "Es handelt sich um eine 'stimmlose Diskriminierung'", aus Angst vor der Abweisung durch Sportlerkollegen oder vor dem Verlust des öffentlichen Ansehens. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen zum Beispiel hätten nur neun oder zehn Frauen öffentlich zugegeben, lesbisch zu sein, und dies auch nur in Individualsportarten wie Reiten.

©tenrey / FlickrUnd obwohl eine von ChinaBBS (Forschungsinstitut, das von der Volkswagen-Stiftung finanziell unterstützt wird) durchgeführte Studie schätzt, dass rund 30 Millionen Chinesen homosexuell sind, bekennt sich kein homosexueller, chinesischer Sportler öffentlich dazu. Reggie Ho, Ehrenobmann des Vereins ‘Horizon‘ mit Sitz in Peking, der sich mit der Thematik rund um sexuelle Orientierung und Identität beschäftigt, erklärt sich dies so: "In China ist die Homosexualität nicht anerkannt." Nachdem sie während der Kulturellen Revolution unterdrückt worden war, hat die chinesische Führung sie 1997 als Straftat deklariert. "Nur wenige werden jedoch offen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bestraft, meistens werden Homosexuelle hinter dem Deckmantel anderer Gesetzesübertretungen verfolgt." Ho meint zudem, dass die Situation in Hongkong, Macao oder Taiwan, alles Länder, deren Gesetze noch aus der Kolonialzeit stammen, anders sei, obwohl auch dort gleichgeschlechtliche Beziehungen oder Gesetze gegen die Diskriminierung der Homosexualität nicht anerkannt werden.

Keine Besserung in Sicht

Ho ist wenig optimistisch, dass die bevorstehenden Olympischen Spiele die Umstände ändern könnten. "Peking hat andere Dinge im Kopf. Auch wenn die Regierung weiterhin nicht davon ablässt, sexuelle Minderheiten zu verfolgen. So werden zum Beispiel regelmäßig Schwulenbars gestürmt. Es ist die Angst vor dem Unbekannten. Viele glauben, Homosexuelle würden dem Image der Stadt schaden. Die Rechte der Homosexuellen befinden sich ganz unten auf der Prioritätenliste Chinas."

©Wikipedia

Einige Persönlichkeiten haben sich mobil gemacht, um der Diskriminierung von Homosexuellen entgegenzutreten und bekamen unter dem Vorwand der Aidsbekämpfung teilweise sogar Unterstützung seitens der Regierung. Dennoch hält sich die Mehrheit aller Homosexuellen Chinas noch immer im Verborgenen auf: “Einige machen sich im Internet für ihre Rechte stark. Das Internet ist der einzige Raum, wo die chinesischen Homosexuellen unter sich sein können.“