“Die EU sollte die kulturelle Vielfalt stärken, die bereits innerhalb ihrer Grenzen existiert.”

Artikel veröffentlicht am 9. April 2017
Artikel veröffentlicht am 9. April 2017

Als Teil der European Angst Konferenz über Populismus, Extremismus und Euroskepsis, die letzten Dezember in Brüssel stattfand haben 42 StudentInnen unterschiedlicher Herkunft ein Manifest erstellt, das sie nach der Konferenz EU-Beamte übergaben. In einem Skypeinterview konnte ich zwei Studentinnen  -  Inva Nela aus Albanien und Anzhalika Yeraminovich aus Weißrussland – über das Manifest befragen.

Im Manifest forderten die StudentInnen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der EU ernst zu nehmen. Sie plädierten ebenfalls für die Erschaffung eines europaweiten Existenzminimums. Zudem ist es den StudentInnen zufolge nötig, gegen die Jugendarbeitslosigkeit anzukämpfen. Austauschprogramme zwischen unterschiedlichen Schulen sollten ebenfalls hergestellt werden, sodass Schüler verschiedener Familienverhältnisse und Hintergründe in Kontakt treten.   

Inva studiert Politikwissenschaften und internationale Beziehungen an der Epoka Universität. Sie hat im Albanischen Auswärtigem Amt und im European Movement Albania Praktika absolviert.

Anzhalika macht ihren Master Global Political Economy.

Sowohl Inva als auch Anzhalika waren sehr begeistert, über das Manifesto zu sprechen.  

cafébabel: Warum wart ihr an der Erschaffung des Manifests interessiert?

INVA: Ich komme aus Albanien, einem kleinen Balkanstaat. Albanien hat die Verhandlungen aufgenommen, der EU beizutreten. Der EU anzugehören ist ein Ziel unserer Nation. Es bedeutet für mich viel, an dem Manifest teilnehmen zu können.

ANZHALIKA: Das Manifest war ein Teil des Projektes. Dadurch konnten wir unser Besorgnis über das aktuelle Geschehen in Europa zu Papier bringen.

cafébabel:Wie lief die Mitarbeit von allen StudentInnen am Manifest?

INVA: Wir kannten einander nicht vorher, aber da uns dieses Thema allen nahestand, waren wir alle sehr engagiert, am Manifest zusammenzuarbeiten.

ANZHALIKA: Als wir uns für die “European Angst” Konferenz beworben haben, haben wir unsere Gedanken über dieses Thema in die Bewerbung geschrieben. Diese Gedanken haben wir ins Manifest mit einfließen lassen. Zuerst hatten wir die Idee, die Angst zum Ausdruck zu bringen, die mit dem Anstieg des Populismus in Europa zusammenhängt. Das Endprodukt ist ein Werkzeug; unser Ziel ist es, bei dem Leser mit unseren Gedanken etwas zu bewirken.  

cafébabel:Was war das Ziel des Manifests? Was wolltet ihr damit erreichen?

INVA:  Etwas wie Fremdenfeindlichkeit kann nicht Teil unserer Gesellschaft werden; wir müssen es unbedingt bekämpfen und reduzieren. Die moderne Gesellschaft muss lernen, neue Kulturen zu akzeptieren.  

ANZHALIKA:  Wir fürchten uns, über “European Angst” zu diskutieren, aber es ist wichtig, dass darüber diskutiert wird. Diese Angst ist ein wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Problem und es bedroht die liberale Demokratie. Es ist nicht einfach, auf dieser schweren Krise eine Antwort zu finden, aber wir versuchen, es zu erfassen.  

cafébabel:Warum seid ihr an dem aktuellen Geschehen in Europa interessiert?  

INVA: Die Probleme, mit denen Europa kämpfen muss, geht uns alle etwas an, nicht nur die Europäer. Phänomene wie Populismus und Extremismus geschehen weltweit. Dieses Manifest haben wir geschrieben, und uns junge Generation wurde eine Stimme gegeben, also sind unsere Gedanken zu dieser Situation sehr wichtig.

ANZHALIKA:   Mein Heimatland Weißrussland grenzt an die Ukraine. Dort ist es zu politischen Unruhen gekommen. Ganz Europa befindet sich in einer geopolitischen Krise, und ich fürchte, dass es zu Kampfmaßnahmen oder sogar zu Kriegen kommt.

cafébabel: Was ist eurer Meinung das Wichtigste, was das Manifest beinhaltet?

INVA: Die EU sollte verantwortlich handeln, indem es sich mit Problemen wie die Wirtschaftskrise befasst. Wenn EU diese Probleme nicht wahrnimmt, werden sie sich nur verschlimmern. Sie sollte ebenfalls die die kulturelle Vielfalt stärken, die bereits innerhalb ihrer Grenzen existiert. Ich glaube fest daran, dass die EU die Krise überwinden wird.  

ANZHALIKA:  Es ist wichtig, sich mit der Angst, was in Europa passiert, zu befassen. Die EU wurde gegründet, weil Stabilität in Europa nötig war. Die Änderungen in der Politik lassen Zweifel über diesem Zweck aufkommen, aber unser Ziel ist es, eine neue Stabilität in der EU zu erlangen.     

Bis heute (Stand: April 2017) haben die StudentInnen noch nichts von den EU-Beamten zwecks des Manifests gehört. Gerade in der Politik muss aber alles zunächst debattiert werden, also hilft da nur noch Geduld zu wahren.