Die Macht der polnischen Presse

Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004
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Artikel veröffentlicht am 3. Mai 2004

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Es gibt drei offizielle demokratische Kräfte in Polen: Die Legislative, die Exekutive und die Judikative. Aber es gibt noch eine vierte – die freie Presse

In meinem Land war die erste legale freie Zeitung, die erschien, die Gazeta Wyborcza, die „Wahl Zeitung“, die 1989 gegründet wurde, ehe die ersten halbfreien Wahlen im Juni selben Jahres stattfanden. Die Menschen, die sie gründeten waren Journalisten und Führer der demokratischen Oppositionsbewegung im Untergrund, so auch der Herausgeber der „Gazeta“, Adam Michnik.

Wie man sich Freunde macht und Menschen beeinflusst

Seit 1989 ist der Einfluss der Gazeta Wyborcza auf das politische Leben des Landes gewaltig. Sie hat die Macht politische Karrieren zu lancieren und auch wieder zu beenden. Beispielweise ging es auf sie zurück, erstmals in diesem Teil der Welt einen nicht-kommunistischen Premierminister zu wählen: Tadeusz Mazowiecki wurde zwei Monate später Premierminister. Die derzeitige politische Unruhe (der kürzliche Rücktritt von Premier Miller) war ebenfalls gewissermaßen durch die „Gazeta“ initiiert. Im Jahr 2002 deckte sie den ersten einer ganzen Kette von Korruptionsskandalen auf, in die Mitglieder der derzeit regierenden Partei verwickelt waren.

Abgesehen von ihrem politischen Einfluss ist die „Gazeta“ und ihre Eigentümerin Agora zu einem enormen wirtschaftlichen Erfolg geworden. Die erste Ausgabe der Zeitung hatte lediglich acht Seiten und erschien in einer Auflage von 150 000 Stück. Heute liegt die durchschnittliche Auflage der „Gazeta“ bei 420 000 pro Tag, wobei für gewöhnlich eine Ausgabe rund 113 Seiten übertrifft. Um die 790 Journalisten arbeiten an ihr heute mit.

Mit der Zeit ist Agora zu Polens größtem Medienunternehmen geworden. Außer „Gazeta“, ihrem profitabelsten Zweig, gehören ihm 15 nationale Zeitschriften, eine kostenlose Zeitung in Warschau und kostenlose Wochenzeitungen in vier anderen Städten, sowie Polens größte Werbefirma, 28 lokale Radiosender, ein überregionales Radio und Polens drittgrößtes Internetportal.

Neue Herausforderungen am Horizont

Die Zeitung sieht sich im neuen Jahrtausend neuen Herausforderungen gegenüber. Erstens lesen im Allgemeinen immer weniger Menschen Tageszeitungen. Zweitens hat sich seit Ankunft mehrerer starker westlicher Medienunternehmen die Konkurrenz auf dem immer engeren Markt verschärft. Fakt, Eine neue Tageszeitung des Axel Springer Verlags, erschien 2003 auf dem Markt und ersetzte kurzzeitig die „Gazeta“ als meistgelesene Tageszeitung. Drittens und am wichtigsten von allem haben die Skandale, die im Dezember 2002 ihren Ursprung nahmen, nicht nur der regierenden Partei geschadet, sondern der gesamten politischen Szene. Und die „Gazeta“, die weit mehr als nur politische Berichterstattung betreibt, ist Teil der politischen Klasse.

Nichtsdestotrotz sieht die Zukunft freundlich aus für das Agora-Unternehmen. Der Polnischen Wirtschaft geht es bei einem Wirtschaftswachstum von 6% im ersten Quartal von 2004 blendend. Der europäische Markt steht jenen polnischen Unternehmen weit offen, die bereit sind zu investieren und zu wachsen. Agora ist eines von ihnen.