Die Russen sind da

Artikel veröffentlicht am 10. Juli 2006
Artikel veröffentlicht am 10. Juli 2006

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Zahlreiche Russen leben in den Ländern der EU, die meisten von ihnen im Baltikum und Deutschland. Ihre Integration gestaltet sich oft schwierig – wenn sie nicht gerade zum russischen Geldadel zählen.

In politischen und akademischen Kreisen in Europa herrscht die Meinung vor, dass für Russland schon allein aus geographischen Gründen kein Platz in der Europäischen Union ist. Dennoch ist es beachtlich, wie viele Russen mittlerweile in der EU leben und arbeiten.

Nicht nur deshalb nähert sich die Europäische Union Russland immer mehr an. Mit der Erweiterung der EU um zehn neue Länder hat Russland mit Estland und Litauen zwei neue Nachbarn aus der EU, mit denen es schon lange vor Gründung der Union eine gemeinsame Geschichte teilte.

Mangelnde Integration

Doch mit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 und den Unabhängigkeitserklärungen ehemaliger sowejtischer Staaten besannen sich die Völker der baltischen Staaten auf ihre nationales Zughörigkeit und etnischen Wurzeln. Das Machtzentrum lag bis dato in Moskau, da die Russen eine klare Vormachtsstellung in der Sowjetunion inne hatten.

Deshalb waren überall in der Sowjetunion Russen anzutreffen. In manchen neuen EU-Ländern sind auch heute noch viele Menschen anzutreffen, die sich als Russen bezeichnen, obwohl sie schon über mehrere Generationen in einem anderen Land leben. In den baltischen Staaten stellen Menschen russischer Herkunft die größte Minderheit.

In Lettland leben etwa 20 Prozent Russen. Privilegien wie der offiziele Gebrauch der russischen Sprache entfielen, nachdem Lettland seine politische Unabhängigkeit erklärte und sich somit auch kulturell abgrenzen wollte. Nach Ansicht des US-amerikanischen Think Tanks Minorities at Risk ergriff die lettische Regierung drastische Maßnahmen, um den russischen Bürgern zu zeigen, wer der neue Herr im Haus ist. Vor allem das 1994 neu eingeführte Einbürgerungsgesetz geriet im Ausland unter Beschuss, da es die Beantragung und die Bewilligung der lettischen Staatsbürgerschaft erschwert und Russen aus Gesellschaft und Politik ausschließt. Aber auch den Russen wird vorgeworfen, sich nicht genug zu intergrieren und sich absichtlich abzugrenzen.

Deutsche waren willkommen

Dass sich die national Identität nicht in erster Linie über den Besitz eines Passes definiert, zeigt das Beispiel der Russlanddeutschen. Sie kamen Anfang der 90er Jahre aus Russland nach Deutschland. Seit 1989 war es Bürgern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) deutscher Herkunft erstmals möglich problemlos nach Deutschland auszureisen. Dies lies die Auswanderung anfangs sehr stark anteigen, da die wirtschaftlichen Probleme und die politische Diskriminierung in den ehemaligen Sowjetstaaten groß war. Seit der letzten zehn Jahre sind die Anforderungen der deutschen Behörden jedoch schwieriger geworden und so müssen sich Ausreisewillige einem deutschen Sprachtest unterziehen und ihre deutsche Herkunft glaubhaft beweisen.

Schon im 16. Jahrhundert siedelten sich Deutsche in Russland an, was durch das am 22. Juli 1763 beschlossenen Einladungsmanifest von Katharina der Großen weiter gefördert wurde. Da zu dieser Zeit in Deutschland die wirtschaftliche und soziale Lage sehr angespannt war, bot es einigen Bürgern einen willkommenen Anlaß, um zu immigrieren. Unterdrückte und verfolgte Deutsche hofften in Russland in Freiheit leben zu können. Weitere Maniferste von russischen Herrschern folgten, die Deutschen Religionsfreiheit, Freistellung vom Militärdienst, Steuerfreiheit und kommunale Selbstverwaltung versprachen. Besonders Bauern waren willkommen, um unbesiedelte Gebiete zu bewirtschaften, aber auch Handwerker, Ärzte und Kaufleute zog es nach Russland.

In den folgenden Jahrzehnten veränderten sich die Verhältnisse jedoch drastisch. Bürger deutscher Herkunft wurden während der zwei Weltkriege zwangsumgesiedelt und ihrer Bürgerrechte beraubt, da ihnen Kooperation mit ihren entfernten Landsmännern in Deutschland unterstellt wurde.

Schwierige Situation für Russlanddeutsche

Dies ist das Dilemma, mit dem sich heutzutage auch viele Russlanddeutsche konfrontiert sehen. Obwohl sie laut deutscher Verfassung Deutsche sind, werden sie trotzdem von vielen nur als Ausländer wahrgenommen. Einige von ihnen haben große Schwierigkeiten, sich in Deutschland einzuleben, da das Leben in ihrer neuen Heimat nicht selten von ihren persönlichen Vorstellungen und Wünschen abweicht. Menschen wie Linna Hensel und Wladimir Kaminer zeigen jedoch, dass Integration kein Problem sein muss. Hensel reist 1992 als Zehnjährige nach Deutschland aus und wurde elf Jahre später Miss Niedersachsen gewählt. Wladimir Kaminer kam 1990 nach Berlin und feiert inzwischen große Erfolge als Autor.

Nicht selten entscheidet das Geld über das Ansehen von Russen in Europa. London ist besonders für reiche Russen seit Mitter der 90er ein beliebter Ort für ihren Erst- und Zweitwohnsitz. Russlands reichster Mann – Roman Abramovitsch – kann sich seit 2003 stolzer Besitzer des englischen Fussballclubs Chelsea nennen, und auch andere russische Oligarchen suchen Zuflucht vor Putin und seinen Gefolgsleuten auf der Insel.

Dies zeigt, dass sich das Paradox des modernen Russlands sich nicht nur innerhalb seiner Landesgrenzen abspielt, sondern sich auch in der EU fortsetzt: die große Kluft zwischen armen und reichen Russen, sowie politische und soziale Benachteiligungen.