Die Erfüllung eines Traums: Eine Stelle in Brüssel

Artikel veröffentlicht am 15. Juli 2014
Artikel veröffentlicht am 15. Juli 2014

30% der Be­woh­ner in Brüs­sel sind aus dem Aus­land – viele sind junge Men­schen aus der gan­zen Welt, die hier ihr Glück su­chen. Viele haben au­ßer­or­dent­li­che Le­bens­läu­fe und scheitern trotzdem daran Ar­beit zu fin­den. Wie fin­den junge Men­schen in der eu­ro­päi­schen Haupt­stadt den­noch ihren Traum­job? Die Tipps, die DIR hel­fen wer­den, DEI­NEN Traum­job zu fin­den.

Im Land des Spe­ku­la­ti­us gibt es Ar­beit­neh­mer aus der gan­zen Welt. Der Er­fin­der der Spe­ku­la­ti­us­pas­te hatte in 1968 ein Motto: „Wenn du etwas un­be­dingt willst, kannst du es schaf­fen.“ Das könn­te auch der Leit­satz von Nuno Lou­rei­ro sein, dem Ko­or­di­na­tor der As­so­zia­ti­on In­terel. Denn In­terel ist der Ge­win­ner des Prei­ses zur Be­ra­tung in Eu­ro­päi­schen Öf­fent­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten 2014. Vor die­sem Job mach­te der ehr­gei­zi­ge 27-jäh­ri­ge Por­tu­gie­se mit einem Mas­ter in Po­li­tik ei­ni­ge un­be­zahl­te Prak­ti­ka. Nuno ar­bei­te­te er im Del­hai­ze Su­per­markt, um etwas Geld zu ver­die­nen. Au­ßer­dem war er lange fi­nan­zi­ell von sei­ner Freun­din ab­hän­gig. Er be­such­te zu­sätz­li­che Kurse am Abend und ver­schick­te sei­nen Le­bens­lauf tau­send­fach. Er ver­such­te alles, um sei­nen Traum­job in eu­ro­päi­schen An­ge­le­gen­hei­ten in Brüs­sel zu fin­den. „Ich habe tau­sen­de von ‚Neins‘ in mei­nem Leben be­kom­men. Nach hun­dert Ab­sa­gen haben mir Ab­leh­nun­gen nichts mehr aus­ge­macht. Wenn du dich be­wirbst, frag immer nach der Ur­sa­che der Ab­sa­ge. Wenn du Ant­wor­ten be­kommst, es ist immer eine sehr an­ge­neh­me Über­ra­schung. Das kann dir bei zu­künf­ti­gen Be­wer­bun­gen hel­fen. Aber warte nicht dar­auf!“

Fühl dich nicht ge­fan­gen!

Nuno schlägt vor, nicht auf­zu­hö­ren sich wei­ter­zu­bil­den und Work­shops zu be­su­chen. „Du kannst dich nicht nur dei­ner Ar­beit an­pas­sen. Es gibt eine Un­zahl von Chan­cen. Klebe nicht an dei­nem Job, selbst wenn du ihn magst. Du soll­test die ganze Zeit Be­wer­bun­gen schi­cken.“

Nuno hat viele Prak­ti­ka ge­macht und muss­te sich mehr­fach bei Ac­tiris, dem fö­de­ra­len, öf­fent­li­chen Ar­beits­dienst in Brüs­sels an­mel­den, weil er ar­beits­los war. „Hier in Brüs­sels fehlt es an Mög­lich­kei­ten für junge Ab­sol­ven­ten“. Die Brüs­se­ler Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on für die er nun ar­bei­tet, hilft jun­gen Ta­len­ten, gute, an­ge­mes­se­ne und hoch­wer­ti­ge Prak­ti­ka in der Brüs­se­ler Re­gi­on zu fin­den. Des­halb emp­fiehlt Nuno jedem Be­wer­ber, „an sei­nen Le­bens­lauf zu den­ken. Be­den­ke das Foto. Manch­mal schrei­be ich nicht ‚Prak­ti­kum‘, son­dern wel­che Tä­tig­keit ich über­nom­men habe, bei­spiel­wei­se Pro­jek­tas­sis­tenz. Sonst würde mein Le­bens­lauf schlecht aus­se­hen. Das ma­chen hier alle so in Brüs­sel.“

Sechs Jahre lang hat er die Be­rufs­er­fah­rung in Kiew, Wien und Brüs­sel ge­sam­melt und jetzt be­kommt er die meis­ten Pro­jek­te da­durch, dass er im Kon­takt ge­blie­ben ist. „Die Ver­net­zung mit den Leu­ten, die du ken­nen­ge­lernt hast oder mit denen du ge­ar­bei­tet hast, ist sehr wich­tig. Lin­ke­dIn ist das per­fek­te Mit­tel“, berät er.

Was ist mit der Liebe?

Mar­cia­no Silva kam ur­sprüng­lich nach Eu­ro­pa, weil er sich dort ver­liebt hatte. Jetzt ist er in Brüs­sel ver­liebt. Er ist Ma­na­ger in Exki!, einem Fran­chise­be­trieb mit mehr als 70 Re­stau­rants in sechs ver­schie­de­nen Län­dern. Der 35-jäh­ri­ge Bra­si­lia­ner ar­bei­tet in dem Re­stau­rant zwi­schen dem Haupt­bahn­hof und der Grand-Place. Hier muss er an­dau­ernd vom Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche oder Spa­ni­sche wech­seln, um Leute aus der gan­zen Welt zu be­die­nen. Wenn man ihn nach den Tipps fragt, ant­wor­tet er, dass „man nur le­ga­le Ver­trä­ge un­ter­schrei­ben soll­te und nie­mals Schwarz­ar­beit ma­chen darf. Nie ohne Pa­pie­re. Nie­mals.“

