Die Pille muss ein Mann erfunden haben!

Artikel veröffentlicht am 6. März 2009
Artikel veröffentlicht am 6. März 2009
Eine neue Generation junger Frauen sucht bei der Empfängnisverhütung nach Alternativen zur Antibabypille. Sie sind es leid, täglich ein Hormonpräparat zu schlucken. Reflexionen zum Internationalen Frauentag.

„Die Pille muss von einem Mann erfunden worden sein“, lautet Luises Theorie. Mehr oder weniger müssten sich ja die Frauen in einem Paar um die Verhütung kümmern. Fakt ist: Die Antibabypille haben wir tatsächlich einem Mann zu verdanken. Nämlich Carl Djerassi, der einen Abkömmling des Sexualhormons Progesteron 1951 zum Patent angemeldet hatte. Die Antibabypille war somit geboren.

Fakt ist auch: Sie versetzt den Körper in eine quasi Schwangerschaft, denn die in der Pille enthaltenen Hormone werden natürlicherweise vom weiblichen Körper produziert, um den Ablauf des Monatszyklus‘ sowie den Verlauf einer Schwangerschaft zu regulieren. Genau diese natürlichen Prozesse macht sich die Antibabypille zu Eigen.

Luise hat also nicht ganz unrecht. Und auch wenn der Vergleich hinken mag, so drückt sie doch nur das Unbehagen aus, dass einige junge Frauen erfasst: Muss es denn tatsächlich die tägliche Hormondosis zur Verhütung sein? Stimmt es nicht etwa, dass die Pille den natürlichen Zyklus so durcheinander bringt, dass einige Kritiker sogar davor warnen, die Pille mache auf Dauer unfruchtbar - und zwar nicht nur die Frauen?

Der Vatikan und die Pille auf Kriegsfuss

Anfang Januar wurde eine Studie publiziert, die die Behauptung aufstellt, „dass eine nicht zu vernachlässigende Ursache der männlichen Sterilität in der Welt des Westens einer Umweltverschmutzung geschuldet ist, die durch den massenhaften Gebrauch der Pille verursacht wird“. Diese These, die vom Präsidenten der katholischen Ärzte-Vereinigung, Jose Castellvi, an die Öffentlichkeit getragen wurde, könnte man getrost als Polemik verwerfen. Doch verweist sie unter anderem auf den Erfinder der Pille höchstpersönlich.

So bescheinigt Djerassi seiner Erfindung jüngst in einem Beitrag für den österreichischen Standard, zur „demographischen Katastrophe“ beigetragen zu haben. Es erfordert nicht viel Phantasie behaupten zu können, dass die Pille als effektives Mittel der Geburtenkontrolle ein Faktor für das schwindende Bevölkerungswachstum der westlichen Welt ist. Die Vermutung, die auf Daten des Schweizer Kantonsspital Stans beruhen, dass die „Tonnen an Hormonen“, die jährlich in den Wasserhaushalt abgegeben werden auch die Nahrungskette der Männer mit erhöhten Hormonwerten belasteten, ist jedoch neu und gewagt.

Libido ade?

Für Luise hingegen spielen diese neuen Erkenntnisse keine weitere Rolle. Für sie ist schon lange klar, dass die Pille weitreichende gesundheitliche Nebenwirkungen haben kann. In ihrer Entscheidung für eine natürliche Alternative stützt sie sich auf Erkenntnisse von Wissenschaftlern der Universität Massachusetts, dass auch Jahre nach Absetzen der Pille Änderungen durch die Hormonbehandlung bemerkbar seien. Das spiegele sich oftmals in einer verminderten Libido wieder. Aber sie warnen auch davor, dass eine extrem lange, konstante Einnahme (über 15 Jahre) der Pille zu Unfruchtbarkeit führen könne.

Natürlich vergnüglich

Luise wendet die so genannte Basaltemperaturmethode an. Die bezeichnet die Internetenzyklopädie Wikipedia zwar als veraltet, denn sie basiert allein auf der genauen Beobachtung der Körpertemperatur während des Zyklus. Der Pearl-Index, der die Zuverlässigkeit der verschiedenen Verhütungsmethoden angibt, liegt in diesem Fall jedoch bei 1 bis 5; sprich 1 bis 5 von 100 Frauen, die auf die Temperaturmethode vertrauen, werden schwanger. Gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass der Pearl-Index für das Kondom, als eines der sichersten Methoden gepriesen, bei 0,9 bis 14 liegt. Die Spannweite ergibt sich aus den unzähligen Anwendungsfehlern, die sich beim Präservativ ergeben können. Und genau so verhält es sich auch mit Luises Alternative. Nur wer die Rahmenbedingungen sorgfältig einhält, hat Aussicht auf Erfolg.

Dabei muss die Temperatur stets zur etwa selben Uhrzeit gemessen werden - nach dem Aufwachen und vor Verlassen des Bettes. Nach mindestens 5 Stunden Schlaf und ohne vorhergehenden Alkoholgenuss, Medikamenteneinnahme oder eine Erkältungskrankheit. Aber ist das die Lebensweise einer Mitte 20-Jährigen?

Die Forschung steckt mittendrin - oder doch nicht?

Trotz allem, nur wenige tragen ihrem Missbehangen Konsequenzen, so wie es Luise tut. Die Pille ist neben dem Kondom die weltweit beliebteste Methode. Dabei wird sie in Deutschland mit 48% am häufigsten verwendet, gefolgt von Holland (41%) und Ungarn (37%).

Angedachte Alternativen wie die „Pille für den Mann“ sind, obwohl schon lange angekündigt, wohl erstmal nicht in Sicht. Seit 2007 ruhen die Forschungen, nachdem sich auch der letzte hier noch aktive Pharmakonzern, Bayer-Schering, zurückgezogen hatte. „Uns fehlt der Glaube, dass dieses Produkt vermarktungsfähig ist“, hieß es damals aus Konzernkreisen. Die Wirkung sei zwar nachgewiesen, die Anwendung aber zu kompliziert. Im Übrigen: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Verhütung tatsächlich einem Mann überlassen möchte. Irgendwie ist diese Verantwortung für mich so feminin, dass es mir schwerfällt umzudenken“, gesteht Luise.