Die Pille danach - ein europäischer Vergleich

Artikel veröffentlicht am 4. März 2009
Artikel veröffentlicht am 4. März 2009

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Im Jahr 1999 tauchte diese Art der Empfängnisverhütung in den französischen Apotheken auf. Aber nicht überall in Europa kommt man ebenso leicht an die 'Pille danach' heran. Ein Überblick.

Wenn man in den Urlaub fährt, neigt man zu der Annahme, dass sich das, was man problemlos in seinem Heimatland erstehen kann, ebenso mühelos auch woanders kaufen lässt. Dies gilt umso mehr, da wir uns nun im Zeitalter der Europäischen Union und des Schengener Abkommens befinden. Doch obwohl sich das wirtschaftliche Europa so einigermaßen zusammenfügt, handelt es sich beim Europa der Sitten und Moralvorstellungen lediglich um eine bunte Anhäufung von Staaten. Dies erklärt auch die Unterschiede in der Gesetzgebung, insbesondere in den Bereichen Empfängnisverhütung und Abtreibung.

Nehmen wir einmal das Beispiel der «Pille danach» (Levonorgestrel), bei der die Wirksamkeit von der Zeit abhängt, die seit dem Geschlechtsverkehr und der Einnahme der Tabletten vergangen ist. Im Regelfall kann die Pille danach innerhalb von 3 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. In Frankreich wird sie seit 1999 rezeptfrei verkauft und kostet weniger als zehn Euro. In Europa ist sie ebenfalls in elf anderen Ländern rezeptfrei erhältlich (in Albanien, Großbritannien, Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Schweden und der Schweiz). Aber Achtung: Die Pille danach kann dort sehr teuer sein (25 Pfund in Großbritannien, 24 Euro in der Schweiz).

In den anderen europäischen Ländern gibt es das Medikament nur auf Rezept und durch diese Verpflichtung, vorher zu einem Arzt gehen zu müssen, ergibt sich das Problem der Reaktionszeit zwischen dem Geschlechtsverkehr und der Einnahme der Notfallverhütung. Denn am Wochenende, abends und an Feiertagen ist es oft schwierig, einen Arzt zu finden. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In Deutschland und in Österreich handelt es sich um eine bloße Formalität, doch das ist nicht überall der Fall. Dies trifft vor allem auf sehr katholische Länder zu. Der Vatikan sieht die «Pille danach» beispielsweise als chemische Form der Abtreibung an.

In Polen und Italien ist man vom ‚guten Willen‘ des Arztes abhängig.

In Italien kann sich der Arzt weigern, einem die «pillola del giorno dopo» zu verschreiben, wenn er sich auf sein Recht zur «Weigerung aus Gewissensgründen» beruft. So ist es in den sehr christlich geprägten Städten der Halbinsel sehr schwierig, einen Arzt zu finden, der einem ein Rezept dafür ausstellt. Ähnlich ist die Situation in Polen. Auch hier ist man vom ‚guten Willen‘ des Arztes abhängig, der über die Zukunft junger Frauen entscheidet. Allerdings existieren Webseiten (wie zum Beispiel www.wpadka.pl), auf denen Gynäkologen aufgelistet sind, die die Pile danach verschreiben. Kostenpunkt in Polen: zwischen 50 und 80 Złoty (10 bis 17 Euro).

In Spanien ist die Situation weniger heikel aber auch dort bekommt man die Pille nicht überall. Was Irland angeht, wo Abtreibung gesetzlich verboten ist, ist die Pille danach auf Rezept erhältlich. Doch man sollte wissen, dass sie so viel kostet wie eine Nacht im Hotel (Arztkosten + Pille). Als kleinen Tipp, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden: Packen Sie die besagte Pille immer mit in Ihre Reisetasche - falls Sie einmal ein Problem mit einem Kondom haben sollten.

Kleines praktisches Glossar

Die Pille danach heißt "the morning after pill" oder "E.H.C." auf Englisch (was für Emergency Hormonal Contraception – Hormonale Notfallverhütung steht), "la píldora del día después" auf Spanisch, "La pilule du lendemain" auf Französisch, "de morning-afterpil" auf Holländisch, "la pillola dell indomani" oder "la pillola del giorno dopo" auf Italienisch und "tabletka dzień po" oder auch kurz "tabletka po" auf Polnisch.