Die G8 in Gleneagles - die Vorstellung kann beginnen

Artikel veröffentlicht am 30. Juni 2005
Artikel veröffentlicht am 30. Juni 2005

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Licht, Kamera, Action! Es handelt sich nicht um einen Hollywood Dreh, obwohl es ein bisschen danach aussieht. Es ist das G8-Gipfeltreffen, das vom 6. bis 8. Juli in Aktion treten wird.

Wenn es ein politisches Ereignis gibt, dessen mediale Anziehungskraft selbst das Interesse für die neueste Verlobung von Tom Cruise übersteigt, so ist es zweifelsohne das alljährliche Treffen der G8. Auf allerhöchster Ebene - zumeist ohne Krawatte und mit hochgelegten Füßen - treffen sich die acht mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt zu einer Art Weltdirektorium. Es ist dazu bestimmt, ganz abgeschirmt und im Schatten großer Blitzlichtgewitter - zwischen dem einen oder anderen Foto – die Leitlinien der globalen Politik zu orchestrieren.

Blair versucht es

Die Wette um das Tandem Blair-Brown, dem es gelingen soll, den Gipfel von Gleneagles in ein Schaufenster der erneuerten britischen Führung im Kampf gegen die chronische Armut des afrikanischen Kontinents und die Risiken der Klimaveränderungen zu verwandeln. Das bevorstehende Ereignis hat den eben wieder gewählten Regierungschef aus London dazu gebracht, sämtliche Hebel in Bewegung zu setzen. Und es könnte tatsächlich die beste Gelegenheit für das Vereinigte Königreich sein, seine privilegierte Vermittlerrolle zwischen Brüssel und Washington - auf die es immer Wert gelegt hat - zu nutzen, um als Bindeglied zu fungieren: Zwischen der moralischen Autorität und dem globalen Modell, welches die eine Seite verteidigt, und der exekutiven Fähigkeit und dem unbestrittenen Potential der anderen. Die doppelte Präsidentschaft des G8-Gipfels und der Europäischen Union stellt eine historische Gelegenheit dar. Dennoch stellt sich die Frage, bis zu welchem Punkt die Achsen des Dreiecks, welches Blair und Brown zu schließen beabsichtigen, wirklich geeignet sind. Einerseits sind die Kommentare bezüglich der Tauglichkeit als Verbündeter auf internationaler Ebene bei der aktuellen US-amerikanischen Regierung inzwischen lästig. Gleichzeitig kommen Zweifel auf, vor allem in Bezug auf die Fähigkeiten als moralische Führung eines derzeit krisengeschüttelten Europas, das mit seiner politischen Gestaltung, mit seinen Erweiterungspotenzialen und den gemeinschaftlichen Finanzen beschäftigt ist.

Ohne sich Illusionen zu machen

Das während der vergangenen Wochen neu entfaltete diplomatische Engagement Blairs hat zu wichtigen Zugeständnissen geführt, die vielleicht dazu führen könnten, dass das Ansehen des Gipfels gewahrt werden kann. Anders steht es da mit dem Wesen der Errungenschaften von Gleneagles und den praktischen Fortschritten, die sich daraus entwickeln sollten - obwohl inzwischen immerhin als sicher gilt, dass es am Ende gelingen wird, das Thema Terrorismus und den Irak aus der Prioritätenliste internationaler Politik vertreiben zu können. Der britische Vorschlag, die 80.000 Millionen Dollar afrikanischer Staatsschulden zu erlassen und die Finanzhilfen für diesen Kontinent - gegen Strukturreformen zur Korruptionsbekämpfung und Menschenrechte - zu verdoppeln, wurde inzwischen entkoffeiniert. Der G8 mit den Vereinigten Staaten an der Spitze stimmt lediglich dem Streichen der Schulden von 18 Ländern mit internationalen Finanzinstituten zu, nicht jedoch solchen mit privaten Gläubigern. Außerdem lehnt das Weiße Haus aufgrund erheblicher Differenzen bezüglich der Erlassungsmodalitäten weitere Finanzspritzen für die ärmsten Länder ab. Und all das nur, um nicht über das eigentliche, zugrunde liegende Problem zuschaffen und es endlich aus der Welt zu schaffen. Es geht um das beschämende Schutzzollsystem für die westlichen Agrarmärkte. Dasselbe muss über die Umweltfrage gesagt werden, bezüglich derer nämlich keinerlei formale Vereinbarung erreicht worden ist, die über die üblichen Erklärungen von den guten Absichten hinausgingen. Bei Lichte betrachtet, sind das unzureichende Fortschritte, um tatsächlich den Milleniumszielen näher zu kommen oder der globalen Umweltverschmutzung Einhalt zu gebieten.