Die Mütterchen

Artikel veröffentlicht am 8. April 2008
Artikel veröffentlicht am 8. April 2008
Es ist Zeit für jedes Mütterchen, das etwas auf sich hält, sich mit in seiner Kampfuniform anzukleiden, Plastik-Clogs anzuziehen und seine gestreifte Schürze, zum Besen zu greifen und sich im Sturmangriff auf den Bürgersteig zu stürzen. Die Wischmopps sind bei der Arbeit, die Eimer leeren sich in den Straßengraben. In fünf Minuten ist die Straße sauber und trieft.
Es wird also Zeit, Einkäufe zu erledigen, die Schürze abzulegen und ein wenig Ordnung in die Haare zu bringen, um auf gar keinen Fall die morgendliche Verabredung zu verpassen.

Mit einem Fuß auf der Kreuzung hält die Hausfrau nach allen Richtungen Ausschau, in der Erwartung eines Ereignisses, auf ein zufälliges Wiedersehen lauernd, das nie lange auf sich warten lässt. Eine Klatschbase, die vom Markt zurückkommt, nähert sich schnellen Schrittes, gefolgt von einer umgänglichen Nachbarin. Die beiden stellen ihre Einkaufskörbe auf den Boden, um die letzten Neuigkeiten des Viertels unter die Lupe zu nehmen. Große Gesten und jede Art von Mimik schmücken ihre Gespräche aus. Sie bereiten sich alle fünf Minuten zum Gehen vor, tun so, als rafften sie ihre Taschen zusammen, setzen den Impuls zum Aufbruch, aber sie werden immer am Ärmel zurückgehalten und sie bleiben noch fünf, zehn, fünfzehn Minuten länger. Der Morgen ist immer viel zu kurz. Dann, zurück zu Hause, holen die Mütterchen ihren Stuhl auf die Strasse und lassen sich im Sonnenlicht nieder, um in aller Ruhe den Klatsch des Vortags zu besprechen.

Ein Text von der französischen Künstlerin Géraldine Garçon, die in Barcelona lebt und künstlerische Kreationen macht über das Alltagsleben der Städte, in denen sie lebt.

Dieser Text ist der erste einer Serie von Porträts der Stadt Barcelona, die von Europäern verfasst sind. Hast Du Dich in Barcelona verliebt? Mach mit in der Redaktion des Barcelona-Blogs von cafebabel.com.

Übersetzung von Ricarda Lynn Otte