Die Kirche schärft ihr Profil am Islam

Artikel veröffentlicht am 12. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 12. November 2007
Die Evangelische Kirche sucht die Abgrenzung gegenüber dem Islam, um ihre eigene Schwäche zu verdecken. Dass ihr Vorsitzender Bischof Huber Anzahl und Größe der Moscheen gegebenenfalls begrenzen will, obwohl die Verfassung Einschränkungen nicht vorsieht, erregt dabei nur die Muslime.

Turm der Kreuzkirche in Dresden, wo die Synode der EKD stattfand. Credit to: Poetes/FlickrEs ist schon bezeichnend für die aktuelle Stimmung in Deutschland, dass es in der Öffentlichkeit als Geste des Dialogs und der Toleranz gewertet wurde, als der Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) Bischof Wolfgang Huber auf der diesjährigen Synode der Protestanten in Dresden Anfang November das Recht der Muslime auf die Errichtung von Moscheen bejahte. Schließlich sollte dieses Recht, das als Teil der Religionsfreiheit durch die Verfassung garantiert ist, eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dass die Presse dennoch in Hubers Rede ein Zeichen des guten Willens sah, zeigt, wie wenig noch immer das eigentlich Selbstverständlich für Muslime selbstverständlich ist.

Die Einschätzung der Medien überrascht umso mehr, da Huber sogleich hinzufügte, die Befürwortung des Baus von Moscheen schließe „die kritische Auseinandersetzung über den Ort und die Größe, die Gestaltung oder die Anzahl“ nicht aus. Zudem sollten, so forderte Huber weiter, kritische Äußerungen nicht sogleich mit rechtsextremen oder islamfeindlichen Einstellungen in Verbindung gebracht werden. Angesichts dieser Sätze hätte weniger die Bejahung des Moscheebaus als die von Huber gesetzten Einschränkungen auffallen müssen – zumal diese doch recht überraschend sind.

Die Verfassung sieht keine Grenzen für den Bau von Moscheen vor

Schließlich darf man sich fragen, anhand welchen Maßstabs Huber über die zulässige Anzahl und Größe der Moscheen entscheiden will. Wie auch der Publizist Robert Leicht auf der Dresdener Synode betonte, sieht die Religionsfreiheit keine Grenzen für die Errichtung von Gotteshäusern vor. Natürlich muss man über Ort und Form von Moscheen unter städtebaulichen Gesichtspunkten diskutieren können, doch wer aufgrund der „christlich-abendländischen Kultur“ den Bau von Moscheen ablehnt oder einschränkt, greift auf ein Argument zurück, das in dieser Debatte eigentlich keinen Platz hat.

In den aktuell tatsächlich recht zahlreichen Moscheeprojekten, wie Huber, eine „groß angelegte Moscheebau-Initiative“ zu sehen, ist ebenso unsinnig, wie die von ihm geäußerte Vermutung, in den Bauprojekten finde der „Machtanspruch“ der Muslime seinen Ausdruck. Sicher, die Muslime wollen nach Jahren in Kellern, Lagern und Garagen mit den Moscheen ein sichtbares Zeichen ihrer Präsenz setzen. Doch ist dies nur gerechtfertigt, schließlich sind die früheren Gastarbeiter heute ein fester Bestandteil dieser Gesellschaft. Zudem sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, die derzeit geplanten Moscheen eher bescheiden.

Dass die islamischen Verbände scharf auf Hubers Rede reagierten, diente auch nicht gerade dem Dialog, verdeutlicht aber, wie wenig mit gegenseitigen Vorwürfen zu gewinnen ist. So polemisch die von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, formulierte Antwort im Kölner Stadtanzeiger war, so richtig ist, dass vielfach von den Muslimen eine Toleranz und eine Freiheit gefordert wird, die man ihnen selber nicht zugestehen will. Zugleich gestand Mazyek – was später auch Kirchenvertreter positiv hervorhoben – dass über Details wie Muezzin und Minarett durchaus geredet werden könne.

Die Kirche ist besorgt über ihren Bedeutungsverlust in der Öffentlichkeit

Letztlich findet in den harschen Worten Hubers vor allem das eigene Unbehagen über die langsame Erosion der evangelischen Kirche ihren Ausdruck. Die Kirche reagiert nicht zuletzt deshalb so empfindlich auf die Muslime, weil es ihr an Vertrauen in die eigene Stärke fehlt. Die Protestanten sind gegenüber der katholischen Kirche im Nachteil, da diese dank ihrer stärkeren Zentralisierung in der Öffentlichkeit oft präsenter ist. Huber versucht daher derzeit, das Profil der Protestanten durch die stärkere Abgrenzung gegenüber den Muslimen zu schärfen.

In diesem Kontext steht auch Hubers Absage an einen Dialog mit dem Islam, wie er seit Jahren mit dem Judentum gepflegt wird. Dass das Judentum dem Christentum näher steht, mag zwar theologisch richtig sein, doch gibt es genügend Gemeinsamkeiten mit dem Islam, um einen solchen Dialog oder dann Trialog der Religionen zu begründen. Natürlich ist es erlaubt und notwendig, die Unterschiede zwischen den Religionen aufzuzeigen. Doch wäre es angesichts des derzeit verbreiteten Misstrauens gegenüber dem Islam hilfreicher, die Gemeinsamkeiten stärker zu betonen.