Die europäische Solidaritätswelle

Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2005
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2005

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Das Seebeben im Indischen Ozean hat eine Spendenflut ausgelöst, die wohl bald wieder verebben wird. Treffen die europäischen Maßnahmen ins Schwarze oder läuft die EU den Ereignissen hinterher?

Der Tsunami, der vor der Küste Indonesiens ausgelöst wurde, kostete mehr als 200.000 Menschen in Südostasien und Ostafrika das Leben. Die gigantische Welle wurde durch ein Seebeben mit der Stärke 8.9 auf der Richterskala, nahe der Küste von Aceh, ausgelöst und verwüstete mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 700 km/h alles, was ihr im Wege stand.

Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes

Die Zahl der Toten und Vermissten steigt jeden Tag. Ungefähr 1,5 Millionen Menschen haben ihr Heim verloren. Den Daten zufolge, die der Koordinator der UN-Hilfsgelder, Jan Egeland, veröffentlicht hat, sind 5 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen, von denen 2 Millionen dringend Wasser und Nahrung benötigen. Der Tsunami hat Gebiete getroffen, die nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegen, doch er hat nicht nur das Land zerstört, sondern auch in den Tiefen des Meeres für Verwüstung gesorgt. Es wird wohl Jahrzehnte dauern, bis diese die Ökosysteme wieder im Zustand vor der Katastrophe befinden werden. Die Flutwelle hat eine weitere Flut der Solidarität nach sich gezogen, die in vielen Ländern nicht vom Staat, sondern von den Bürgern initiiert wurde.

Die USA waren die ersten, die Flugzeuge, Schiffe, Hubschrauber und Personal zur Unterstützung schickten; nur um ihren Ruf aufzupolieren, wie manche meinen, doch was macht das schon. Australien, Indien, Japan und die Europäische Union waren von Anfang an in der Gegend präsent. Was unsere Politiker betrifft, so können wir uns nicht beschweren. Zurzeit sind sie auf der Höhe der Zeit, doch die Folgen des Tsunamis werden noch über Jahre spürbar sein und es bleibt abzuwarten, ob sich Europa weiterhin für die Katastrophe interessieren wird. Im Moment ist es wichtig zu wissen, dass wir den betroffenen Ländern verpflichtet sind und dass sich die Aufbauhilfe sich generell nicht auf ein simples Foto beschränken darf, mit dem die europäischen Politiker der öffentlichen Meinung genüge tun.

Europas bessere Reflexe

Die Kommission reagierte praktisch noch am gleichen Tag; sie sagte finanzielle Soforthilfe zu und sandte Delegationen in die Gegend um sich zu informieren und erste Schritte zu koordinieren. Später, auf der Konferenz von Jarkata, wurden konkrete Summen genannt, wenn auch auf Risiko hin, dass einige Länder mehr geben würden um ihren Ruf aufzupolieren und den Geberpakt als Propagandamittel zu missbrauchen. Es fehlte nur das Europäische Parlament, das – was nicht vergessen werden sollte - in einem gewissen Sinn den Schlüssel zu den europäischen Kassen verwahrt, das die Entscheidungen, die getroffen worden sind und noch zu treffen sind, veranschaulicht und wo sich die einzige Möglichkeit bietet, der Inszenierung des interinstitutionellen Dialogs beizuwohnen. Ein weiteres Mal hat es die Erwartungen nicht enttäuscht. Es hat die Schaffung einer Teams, bestehend aus spezialisierten Zivileinheiten, beschlossen, das dauerhaft humanitäre Hilfe leisten soll. Dies könnte der Samen für ein “Friedensheer” sein, das so schnell wie möglich an den Orten sein kann, wo es gebraucht wird. Das Parlament hat auch darauf gedrungen, Frühwarnsysteme in den seismisch aktivsten Zonen des Planeten zu installieren. Tatsächlich war es das Zentrum zur Entdeckung von Tsunamis in Alaska, ein Teil des Ozeanographie- und Klimatologieinstituts der USA, das vor dem möglichen Beben gewarnt hatte. Angesichts dessen erscheinen zwei Aspekte besonders überraschend: Erstens, dass der Tsunami von einem Forschungszentrum am anderen Ende der Welt vorhergesagt wurde, obwohl es weder über Messbojen noch Sensoren am Meeresboden verfügt; und zweitens, dass, auch wenn sich das Zentrum in einem der betroffenen Länder befunden hätte, es nicht die entsprechenden Mittel (oder den entsprechenden Willen) gegeben hätte, um auf eine Katastrophe solchen Ausmaßes rechtzeitig zu reagieren.

Und nicht zuletzt hat das Europäische Parlament entschieden, dass die Mittel, die für diese Katastrophe zur Verfügung gestellt werden, nicht aus schon bestehenden Entwicklungshilfefonds, sondern aus neuen Fonds genommen werden sollen.

Die große Herausforderung der Zukunft besteht darin, dieses Mal und auch die nächsten Male, die Dezentralisierung über die ökonomische Sphäre hinaus auszudehnen. Um diese Maßnahmen der schnellen Soforthilfe koordinieren zu können, muss die regionale Zusammenarbeit über wirtschaftliche Fragen hinausgehen und sich in Fragen der Sicherheit vertiefen, so dass der Fluss der finanziellen Mittel flexibilisiert und verbessert wird.