Die Familie Savages ist deine Familie

Artikel veröffentlicht am 23. April 2008
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Artikel veröffentlicht am 23. April 2008
 Es gibt jede Menge Menschen, die haben scheinbar Angst vor dem Altern. Ich, meinerseits, denke vielmehr, dass das Alter seine guten Seiten hat. Ok, halt: ich kann nicht leugnen, dass es, wenn man ohne Windeln auskommt, noch seine eigenen Zähne besitzt, und es mit den Erektionen noch von ganz alleine klappt, durchaus ein Vorteil der Jugend ist, aber mich würde trotzdem nicht die geringste Bitterkeit ergreifen, in den frühzeitigen Ruhestand auszuscheiden. Mit 35 Jahren, beispielsweise. Ich denke, dass wäre ein gutes Alter für die Rente. Nicht unbedingt, um Zeit zu haben, den Fortgang der Baustellenarbeiten zu beobachten oder sich auf einer Bank zu sonnen (sicher ein großer Nationalsport!), aber um eine ganzen Haufen anderer Dinge zu tun.

Deswegen gefällt der Film (2007) auch so gut, weil er den familiären Konflikt ob der Frage, was wir mit unseren Eltern machen sollen, wenn sie alt werden, gut nachzeichnet. Der Film zentriert sich vor allem auf den Streit eines Geschwisterpaars, das sich nicht festlegen kann, ob sie ihren Erzeuger selbst pflegen oder besser in ein Altersheim abschieben sollten. Die Regisseurin zwingt uns dabei ein wenig uns zu entscheiden, auf wessen Seite wir stehen: entweder auf der des etwas pragmatischen Sohnes, der den Alten am liebsten in ein Heim zu geben würde, oder auf jener der Schwester, die mit ihrem Affen auf einer Wolke von halluzinogener Drogen lebt und sich nicht von ihrem Papa trennen will. Allerdings vernachlässigt der Film die Rolle des kreuzsenilen Vaters etwas, die einzig darin besteht, die Badezimmerspiegel mit Graffitis seiner eigenen Fäkalien zu zieren. „Die Savages Familie“

Ich hab mich eher für den Opa entschieden, als ich den Film sah. Ich habe mir gedacht, dass ich es, wenn ich alt bin, super fände, in einem Altersheim zu sein, in dem mir, falls ich selber nicht mehr dazu fähig bin, eine sexy Krankenschwester von zwanzig Jahren, mit aller Sanftheit die Eier und den Arsch wäscht. Ich bekomme das Essen serviert, das sicher um einiges leckerer ist, als das, was ich mir in diesem Alter zubereiten könnte, ich müsste weder putzen noch das Bett machen und könnte Karten spielen oder Playstation oder mit meinen Kumpels aus dem Heim Fußball gucken. Wir würden jegliche Sorten von Pillen austauschen, und nach dem Essen ließe ich mir sicher weder die Brausche entgehen noch den Mittagsschlaf. Ja, wir wären rund um glücklich! Cati Kaoe Wir sind alle Herr Savages

Ob es uns gefällt oder nicht, es wird uns wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als die Bedingungen zu akzeptieren und daran zu denken, dass das Altern ohne Familie auch seinen Charme hat. Die demographischen Berechnungen sagen voraus, dass die Gesellschaft altert, also werden wir in den Altersheimen ein ganzer Haufen Rentner und Rentnerinnen sein, die einfach nur ihren Spaß haben wollen und dabei zusammen eine Mordsgaudi haben. Für den Augenblick bleibt uns wohl nur, die Rolle der Kinder übernehmen. Letzten Endes ist es genau dass, was Regisseurin in dem ganzen Film macht. Tatsächlich hat sie auf die Hilfe der besten Darsteller zählen können, welche die letzten Jahren so zu bieten hatten. Beispielsweise die von , welche die neurotische Tochter gibt, und vor allem die von , der ihren Bruder spielt, was vielleicht die beste Rolle seiner ganzen Karriere ist, seit (1997), der bewegenden Film von , in dem er es schaffte, den ungemütlichsten Perversen der Filmgeschichte zu spielen. Hier ein Ausschnitt aus dem Video über die Gedanden der Schauspielers während dem Dreh von .Tamara JenkinsLaura Linney Philip Seymour Hoffman “Happiness “Todd Solondz“ Die Familie Savages ”

Übrigens, wenn wir schon von den Alten sprechen. Letzte Woche ist gestorben, mittelmäßiger Schauspieler und noch schlechtere Mensch. Republikaner und Liebhaber der Waffen. hat sich in (2002), schon darum gekümmert, seine patriotische Seite zu zeigen, für den Fall, dass jemand nicht sein menschliches Wesen kennt. Ich hätte es sonst lieber nicht erwähnt. Ich hätte bevorzugt, sein Name verschwindet aus unserem Gedächtnis. Es würde sich eher lohnen, an seine Rollen, als an ihn selbst zu erinnern. Möge er in Frieden ruhen. Charlton Heston Michael Moore “Bolwing for Colombine”

Traducktion: Teresa Bornschlegl

Pic triptych: Ottonnassar/flickr

Pic Caballero Verde: Susana de la calle/flickr