Die europäisch-amerikanische Partnerschaft (neu) festigen

Artikel veröffentlicht am 28. Juni 2004
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Artikel veröffentlicht am 28. Juni 2004

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In letzter Zeit waren die Beziehungen zwischen Europa und den USA von Spaltung und Uneigigkeit gezeichnet. Der Irakkrieg aber, einst als Höhepunkt der atlantischen Kluft angesehen, agiert nun als Stimulus für den Wiederaufbau des alten Bündnisses.

Es ist nichts Neues, dass Europa und die USA nun schon seit ein paar Jahren auseinander driften. Ihre Positionen waren unterschiedlich beim Kyoto-Protokoll, beim Kernwaffensystem, bei der Art und Weise wie der Krieg gegen den Terror gewonnen werden soll, beim Thema Multilateralismus und bei der Frage der Todesstrafe. Der Höhepunkt dieses Diplomatenkrieges über den Atlantik hinweg kam mit der Rechtfertigung des Irakkrieges, der Frage nach seiner Rechtmäßigkeit, den Massenvernichtungswaffen etc. In Europa wurden die USA und ihr Präsident als größere Feinde und Gefahren für die Sicherheit angesehen, als Menschen wie Kim Jong II. oder der Irak unter Saddam. Der Anti-Amerikanismus war geboren; in Amerika kam der Plan auf, Europa zu spalten - in "neues" und "altes" Europa ... und Frankreich zu ignorieren.

Trotzdem haben mit der Zeit beide Seiten inklusive Amerikas Anführer verstanden, dass der Westen es sich nicht leisten kann, weiterhin gespalten zu sein; um Dinge in der Welt zu verändern, muss er geeint bleiben. Einige argumentierten, dass es undenkbar und nicht wünschenswert sei, einen gespaltenen Westen und ein geeintes Europa anstelle eines geeinten Westens und eines gespaltenen Europa zu haben. Sowohl Chirac als auch Bush haben die Mitteilung verstanden.

Sanfte Politik und starkes Militär

Aber warum? Warum braucht Amerika Europa und umgekehrt? Brauchen wir denn Amerika überhaupt? Oh ja, selbstverständlich tun wir das! Beide Seiten sollen und können voneinander lernen: Europa kann Amerika Respekt vor anderen Nationen in der Welt beibringen; es kann zeigen, wie man bei weltweiten Angelegenheiten nicht-militärische Mittel benutzt, was oft als « sanfte Politik » bezeichnet wird. Auf der anderen Seite kann Europa von Amerika lernen, dass es seine Ziele nicht erreichen kann ohne eine starke, mächtige Stimme in der Welt. Und das ist in der Welt des 21. Jahrhunderts einfach unmöglich ohne eine starke, mächtige und und moderne militärische Waffe. Europa braucht sie jetzt; Amerika kann sie jetzt liefern. Europa muss sie für morgen aufbauen; Amerika kann uns dabei helfen.

Die Irak-Lektion war hart für beide Partner: Die USA haben gelernt, dass sie nicht länger in der Lage sind, Kriege allein zu gewinnen. Militärische Kapazitäten reichen nicht aus, um einen fortdauernden Frieden zu erreichen. Darüber hinaus sind selbst amerikanische Militärkapazitäten begrenzt. Daher lehnt sich Washington nun näher an seine Verbündeten an.

So ähnlich geht es auch Europa: Es hat gelernt, dass es nicht gespalten bleiben kann. Es hat gelernt, dass es seine eigenen Militärkapazitäten braucht. Es hat gelernt, dass in der Realpolitik Europa nicht so mächtig und einflussreich ist, wie es gerne sein möchte. Daher lehnen sich Brüssel, Paris und andere Hauptstädte näher an die USA an.

Das Resultat? Bush und Chirac, 2003 noch ärgste Feinde, schüttelnden sich die Hand in der Normandie. Präsident Chiracs Wort « niemals » geht mit einer neuen Bedeutung in die Geschichtsbücher ein. Der lang ersehnte Versöhnungsprozess zwischen beiden Seiten hat begonnen.

Der Irak ist in dieser Hinsicht ein Test für diese « erneuerte » Partnerschaft: Kann Amerika nun, mit europäischer Hilfe, die Situation dort stabilisieren? Sollte das der Fall sein, dann können wir ruhig in unseren Betten über freundlichen US-EU-Beziehungen einschlafen. Sollte das nicht der Fall sein, dann werden sich die Amerikaner von Europa abwenden, allerdings diesmal nicht in Richtung unilaterale Aktionen. Sie werden vielmehr nach anderen Verbündeten suchen, wie z. B. Russland oder Asien. Das bleibt aber hochgradig hypothetisch, da sich die Dinge langsam zu beruhigen scheinen.

Gegenseitige Abhängigkeit

Was sich zu dem Argument der Verbesserung europäisch-amerikanischer Beziehungen hinzufügen lässt, ist ein Blick auf die Statistiken bezüglich des gegenseitigen Handels - der boomt nämlich, was nicht nur bedeutet, das beide Partner wirtschaftlich abhängiger voneinander sind, sondern auch, dass sie einander vertrauen und gewillt sind, miteinander Geschäfte zu machen. Werden die freedom fries wieder french werden? Auf jeden Fall trägt ein boomender Handel zur Verbesserung der Situation bei. Er wird über kurz oder lang Auswirkungen auf gegenseitiges politisches Verhalten haben.

Selbst wenn Bush eine zweite Amtszeit in Washingten antreten würde, wäre das keine große Tragödie für Europa, da der amerikanische Unilateralismus irgendwo zwischen Nadschaf und Kerbala gestorben ist. Alles was die Partner zu tun haben, ist zu kooperieren.