Wäh­rend er fri­sche Sa­la­te und Latte vor­be­rei­tet und Kä­se­ku­chen ser­viert, er­klärt Mar­cia­no, dass er hier sie­ben Jahre ge­ar­bei­tet hat, „um fi­nan­zi­el­le Sta­bi­li­tät zu fin­den, aber auch um nicht zu ver­ges­sen, was ich gerne mache.“ Nach sei­ner Ar­beits­schicht in dem Re­stau­rant, geht er sei­ner Lieb­lings­be­schäf­ti­gung nach: der Ma­le­rei. Er kon­zen­triert sich auf Ga­le­ri­en, Aus­stel­lun­gen und in­ter­na­tio­na­le Kun­den. Der Ver­kauf von Acryl­ge­mäl­den hilft ihm, Geld nach Paraná zu­rück­zu­schi­cken und ne­ben­bei mo­der­ne bra­si­lia­ni­sche Kunst in die Welt zu tra­gen.

Wäh­rend Mari Tepp auf dem Bal­kon des Ge­bäu­des der Kanz­lei Mi­lieu Law & Po­li­cy Con­sul­ting’s steht und die Stadt be­ob­ach­tet, er­klärt sie, wie die mul­ti­kul­tu­rel­len Un­ter­neh­men in Brüs­sel zur in­ter­na­tio­na­len Stim­mung der Stadt bei­tra­gen. „Jeden Tag ar­bei­tet man mit Leu­ten un­ter­schied­li­cher Hin­ter­grün­de zu­sam­men und ent­deckt Un­ter­schi­de. Zum Bei­spiel wie man seine Mit­tags­pau­se nutzt und wie lange sie dau­ert. Die Leute, die hier ar­bei­ten wer­den to­le­ran­ter und ach­ten auf an­de­re.“ Sie ist eine junge Estin, die schon drei­ein­halb Jahre im Aus­land wohnt: erst in Deutsch­land, Frank­reich, in den USA und jetzt in Brüs­sel. Wäh­rend sie in einem mul­ti­kul­tu­rel­len Büro als Stra­te­gie­for­sche­rin ar­bei­tet, ver­such­te Mari immer „auf alle in­ter­na­tio­na­len Ge­le­gen­hei­ten acht­zu­ge­ben und an­de­re Leute auf Sti­pen­di­en hin­zu­wei­sen.“ Ihr Vor­schlag für ihre ar­beits­lo­sen Freun­de ist, „nie seine Selbst­si­cher­heit zu ver­lie­ren, auch wenn dich nie­mand will. Es gibt einen Platz für alle. Auch wenn es ein biss­chen län­ger dau­ert, um eine Ge­le­gen­heit zu fin­den, bleib aktiv. Mache frei­wil­li­ge Pro­jek­te, grün­de ein Star­t­up, lerne Spra­chen. Das ist alles auch sehr wert­voll für dei­nen Le­bens­lauf.“

Da man in Brüs­sel min­des­tens drei ver­schie­de­ne Spra­chen be­nutz­t, um nach dem Ho­tel­zim­mer zu fra­gen, muss­te Mi­re­la Mis­tor alle ler­nen. Ita­lie­nisch ist noch auf ihrer Liste. Ru­mä­nisch ist ihre Mut­ter­spra­che. Sie hat vier Jahre in einem Ho­tel­be­trieb ge­ar­bei­tet und kam nach Brüs­sel, als Ru­mä­ni­en ge­ra­de fri­scher EU-Mit­glied­staat wurde. Sie ver­ließ ihren klei­nen Sohn und fing an, die zu put­zen. Da­nach bekam sie einen Job in dem Tou­ris­mus­be­reich und nutz­te ihren Ab­schluss in die­sem Feld. Ihr wich­tigs­ter Rat ist, „zu stu­die­ren, in sich selbst zu in­ves­tie­ren und die ganze Zeit wei­ter zu ler­nen, selbst wenn man schon eine Ar­beit hat.“ Sie war in der Lage, ihren Sohn nach Brüs­sel zu holen und er­mu­tigt ihn, „immer der Beste zu sein.“ Mi­re­la fährt jeden Som­mer nach Ru­mä­ni­en, aber sie fühlt sich dort jetzt an­ders. „Nach Brüs­sel zu kom­men ver­än­dert deine Men­ta­li­tät. Hier wirst du auf­ge­schlos­se­ner. Die Leute gu­cken dich nicht an, sie be­ur­tei­len dich nicht auf­grund dei­ner Klei­dung. Na­tür­lich, wenn du deine El­tern hin­ter dir hät­test, die dich ganze Zeit un­ter­stüt­zen, hät­test du nicht den Mut, zu kom­men und zu kämp­fen. Die Leute, die unter Frem­den woh­nen kön­nen, sind die Stär­ks­ten. Jeder schafft es ja zwi­schen unter Freun­den zu woh­nen“, sagt sie sehr stolz. „Wenn ich noch mal alles leben müss­te, weiß ich nicht, ob ich es schaf­fen würde. Die Mo­men­te ma­chen dich stär­ker. Alles ist mög­lich, wenn du es willst!“ 

Die­ser Ar­ti­kel ist ein Teil einer Son­der­se­rie aus Brüs­sel. Das Pro­jekt „EU-to­pia: Time to Vote“ wurde von Cafébabel zu­sam­men mit der Hip­po­crène Stif­tung, der Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on, dem fran­zö­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­um und mit der EVENS Stif­tung rea­li­siert. Alle Ar­ti­kel wer­den bald auf der ers­ten Seite un­se­res Ma­ga­zins ver­füg­bar sein.