Die europäischen Truppen müssen bleiben

Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2005
Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2005

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Als die Vereinigten Staaten am 20. März 2003 in den Irak einmarschierten, baten sie um Unterstützung aus Europa. Einige Länder entsendeten Streitkräfte, andere nicht. Heute werden mehr, nicht weniger europäische Truppen im Irak gebraucht.

Die Attentate vom 11. März 2004 in Madrid haben gezeigt, dass nicht nur die Vereinigten Staaten sondern die ganze Welt Terroranschlägen ausgesetzt ist. Diese Anschläge können nur durch internationale Zusammenarbeit bekämpft werden. Die Entscheidung des spanischen Premierministers Zapatero, den Terroristen ein Zugeständnis zu machen und seine Truppen aus dem Irak abzuziehen mag ein Weg gewesen sein, in Spanien Frieden zu bewahren. Doch war es ebenso eine Ermutigung für alle Terroristen in Europa, Angriffe auf zivile Ziele zu verwenden, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Amerika kann es nicht alleine schaffen

Der Krieg an verschiedenen Fronten, den die USA seit den Angriffen vom 11. September 2001 führt, hat das Land kampfmüde gemacht. Bush hat die Präsidentschaftswahl nur knapp gewonnen. Eine Umfrage letzten Monat zeigt, dass nur 42% der Befragten glauben, dass Präsident Bush gute Arbeit im Irak leistet. Nichtsdestotrotz, wo wir nun einmal da sind, muss die Arbeit dort auch beendet werden. Das Problem ist, dass Amerika es nicht alleine machen kann. Die Einberufungen in die Armee liegen seit dem letzten Quartal unter dem, was nötig wäre. Die Veteranen verlassen die Armee in Scharen, egal, wie hoch der Zuschlag ist, der ihnen geboten wird. Die Nationalgarde und die Reserveeinheiten, die dafür da sind, die normalen Armeeinheiten zu ergänzen, machen 40% der Truppen im Irak aus. Aber, wie es der General James Helmly im Dezember 2004 ausdrückte: Diese Reservekomponente der Armee „kann schnell zu einer ’gebrochenen’ Streitkraft degenerieren“. Im Gegensatz zum Vietnamkrieg ist der Wehrdienst nicht obligatorisch, und so können die Vereinigten Staaten nicht wie in den sechziger Jahren einen in die Länge gezogenen Krieg führen. Daraus resultiert, dass die Vereinigten Staaten die Hilfe der Welt in ihrem Kampf gegen den Terrorismus brauchen.

Imageprobleme

Doch nicht nur die interne Arbeitsweise der Armee verursacht Probleme. Die Vereinigten Staaten leiden momentan unter einem Imageproblem. Die Vorfälle in Abu Graib, wo eine kleine Gruppe Soldaten der Reserveeinheit irakische Gefangene gedemütigt hat, sowie die jüngsten Anschuldigungen von Koranschändung im Gefängnis von Guantanamo haben dem Vertrauen in die amerikanischen Soldaten geschadet. Eine größere multinationale Streitkraft würde in der moslemischen Gemeinschaft im Irak selbst und auch außerhalb des Landes auf mehr Akzeptanz treffen, da sie durch die internationale Gemeinschaft ihre Legitimität verliehen bekommen würde. Dazu kommt, dass Amerika Israels stärkster Alliierter ist und dieser von vielen islamischen Terroristen, einschließlich Osama Bin Laden, als zionistischer Staat bezeichnet wird. Europa könnte als vermeintlich neutrale Streitkraft angesehen werden, die die Probleme beider Seiten zu lösen helfen könnte. Das bedeutet aber nicht, dass die Anzahl der europäischen Todesopfer im Irak dramatisch ansteigen würde, da die meisten europäischen Streitkräfte, besonders die kleineren, nur Hilfs- und Unterstützungsfunktionen ausführen. Demnach würde weiterhin die meiste Last des Kampfes auf den Schultern Amerikas liegen.

Europas Nutzen

Eine größere Zahl europäischer Streitkräfte im Irak würde das nicht nur helfen, das Cowboy-Image Amerikas zurechtzurücken. Indem der Irak die wichtigste Zielscheibe der Terroristen bliebe, würde die Aufmerksamkeit von anderen Zielen weggelenkt werden. Indem ein Mekka für Terrorismus geschaffen wird, sind nicht Zivilisten in den USA und Europa die Zielscheibe, sondern gut trainierte Soldaten, die für den Ernstfall vorbereitet sind: Krieg im Irak wird erwartet, aber Terroristenattacken in Europa sind ein furchtbares Ereignis. Außerdem bedeutet ein Zuwachs europäischer Truppen, dass die Niederlage des Terrorismus im Irak wahrscheinlicher wird, und das würde zu einem großen Verlust der Kampfmoral bei allen Terroristen führen. Dies ist besonders wichtig im Anbetracht der Tatsache, dass viele Terroristen im Irak Jugendliche mit geringem Einkommen aus Ländern wie Frankreich, England und Deutschland sind, für die der Djihad eine attraktive Option ist. Würde der Transport in den Irak als ein Selbstmord ohne positives Ergebnis angesehen, würde die Anzahl der Rekruten zwangsläufig sinken.

Terrorismus betrifft jeden, egal mit welche Einstellung man zum Irakkrieg hat. Nur wenn die alten Argumente über die Legalität des Einmarsches abgelegt werden und man sich Europa und Amerika auf eine Zusammenarbeit einigen, kann der Kampf gegen den Terrorismus gewonnen werden. Falls italienische und polnische Truppen sich wie geplant aus dem Irak zurückziehen würden, würde dies den Irakis einen demoralisierenden Schlag versetzen. Denn ein Rückzug würde sie verstehen lassen, dass ihr Glauben an die Freiheit ihres Landes eine aussichtslose Sache ist. Es würde den Willen der Terroristen verstärken und eine größere Streitkraft hervorbringen, die die ganze Welt später zu bekämpfen hätte. Wird Europa als untätiger Zuschauer im Kampf für Demokratie und gegen den Terrorismus im 21. Jahrhundert in die Geschichtsbücher eingehen?