Die erneuerbaren Energien: zwischen Hoffnung und Widersprüchen : II Part

Artikel veröffentlicht am 28. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 28. Februar 2009
Die erneuerbaren Energien sind mitunter ein recht entfernter Markt von jenen philanthropischen oder humanistischen Engagements, die den Planeten Erde bewahren wollen. Die Unternehmen, die sich hier einem Wettbewerb aussetzen, existieren, um in einem aufgrund der Finanzkrise trübseligen weltweiten Kontext ihre Investitionen gewinnbringend anzulegen.
Nun sind in den industrialisierten Ländern, aber auch in den Schwellenländern wie Indien und China, die Gelegenheiten für eine Entwicklung dieses Sektors beträchtlich.

Die Herausforderung durch die erneuerbaren Energien scheint obendrein auf den richtigen Weg zu führen, wenn man sich auf die zahlreichen ökonomischen Akteure, die industriell-technologischen Mittel und die in jedem Land für die Entwicklung neuer Energiequellen ablaufenden Forschungs- und Entwicklungsverfahren schaut.

Das für das Erreichen dieser Ziele genutzte Produktionssystem ist mit anderen industriellen Sektoren zu vergleichen. Es ist gemäß dem geographischen Spektrum globalisiert angelegt. Übrigens ist dies der wichtigste Widerspruch bei den erneuerbaren Energien. Trotz der Notwendigkeit, eine Reduktion des CO2-Ausstoßes zu gestatten, bevorzugen sie wiederholte Verlagerungen von mehreren 1000 Kilometern zwischen Produktionsstätten und denen des Verbrauchs. Nun aber werden heutzutage diese Verlagerungen mit Hilfe von fossile Energien nutzenden Mitteln erreicht. Der Markt der erneuerbaren Energien, der heute viel Konkurrenz aufweist, ermutigt indirekt, aber konsequent ein Produktionssystem, welches wie ein Motor für die Klimaerwärmung fungiert. Die Solarzellen der photoelektrischen Panals werden größtenteils in China produziert und sind für den europäischen und amerikanischen Markt bestimmt. Diese Zellen werden bahnbrechend auf den westlichen Märkten verkauft, während die Chinesen einen Markt besitzen, der erheblich auf Entwicklung setzt.

Was die Europäer angeht, so werden sie ihre Endprodukte in Madagaskar, Indien und im Maghreb absetzen wollen, ohne dennoch technologische Transfers zu fördern, damit diese Länder ihre eigene Technologie lokal entwickeln können.

Diese verschiedenen Tendenzen illustrieren gut den Rückgriff auf eine Logik, die nichts mit den Prinzipien dauerhafter Entwicklung zu tun haben, die anlässlich diverser Weltgipfel veranschaulicht wurden.

Über diese Paradoxien hinaus stellten die nationalen Märkte der europäischen Staaten eher positive Veränderungen fest.

Frankreich ist traditionsgemäß stark von der Nuklearenergie geprägt, mit den weltgrößten Unternehmen und einer zu 80% aus diesem Erzeugungssystem stammenden Energie. Die von Präsident Sarkozy bekannt gegebene Konstruktion eines neuen EPR, aber auch das Gewicht der Nuklearenergielobby inmitten der politischen Welt, Quelle des Reichtums der französischen Ökonomie, bildet angesichts des für 2010 angesetzten Ziels von 23% einen Haken. 

Wenn der Staat beispielsweise den aus Solarzellen gewonnenen Strom subventionieren würde, so würde er dennoch nicht als Motor des Öko-Wachstums erscheinen. Es sind im Grunde genommen die 22 französischen Regionen, welche diese Bewegung in Richtung erneuerbare Energien unterstützen. Zuerst fördern sie die Privatpersonen, die photoelektrische Systeme in ihren Häusern einbauen lassen. Darüber hinaus ermutigen sie das Entstehen von Klein- und Mittelbetrieben, die sich zu diesem Sektor klar positionieren und landes- und europaweit innovative Systeme entwickeln wollen, indem sie sich der Forschung annähern.

Diese Initiativen sind insbesondere das Ergebnis der Willensstärke südlicher Regionen Frankreichs: Languedoc-Roussillon, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Rhône-Alpes und Midi-Pyrénées. Diese Klein- und Mittelbetriebe weisen bzgl. der Nutzung ihre lokalen Regeln auf und haben nichts mit den enormen Unternehmen wie EDF oder Areva zu tun, die kaum mehr territorialisiert sind und deren erstes Ziel es ist, den Profit ihrer Aktionäre zu vergrößern.

In Spanien sind mit der Gründung des europaweit größten Solarkraftwerks neben Sevilla gigantische Projekte am Entstehen. Die Windenergie bleibt mit der Entwicklung von Kraftwerken auf den Ebenen von Meseta und anderswo im Land nicht zurück. Dieser Sektor verspricht, die spanische Wirtschaft vielfältiger zu gestalten und Zeuge des Auftauchens großer Unternehmen auf Landesniveau wie Vestas, Spezialist für Windenergie, zu werden. Aber an diesen Tagen, wie wir unterstrichen haben, breitet sich im Land eine brutale Rezession aus, und die autonomen Gemeinden sowie die Regierung müssen anderen Dringlichkeiten ins Gesicht blicken, wie z.B. der Zusammenbruch des Bausektors und die Verschuldung der Haushalte. Die öffentlichen Ämter sind somit nicht mehr in der finanziellen Lage, die Eigenenergie zu subventionieren, wie sie es noch letztes Jahr taten.

Deutschland hält seine Flugbahn, aber der Markt strebt nach Saturierung und scheint zu kränkeln. Die Verlangsamung der Winde und der Solarzellen veranschaulicht diese Stagnation. Seine industriellen Meister, besonders die größten unter den Klein- und Mittelbetrieben oder ihre in der Internationalität tätigen Netzwerke beherrschen aufgrund der Qualität ihrer Produktion immer wieder wichtige Absatzmärkte auf den entstehenden Märkten wie Frankreich oder jene unter den Schwellenländern.

Der Wettlauf um die erneuerbaren Energien wird also begleitet von Widersprüchen bzgl. der Frage nach dem Naturschutz.

Dieser Punkt beunruhigt wahrscheinlich nicht allzu viele unter den großen französischen Akteuren wie EDF oder Areva, die es einst gewohnt waren, lediglich Nuklearenergie zu erzeugen, indem sie jene als Eigenenergie verkauften. Das ist übrigens der zweite französische Widerspruch zwischen einer überaus starken Nuklearindustrie und dem politischen Diskurs mit partiellen ökologischen Akenten.

Stellen wir abschließend fest, dass dieser Sektor und jener der Umwelt insgesamt heute der einzige Gruß eines Finanzkapitalismus außer Atem ist. Die Vereinigten Staaten und der Großteil der industrialisierten Länder haben es übrigens gut verstanden. Aber durch das Wiederaufgreifen von Rezepten, die bereits ihre Grenzen aufzeigten, kann man sich zu den Möglichkeiten dieses Systems befragen, dauerhaft auf die Bedürfnisse der Entwicklung von den Gesellschaften in Nord und Süd einzugehen.

Marc Terrisse

Trad.: Matthias Jakob Becker