Die griechische Tragödie in drei Akten: Rette sich, wer kann

Artikel veröffentlicht am 15. März 2012
Artikel veröffentlicht am 15. März 2012

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Wie leben die Griechen mit der Krise? Nach all der Schmähung, dem Spott, der Missachtung aus ganz Europa? Ein Besuch bei der Studentin Katerina Tzekou und dem Museumsangestellten Costa Andreotis.

Katerina hat es eilig. Jedes Mal, wenn sie die Universität betritt, wirft sie einen Blick auf die Austauschprogramme, die am schwarzen Brett vor dem Praktikumsbüro aushängen. Doch wer sich für ein Programm in einem Partnerland seiner Uni bewerben will, muss sich in einer endlosen Schlage perspektivloser Studenten einreihen. Im vergangenen Jahr sind 53.000 Visaanträge bei der amerikanischen Botschaft eingegangen, im Portal Europass, einer Online-Plattform für europaweite Stellengesuche, wurden 50.000 Lebensläufe gepostet. Die studentischen Austauschkandidaten bewerben sich sogar für Ziele wie Russland, China oder den Iran. Das liebste Auswanderungsland ist derzeit Deutschland: Der Strom reißt nicht ab. Aber eigentlich ist es den Studenten egal, wo sie landen. Sie wollen nur raus aus ihrem Land, weg von der höchsten Arbeitslosenquote seit 1960. Der Regierung zufolge sind 19,2% der griechischen Bevölkerung ohne Arbeit; der Opposition SYRIZA, einer Koalition aus radikalen Linken, zufolge sind es sogar 22%. Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung. Betrachtet man nur die 15- bis 24-Jährigen, steigt die Arbeitslosenquote kometenhaft an: 51,1% sind inzwischen ohneJob.

Gehen oder arm bleiben

Paradoxerweise explodiert die Arbeitslosigkeit gerade in den erwerbsreichsten Gebieten. Und es sind  die  Hochqualifizierten, die als erstes auswandern: 12% der Akademiker verlassen Griechenland. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 1,2%. Sie sprechen nicht selten mehrere Fremdsprachen, sind mobiler. Genau diese qualifizierten Arbeitskräfte fehlen in anderen Ländern. Doch für Griechenland ist es problematisch, wenn seine graue Zellen schwinden. Die meisten Studenten wandern in Mitgliedsländer der Europäischen Union aus. Dank des Schengen-Abkommens ist dem Zustrom keine Grenze gesetzt.  

Sie könnte Griechin sein

Wenn Costa sein Museum mittags verlässt, bestellt er in seiner Kneipe zum Mittagessen eine halbe Portion. Die kostet dann auch nur die Hälfte. Diese Praxis ist in der Gastronomiebranche zur Gewohnheit geworden. Um ihre Kundschaft zu halten, hat eine große Anzahl von Restaurants - Fast-Food-Ketten eingeschlossen - die Preise drastisch reduziert, indem sie die Portionen verkleinert hat. Nikos Korakas, Besitzer eines Nobelrestaurants im wohlhabenden Stadtteil Kolonaki, bestätigt das. „Ich habe die Preise schon um 25% herabgesetzt, damit uns die Kundschaft nicht ausgeht. Wenn ich noch billiger werden muss, schließe ich!

Krisen-Parabel: Von Griechenland, das auszog das Sparen zu lernen

Die griechischen Haushalte können sich keinen Luxus mehr leisten: Romantische Abendessen zu zweit finden zu Hause statt. Und selbst der Einkauf schlägt den Verbrauchern aufs Gemüt. Die Krise trägt seltsame Blüten: Fleisch wird das neue Gemüse. Bei der Supermarkt-Kette AB (sprich: Alfa Vita) kosten Schweinekoteletts 5 Euro pro Kilo, Kohl 2,50 Euro. Frische Champignons gibt es für 3,60 Euro. Die Abgepackten kosten dagegen 5,50 Euro pro Kilo... Doch die großen Zulieferer, so Nikos, „wollen ihre Gewinnspanne konstant halten." Zugunsten der Qualität, seufzt der Gastronom.

So sieht momentan griechischer Alltag aus. Und selbst zu Hause hat man keine Ruhe. Die Fernsehsender berichten nonstop vom wirtschaftlichen Verfall und dem drohenden Bankrott. Natürlich nur, wenn die TV-Firmen nicht gerade selbst streiken. Also wechselt der Grieche den Bildschirm. Er setzt sich an den Computer und sucht nach Lösungen für das Dilemma. Im Netz treffen sich die verantwortungsvollen Bürger - die schweigende Mehrheit - und versuchen, in Gruppen den Widerstand zu organisieren. Es gibt die "aganaktismeni" (griechisch für „die Empörten“), die Bewegung  „Ich mach‘ es selbst“ und die "Werft nichts weg, sondern spendet“-Gruppe. Etwas für jeden Geschmack.

Mehr über die aktuelle Lage in Griechenland erfährst du auf dem cafebabel.comAthen-Blog

Fotos: Cover (cc) czar/flickr; Wut (cc) Charloote Spencer!/flickr