Die Paparazzi der Immobilienbranche

Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2007

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Mit 1,8 Millionen Kleinanzeigen aus ganz Europa ist die Webseite Properazzi.com das neue Google des Immobilienmarkts.

Yannick Laclau, 33, Gründer der Seite Properazzi.com, ist ein französischer Brasilianer und in den USA aufgewachsen. Von Barcelona aus lancierte der Geschäftsmann und Weltenbummler im März Properazzi.com, die erste virtuelle, paneuropäische Immobilienagentur. Das Konzept: in einer einzigen mehrsprachigen Suchmaschine alle Immobilienanzeigen des Alten Kontinents zu vereinen – zur Miete sowie zum Verkauf.

Herr Laclau, warum haben Sie die katalanische Hauptstadt Barcelona zur Gründung der Website Properazzi.com gewählt?

Meine Entscheidung fiel auf eine Stadt, die nicht so teuer wie London, jedoch trotzdem kosmopolitisch und eng mit der Immobilienbranche verbunden sein sollte – Der wahre Wirtschaftsmotor Spaniens sind Immobilien.

Was für eine Stimmung herrscht bei Properazzi.com?

Wir sind ein Team von 20 Leuten aus 13 verschiedenen Nationalitäten. Eine internationale Ausrichtung war mir von Anfang an besonders wichtig, da ich an die kreative Dynamik der Vielfalt glaube. Hier ist die Arbeitssprache Englisch, man hört jedoch oft Französisch, Spanisch, Finnisch oder Katalanisch…

Kann diese Vielfalt im Alltag auch manchmal zum Hindernis werden?

Bis jetzt noch nicht! Vielleicht, weil wir ein Kleinbetrieb sind, kein multinationaler Großkonzern. Wir essen gemeinsam Mittag und gehen auch gerne zusammen mal einen trinken.

Wie kamen Sie auf die Idee, Properazzi zu gründen?

Ich entwarf Webseiten für Immobilienagenturen und schon bald kam ich auf die Idee, ein Webportal zu gründen, das alle diese Seiten verbindet. Doch die Agenturen sträubten sich, zunächst aus Zeitgründen, ihre Angebote einzutragen. Ich habe also ein Programm entwickelt, das die verschiedenen Webseiten automatisch nach Informationen wie Preis, Beschreibung, Bild etc. absuchen und diese Informationen extrahieren kann. Von da an erschien es nur logisch, das System auf alle europäischen Länder auszuweiten. Heutzutage kann ein Mensch, der in Arizona lebt, problemlos den Immobilienmarkt New Yorks einsehen. Dieselbe Öffnung musste man auch auf dem europäischen Markt bieten.

Woher kommt der Name?

Der Name „Properazzi“ ist eine Zusammensetzung aus dem englischen „property“ für „Immobilie“ und „Paparazzi“. Letztere gehen zwar ziemlich auf die Nerven, schrecken jedoch vor nichts zurück, um Informationen über Promis herauszufinden.

Hat Ihre Webseite ein amerikanisches Äquivalent?

Es gibt in Amerika die Seite Trulia.com, doch unsere Herangehensweise ist viel lockerer und basiert auf eigenen Erfahrungen. In Europa wollen zu viele Leute einfach das imitieren, was anderswo bereits existiert, statt Neues zu schaffen. Das ist schade. Wir müssen innovativer sein, neue Werte schaffen. Wir haben das Potential dazu. Ansonsten bleiben wir ewig Mitläufer.

Steht das „.com“ statt des „.eu“ für eine potentielle Öffnung auf den Rest der Welt?

Solche Fragen haben wir uns dabei überhaupt nicht gestellt. Eine Erweiterung auf den Rest der Welt wollen wir natürlich nicht ausschließen, doch momentan konzentrieren wir uns auf den europäischen Kontinent, von Portugal bis Russland…

…bis Wladiwostok?

Wenn es Angebote gibt, natürlich.

Gibt es Märkte, die Vorrang haben?

Ja, Russland zum Beispiel: Die Russen kaufen viel im Ausland. Die Briten natürlich auch. Und nicht zu vergessen Spanien: Seit der Immobilienboom sich weitgehend beruhigt hat, wollen viele Anleger nun im Ausland investieren: Berlin, Prag, Bulgarien, etc.

Was für ein Ziel haben Sie sich bezüglich des Angebotsvolumens gesetzt?

Die Webseite verzeichnet derzeit 1,8 Millionen Inserate. Wir wollen vor Ende 2007 jedoch das gesamte Angebotsspektrum des europäischen Immobilienmarkts wiedergeben. Keiner kennt sein genaues Volumen, doch wir schätzen es auf vier bis fünf Millionen Angebote.

Auf welchem wirtschaftlichen Modell basiert Ihr Unternehmen?

Wir wollen das kostenlose mit dem kostenpflichtigen Angebot vereinbaren. Kostenlose Anzeigen sind unabdinglich, denn Ziel jeder Suchmaschine ist es, Zugang zu einem Höchstmaß an Informationen zu besitzen. Die Agenturen, die ihre Anzeigen besonders hervorheben wollen, müssen jedoch dafür zahlen.

Wer sind Ihre Konkurrenten?

Auf nationaler Ebene gibt es natürlich Unmengen an Immobilien-Suchmaschinen. Meiner Kenntnis nach jedoch keine paneuropäische. Man kann also sagen, dass unser größter Konkurrent Google ist…

Sie sind also David, der gegen Goliath kämpft?

Für einen kleinen vertikalen Sektor wie den der Immobilienbranche in gewisser Hinsicht schon. Unser Wunsch ist es, dass ein Kunde in Spanien, der in Prag kaufen möchte, anhand eines einzigen Werkzeugs gezielt recherchieren kann, statt über Google zu suchen und sich mit ungenauen Ergebnissen zufrieden geben zu müssen.

Auch wenn Sie nie dort gelebt haben, sind Sie in Frankreich geboren und Franzose. Was ist Ihre Meinung zu der Beziehung zwischen den französischen Präsidentschaftswahlkampagnen und dem Internet?

Ségolène Royal ist in ‘Second Life’ und Sarkozy verbreitet Podcasts. Das ist doch ermutigend. Doch die Kandidaten haben das Internet immer noch nicht ganz begriffen. Mit 33 Jahren stehe ich an einer Grenze: Ich habe das Internet an der Universität und nicht an der Schule kennen gelernt. Es müssen noch ca. 15 Jahre verstreichen, bis die Leute, die mit dem Internet groß geworden sind, es auch wirklich in ihre Wahlkampagnen einbauen.