Die Mafia Europas breitet sich in Spanien aus

Artikel veröffentlicht am 20. März 2006
Artikel veröffentlicht am 20. März 2006

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Bis in die achtziger Jahre hinein war das organisierte Verbrechen in Spanien kaum präsent. 25 Jahre später hat sich das Bild gewandelt.

Im Jahr 2005 führten die spanischen Sicherheitskräfte fast 800 große Drogenrazzien durch. Manche erinnerten an Hollywood-Filme. Boote wurden auf hoher See mit Hubschraubern und Schnellbooten angegriffen. Bei diesen Operationen wurden mehr als 46 Tonnen Kokain und 650 Tonnen Haschich beschlagnahmt, so viel wie nie zuvor in Spanien. Diese Zahlen belegen, dass Spanien, neben den Niederlanden, das Einfallstor von Drogenhändlern nach Europa ist. Der Kontinent ist weltweit der drittgrößte Umschlagplatz für Drogen in der Welt, gleich nach den USA und Kolumbien.

Ein Netz von Banden überspannt das Land

Der Schmuggel hat in Spanien Tradition. Galizische Schmuggler waren die ersten, die eine kleine unternehmerische Infrastruktur dazu nutzten, mit anderen Produkten zu handeln. Doch inzwischen hat sich ein dichtes Netz illegaler Organisationen über das Land gespannt, das die Methoden der galizischen Schmuggler perfektioniert. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen liegt Spanien zwischen Europa und Afrika und unterhält starke Beziehungen zu Lateinamerika. Das Land zieht deshalb besonders stark Banden aus diesen Gegenden der Welt an. Auch der Fall des Eisernen Vorhangs, die vollständige Integration Spaniens in die Europäische Union und zunehmender wirtschaftlichem Wohlstand haben das Land für international agierende Gruppen attraktiv werden lassen. Diese kommen meist aus Osteuropa und dem Balkan, sie sind spezialisierter und auch brutaler als einheimische Gruppen.

In den neunziger Jahren begannen die spanischen Medien über Menschenhandel zu sprechen, der sich in den Händen der russischen Mafia befand. Man berichtete über den von der Balkan-Mafia kontrollierten Waffenhandel, der mit einem Anstieg an Gewaltverbrechen in Spanien in Verbindung gebracht wird. Der Handel mit illegalen Einwanderern sei, so hieß es, von Mafiaverbänden aus dem Norden Marokkos kontrolliert. Neue Organisationen aus Lateinamerika überschwemmen den Drogenmarkt. Bis zum heutigen Tag, haben spanische Sicherheitskräfte mindestens 34 Organisationen der Russischen Mafia in Spanien ausfindig gemacht. Die letzten, die sich in der bunten Familie der Unterwelt einen Platz verschafften, sind die Mafiabanden aus China. Diese haben sich auf den Gebieten des Menschenhandels mit eigenen Landsleuten und der Geldwäsche einen Namen gemacht.

Unzureichende Zusammenarbeit in Europa

Aufschlussreich ist die Tatsache, dass ein Viertel aller europäischen 500-Euro Scheine in Spanien kursieren. Der Wert dieser Scheine beläuft sich auf ein wenig mehr als 47 Milliarden Euro. Das sind fast 60 Prozentdes Geldwerts, der in Spanien in Umlauf gebracht wurde. Auch wird geschätzt, dass in Spanien derzeit 400.000 Prostituierte arbeiten. 90 Prozent von ihnen sind Immigranten, wobei davon nur fünf Prozent bestätigen, sie hätten diese Tätigkeit selbst gewählt und übten sie freiwillig aus. Mit diesem lukrativen Geschäft werden in Spanien 18 Milliarden Euro im Jahr verdient.

Nachdem in Europa die Grenzkontrollen schwanden, waren Mafiaorganisationen unter den ersten, die diesen Vorteil für eigene Zwecke zu nutzen wussten. Sie verbreiteten kolumbianisches Kokain über Drogenhändler in Spanien und in ganz Europa und wuschen ihre Gewinne in Schweizer Banken. Im Gegenzug verfügen weder die Polizei der EU-Staaten noch Europol über geeignete Methoden, transnationalen Verbrechen das Wasser abgraben zu können. Daher ist die Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit unablässig.

Spanische Initiativen wie die Schaffung spezieller Einheiten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität bedeuten einen enormen, aber unzureichenden Fortschritt. Das gilt auch für die Zentralisierung der nationalen Büros von Interpol, Europol und Sirene. Weitere Maßnahmen sind also notwendig, besonders, wenn man an die dünne Trennlinie denkt, die zwischen Mafiaorganisationen und Terrorganisationen liegt. Gerade die Terroranschläge vom 11. März offenbaren diese Vernetzung: Sie wurden zu großen Teilen durch Drogenhandel finanziert.

Obwohl verbrecherische Organisation alarmierende Schlagzeilen machen, lassen die Statistiken des Innenministeriums darauf schließen, dass Spanien ein sicheres Land bleibt. Die Kriminalitätsrate von 2005 war mit 49,3 Verstößen auf tausend Einwohner um 20 Prozentpunkte niedriger als der EU Durchschnitt. Tötungsdelikte waren 10 Punkte unterhalb des Werts von 2003 angesiedelt. So ist auch der illegale Menschenhandel um 37,5 % zurückgegangen.