Die Homo-Ehe, eine notwendige Entwicklung

Artikel veröffentlicht am 10. Januar 2005
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Artikel veröffentlicht am 10. Januar 2005

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Hintergedanken im Wahlkampf dürfen eine Tatsache nicht verschleiern: Eine Debatte über die Ehe zwischen Homosexuellen ist unentbehrlich.

Die Frage nach der Zulässigkeit der Ehe zwischen Homosexuellen hängt unmittelbar mit der gesellschaftlichen Sichtweise von Mann und Frau zusammen: Eine Sichtweise fern ab der Realität, die den langjährigen gesellschaftlichen Entwicklungen keine Rechnung trägt.

Diejenigen, die sich gegen die Homoehe aussprechen, führen meist als Argument an, dass diese unweigerlich eine Bitte um Kinderadoptionen nach sich ziehen würde. Sie unterstellen damit, dass diese Forderung gefährlich und illegitim ist, weil zur Kindererziehung notwendigerweise ein Mann und eine Frau gebraucht werden, deren Geschlechterqualitäten als komplementär angesehen werden.

Auch wenn es möglich ist, dass die Akzeptanz der Ehe zwischen Homosexuellen eine Zuspitzung der Debatte um Adoption zur Folge haben wird, so darf man doch diese beiden Forderungen nicht vermischen. Eine solche Verwechselung lässt auf einen Zwang schließen, dass alle verheirateten Paare Kinder haben müssen. Wenn es so wäre, würden diejenigen Paare, die keine Kinder haben können oder wollen, in die Illegalität angeschoben werden. Und nur ein diktatorisches Regime kann ein Paar dazu verpflichten, Kinder zu haben oder nicht zu haben.

Großfamilie

Wie die Psychoanalyse gezeigt hat, ist es zutreffend, dass ein Kind zum Erwachsenwerden gleichzeitig Regeln und Zuneigung braucht. Jedoch ist jeder, egal welchen Geschlechts, fähig einem Kind beides zu geben, es hängt nur von seiner eigenen Persönlichkeit ab. Und wenn ein Kind in seiner Familie nicht all das findet, was es zum Heranwachsen braucht, kann es das außerhalb finden. Denn im Endeffekt werden Kinder – und so ist es schon von je her – von einer Familie im weiteren Sinne erzogen (Großeltern, Onkel, Tanten…) und auch von der gesamten Gesellschaft.

Außer wenn man um jeden Preis eine patriachale Gesellschaft, die nicht dialektisch über ihre biologischen und kulturellen Determinanten hinauswächst, aufrecht erahlten will, gibt es keinen Grund, warum die Regeln nicht auch von Frauen durchgesetzt werden können, und den Männer der Ausdruck von Zuneigung verwehrt wird. Die Tatsachen zeigen, dass die den Geschlechtern zugeteilten Funktionen nur noch auf dogmatischen Beweggründen beruhen.

Die Feststellung, dass der Staat Ehen zwischen Homosexuellen nicht akzeptiert, wirft zwei wesentliche Fragen auf, die den Bürger aufrütteln müssten: Erstens nach der Neutralität des Staates in Bezug auf die sexuelle Orientierung der Bürger und zweitens nach der Einhaltung des Gleichheitsgrundsatzes. Die Bürger, die sich mit den demokratischen Werten verbunden fühlen, müssen die Anwendung der Grundsätze hinterfragen, um festzustellen, ob diese Werte nicht durch archaische Praktiken, die keineswegs fest vorgeschrieben, sondern modifizierbar sind, in Frage gestellt werden. Die Verbundenheit mit der Demokratie wird von ethischem Denken gespeist.

Hinterfragung der Dogmen

In Frankreich wurde die politische Debatte anlässlich des Pacte Civil de Solidarité (ziviler Solidaritätspakt, PACS) durch Politikererwägungen verschmutzt, die bedauerlicherweise über die ethische Debatte gesiegt haben. Ein Gesetz wurde verabschiedet, welches trotz seiner Unvollkommenheit einen Fortschritt darstellt. Doch die Debatte blieb unzureichend, weshalb fünf Jahre später die Frage nach einem Recht der Homosexuellen auf die Ehe wieder an die Oberfläche gelangt und diesmal ein Echo aus ganz Europa bekommt, das mit den gleichen Problemen beschäftigt ist. Diesmal sollte eine wirkliche Diskussion geführt werden, bei der die ethische Herangehensweise nicht ausgespart wird.

Dieser Diskurs ist nur möglich, wenn er wie in der Wissenschaft von statten geht, denn es gibt keinen möglichen Fortschritt ohne Hinterfragung der theoretischen Grundlagen, keine Entwicklung der Gesellschaft, wenn diese nicht eine Debatte darüber akzeptiert, was ihr natürlich erscheint. Dies ist das Ziel des „ethischen“ Denkens.

Es wäre schade, wenn die Gesellschaft, eingeschüchtert durch die Furcht vor Neuheiten, auf halber Strecke halt machen würde. Holland, Belgien und Spanien haben es geschafft und die Homosexuellenehe anerkannt. Es wäre unverständlich, warum in den anderen Ländern Europas, für die die Freiheit der Bürger unabdingbar ist, die Staaten auf ihren dogmatischen Standpunkten in Bezug auf die Homosexuellenehe stehen bleiben sollten.